(dpr) Viel zu denken und zu schmunzeln, aber auch zu bewundern gibt es seit Donnerstag in der Lübbenauer Rathaus-Galerie. Mehr als 100 Arbeiten von weltweit anerkannten Karikaturisten aus verschiedenen Ländern hat das Legnica Cultural Center den Spreewaldstädtern ausgeliehen. Die Werke sind für den offenen Karikaturen-Wettbewerb Satyrykon eingereicht worden, der seit nun schon 40 Jahren in Legnica veranstaltet wird. Um die 30 000 Zeichnungen sind seither entstanden, von denen jeweils eine Auswahl schon vielerorts in Europa, aber auch in Südkorea und im Iran gezeigt wurde, wie Kuratorin Ela Pietraszko zur Ausstellungseröffnung ausführte.

Nun also kann man einige der Karikaturen, rund 100, auch in Lübbenau anschauen. Im Erdgeschoss und in der ersten Etage sind sie ausgestellt. Ein schönes Angebot vor allem auch für Besucher des Spreewaldateliers, das kommende Woche eröffnet wird, so Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos). Auf dem Kirchplatz, also nur ein paar Schritte entfernt von der neuen Rathaus-Ausstellung, werden wieder Bildhauer und Karikaturisten im öffentlichen Raum arbeiten. Mehrere Spreewaldatelier-Teilnehmer in diesem Jahr haben auch schon bei Satyrykon ausgestellt, etwa Valeriu Kurtu aus Berlin oder der Lübbenauer Reiner Schwalme.

Den Gästen der Ausstellungseröffnung erschloss sich nicht bei jeder Zeichnung sogleich, worauf der Künstler hinaus will. Zumindest aber regt jede der Karikaturen zum Nachdenken an und eröffnet Interpretationsspielräume. So ging es zum Beispiel Joachim Liedtke und Philipp Hoffmann. Einige Stoßrichtungen der Kritik sind aber doch auch eindeutig. Wenn jemand nur noch Smartphones im Kopf hat oder das Facebook-Symbol mit einem Maul ausgestattet wird, ist wohl klar, was uns der Zeichner damit sagen will. Sehr deutlich wird auch Jerzy Gluszek mit seinem „Soldaten“, um dessen Kopf herum Skelette Kettenkarussell fahren. Freunde Helmut Kohls dürften wohl wenig Freude haben an der Karikatur von Miroslaw Kuzma. Er zieht dem Kanzler der Einheit in seinem gezeichneten Kommentar die Maske vom Gesicht – und was zum Vorschein kommt, ist zum Fürchten. Eine der stärksten Arbeiten ist sicher die von Adam Korpak. Der Finne zeigt einen Mann auf allen vieren in einer Glasglocke. Der Hammer, mit dem er sich befreien könnte, liegt zum Greifen nah, aber außerhalb der Glocke. Der Titel des Kunstwerks: „In Reichweite“.

Bei der Ausstellungseröffnung hatte aber auch die Live-Musik hohes Niveau. Daniel Pircher spielte Gitarre zu Obertongesang. Wobei der Gesang klang wie eine zarte Flötenmelodie. Im Zusammenspiel mit den geschmeidigen Bewegungen des schwarz gewandeten Mannes mit dem Backenbart entstand eine ganz eigentümliche, besinnliche Atmosphäre. Gut passend zumindest zu einigen der Karikaturen.

Wie Philipp Hoffmann von der Stadtverwaltung sagt, wird die sehr sehenswerte Ausstellung noch mindestens bis Oktober zu sehen sein.