Nazi-Parole in Calau
: Rechtsextremes Graffiti im Bahnhofstunnel - Ermittlungen

Im Bahnhofstunnel in Calau musste die menschenverachtende Parole der Nationalsozialisten „Arbeit macht frei“ entfernt werden. Das ist bisher dazu bekannt.
Von
Daniel Preikschat
Calau
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Fußgängertunnel des Bahnhofs in Calau. Auf der Wand links wurde die betroffene Fläche übermalt.

Fußgängertunnel des Bahnhofs in Calau. Auf der Wand links wurde die betroffene Fläche übermalt.

Luca W./brandenburg.media
  • Im Bahnhofstunnel Calau tauchte am Mittwoch die Parole „Arbeit macht frei“ auf.
  • Die Polizei ermittelte mit Staatsschutz, die Bahn ließ das Graffiti noch am selben Tag entfernen.
  • Laut Polizei erfüllt der Schriftzug den Straftatbestand und kann mit Haft oder Geldstrafe enden.
  • Der Bahnhof gilt als vernachlässigt, die Wilde Möhre GmbH plant Sanierung von Gebäude und Umfeld.
  • Die Stadt will ab 2027 die Straße am Bahnhof ausbauen – engere Kooperation ist vorgesehen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Den Fußgängertunnel des Bahnhofs in Calau (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) zu durchqueren, ist schon lange kein Vergnügen mehr. Bahnkunden müssen immer wieder vorbei an Müll und Schmierereien auf dem Weg zum Bahnsteig. Oft riecht es übel. Doch was Fußgänger dort am Mittwoch, 16. September 2026, um die Mittagszeit zu sehen bekamen, war erschreckend und abstoßend.

Die menschenverachtende Parole „Arbeit macht frei“ war acht Meter groß auf eine Tunnelwand aufgesprüht worden. Die Passanten informierten sofort die Polizei. Deren Abteilung Staatsschutz sicherte noch am Mittwoch Spuren und nahm die Ermittlungen auf.

Die Deutsche Bahn veranlasste noch am selben Tag die Entfernung der Nazi-Parole. Die Schmiererei im Personentunnel des Bahnhofs Calau stelle eine strafbare und verfassungsfeindliche Parole dar. „Wir dulden solche Inhalte an unseren Anlagen nicht“, heißt es von der Bahn. Straftaten wie diese werden der Bundespolizei gemeldet und zur Anzeige gebracht.

Der Schriftzug "Arbeit macht frei" ist am Tor zum früheren Konzentrationslager Auschwitz I zu sehen. Am 27.01.2020 jährt sich zum 75. mal die Befreiung des Konzentrationslagers durch die Rote Armee. Von 1940 bis 1945 betrieb die SS den Komplex mit zahlreichen Außenlagern als Konzentrations- und Vernichtungslager. Die Zahl der Ermordeten beläuft sich auf 1,1 bis 1,5 Millionen, die meisten von ihnen Juden. Auschwitz steht als Symbol für den industriellen Massenmord und die Vernichtung der Juden. +++ dpa-Bildfunk +++

Der Schriftzug „Arbeit macht frei“ ist am Tor zum früheren Konzentrationslager Auschwitz I zu sehen. Von 1940 bis 1945 betrieb die SS den Komplex mit zahlreichen Außenlagern als Konzentrations- und Vernichtungslager. Die Zahl der Ermordeten beläuft sich auf 1,1 bis 1,5 Millionen, die meisten von ihnen Juden. Auschwitz steht als Symbol für den industriellen Massenmord und die Vernichtung der Juden.

Britta Pedersen/dpa

Auf Nachfrage bei der Polizei am Freitag, 18. September 2026, war noch kein neuer Ermittlungsstand in Erfahrung zu bringen. Eindeutig erfülle das Graffiti den Straftatbestand „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“, so ein Polizeisprecher in Cottbus. Dieses Vergehen kann mit Geldstrafe oder mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden.

Bahnhof in Calau wurde stark vernachlässigt

Die Nationalsozialisten hatten den Schriftzug unter anderem am Eingangstor des Konzentrationslagers (KZ) in Auschwitz angebracht. In der Zeit seines Bestehens zwischen 1940 und 1945 wurden schätzungsweise rund 1,3 Millionen Menschen in den Lagerkomplex Auschwitz deportiert. Von ihnen wurden laut Bundesarchiv etwa 1,1 Millionen dort ermordet.

Auch an den Eingangstoren anderer Konzentrationslager und Gefängnisse der Nazis wurde der Schriftzug angebracht. Der Diebstahl des Schriftzugs in Auschwitz und in Dachau in den Jahren 2009 und 2014 sorgte für ein großes mediales Echo.

„Wir dulden solche Inhalte an unseren Anlagen nicht.“
Sprecher der Deutschen Bahn
Deutsche Bahn als Eigentümer des Personentunnels in Calau

Der Bahnhof in Calau ist in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt worden. Das Bahnhofsgebäude steht schon lange Zeit leer. 2023 hat es die Wilde Möhre GmbH – bekannt für die Organisation des Festivals Wilde Möhre bei Drebkau mit Konzerten und Workshops und anderen Angeboten – erworben. Es wurden zunächst Reinigungs- und Sicherungsarbeiten vorgenommen.

Langfristig sollen Gebäude und Bahnhofsumfeld saniert und belebt werden. Die Stadt Calau lässt ab 2027 die Straße am Bahnhof ausbauen. Bahnhof und Bahnhofsumfeld sollen modernisiert und attraktiviert werden. Die Wilde Möhre will dabei mit der Stadt gern noch enger kooperieren.

Alexander Dettke von der Wilden Möhre zeigt sich schockiert von der Graffitiaktion. Ständig, erzählt er, müssten auf dem Bahnhofsareal Schmierereien entfernt werden. Rechtsextreme Symbole seien bisher seines Wissens aber nicht dabei gewesen. Die Straftat sieht er aber auch als mögliche Folge einer Vernachlässigung des Bahnhofs.