Nabu-Projekt in Vetschau
: Nur noch wenige Wochen – legendäres Weißstorch-Zentrum schließt

Eines der namhaftesten Weißstorch-Projekte in Deutschland steht vor dem Aus. Das sind die Gründe. Und so soll es für den Nabu in Vetschau jetzt weitergehen.
Von
Uwe Hegewald
Vetschau
Jetzt in der App anhören
Im Vetschauer Weißstorchzentrum gab es Jahr für Jahr unvergessene Höhepunkte. So etwa die Beringung der berühmten Internetstörche.

Beringung der berühmten Internetstörche im Horst vor dem Vetschauer Weißstorchzentrum. Die Nabu-Einrichtung wird es bald nicht mehr geben. Was sind die Gründe und wie geht es weiter?

Uwe Hegewald

Naturfreunde und Storchenfans müssen sich beeilen: Mitte September schließt das legendäre Weißstorchzentrum in Vetschau (Landkreis Oberspreewald-Lausitz). Grund ist das Auslaufen eines langjährigen Erbbaupachtvertrages der Stadt mit dem Naturschutzbund (Nabu) im kommenden Jahr.

Der Vertrag war in den 1990er-Jahren geschlossen worden. Eine Verlängerung zu den damaligen Konditionen sei unrealistisch, heißt es beim Nabu. „Die Kosten für das Gebäude und das dazugehörige Grundstück würden erheblich steigen. Das ist finanziell nicht zu stemmen“, sagt Bernd Elsner, der der Stadt zugleich zugutehält, dass sie in all den Jahren die Pacht nie erhöht habe.

Spreewald-Besucher sind gerne zu Gast in Vetschau

In seiner Zeit als Geschäftsführer des zuständigen Nabu-Regionalverbandes Calau, die im Frühjahr endete, hatte Elsner viele anspruchsvolle Veranstaltungen im Weißstorch-Informationszentrum mitgestaltet und miterlebt. Die jährlichen Tage der offenen Tür, Tagungen und Treffen des Naturschutzbeirates OSL oder der ehemaligen AG Orts- und Flurbegrünung zählt er auf, wie auch die zahlreichen Führungen für Spreewald-Besucher oder Schulklassen.

Selbst der als „Apfelpapst“ bekannte Dr. Werner Schuricht (Jena) besuchte das Weißstorchzentrum, um regionalen Besitzern von Obstbäumen ihre mitgeführten Äpfel zu analysieren und Sorten zu bestimmen. Bundesweiten Bekanntheitsgrad erreichte das Objekt durch seine Internetstörche.

„Wir waren 1998 die ersten mit einer Storchen-Cam, von denen es heute Hunderte gibt“, verwaist Stefan Schön auf ein früheres Alleinstellungsmerkmal. „Ein absoluter Glücksfall, der uns viel Aufmerksamkeit bescherte“, so der jetzige Vorsitzende des Nabu-Regionalverbandes Calau.

Nistkästenbau im Vetschauer Weißstorchzentrum

Nistkästenbau im Vetschauer Weißstorchzentrum

Uwe Hegewald

Der Horst vor dem Weißstorchzentrum ist schon lange leer

2014 verließen die Vetschauer Internetstörche aus nicht bekannten Gründen den Horst vor dem Weißstorchzentrum. Nun folgen auch die Naturschützer. „Wir mussten uns eingestehen, dass wir die Ausstellung mit der erforderlichen Bereitstellung des Personals sowie die anfallenden Kosten für das Objekt finanziell nicht mehr stemmen können“, begründet Stefan Schön.

Gleichzeitig räumt der Vetschauer Tierarzt ein, dass an einigen Angeboten festgehalten werde, wenn auch mit schmalerer Ausrichtung. Der Storchenschutz werde ebenso fortgeführt wie die Öffentlichkeitsarbeit des Nabu-Regionalverbandes, die sich gleichermaßen an Kinder und Erwachsene richtet. Im Idealfall würden sich Räumlichkeiten finden, die kein Personal benötigen, ohne sich dabei örtlich festzulegen.

Wie Bernd Elsner informiert, kamen aus Vetschau und Lübbenau bereits entsprechende Angebote. „Zeitnah steht noch ein Gespräch mit dem Calauer Bürgermeister Marco Babenz an, der unser ehrenamtliches Wirken zu würdigen weiß“, teilt er mit. Räumlichkeiten würden unter anderem benötigt, um den anhaltend nachgefragten Bau von Nist- oder Fledermauskästen fortzuführen.

Im Vetschauer Weißstorchzentrum wird das nach über zwei Jahrzehnten nicht mehr passieren. Unter Seelenverwandten und Weggefährten werde sich umgehört, wer Interesse am bisherigen Ausstellungsfundus besitzt. Bis Mitte 2025 muss das Objekt leergeräumt sein, in dem sich Sanierungsbedarf anmeldete.

„Allein mit ehrenamtlichem Engagement und der überschaubaren Zahl von Personen, die uns zur Seite steht, sind Projekte dieser Größenordnung nicht zu leisten“, stellt Stefan Schön klar. Auch wenn es ihm und den Mitgliedern des Nabu-Regionalverbandes Leid tue, dass die Spreewaldstadt Vetschau einen ihrer Leuchttürme verliere und einen touristischen Anlaufpunkt.

Der letzte Öffnungstag

Am Samstag, dem 14. September 2024, empfängt das Nabu-Weißstorchzentrum in Vetschau (Drebkauer Straße 2A) letztmalig Besucher.