Wenn am kommenden Samstag, dem 1. Februar, der Verein Rubisko wieder zampernd durch die Lübbenauer Altstadt zieht, sind sie mit von der Partie: Swetlana und Konrad Wachsmuth. Während sie einen der „Wurstbrüder“ verkörpert, mimt er den „Schimmelreiter“ – beides historische Figuren der Zampergesellschaft der wendischen Fastnacht (Zapust). „Es macht immer wieder Spaß, in die überlieferte Zamper-Tracht zu schlüpfen und von Haus zu Haus zu ziehen“, sagt das Paar. „Wir fühlen uns mit der sorbisch-wendischen Kultur verbunden und pflegen das Brauchtum.“

Ja-Wort bei echt sorbischer Hochzeit

Im vergangenen Jahr, am 25. Mai, haben sich die Beiden sogar bei einer sorbischen Hochzeit das Ja-Wort gegeben. „Im historischen Freilandmuseum in Lehde, mit Hochzeitsgesellschaft, die auf zwei Holzkähnen chauffiert wurde, einem geflochtenen und mit Blüten versehenen Schmuckbogen und klassischem Hochzeitsbitter. Dafür konnten wir sogar Bunte-Bühne-Schauspieler Matthias Greupner vom SachsenDreyer gewinnen“, schwärmt Swetlana Wachsmuth noch heute von diesem Tag. Es soll die erste sorbische Hochzeit im Freilandmuseum nach der politischen Wende gewesen sein, so Konrad Wachsmuth.

Damenwahl beim Karneval

Näher kennengelernt haben sich die beiden Wahl-Lübbenauer beim Karneval. Noch heute danken sie dem unbekannten Rentner eines zurückliegenden Senioren-Karnevals, der der Faschingsliebhaberin einen Tanz ausschlug und die sich dann Konrad Wachsmuth zuwendete. „Ich kannte ihn von zwei dienstlichen Zusammenkünften und hatte mich schon damals in ihn verguckt“, gesteht sie heute. Mit dem Flirten hielt sie sich jedoch zurück: „Als Center-Manager im Lübbenauer Kolosseum steht der bestimmt fest im Leben und ist liiert.“

Das vermutete auch Konrad Wachsmuth von der attraktiven Kita-Erzieherin aus Lübben. Bei der Annemarie-Polka war der Bann dann gebrochen und die Türen zu Gesprächskanälen und zu ihren Herzen geöffnet. „Dass wir uns ausgerechnet in Lübbenau begegnen, ist irgendwie schon verrückt. Schließlich stammen wir beide aus Berlin und sind der Berufe wegen viele Jahre zwischen Hauptstadt und Spreewald gependelt“, fasst Konrad Wachsmuth zusammen.

Irgendwann reifte der Wunsch, dauerhaft nach Lübbenau zu ziehen. „Wir fühlen uns hier willkommen, haben im Verein Rubisko und beim Lübbenauer Karneval Club viele Freunde gewonnen“, erklärt das Paar unisono. Ehrliche Freunde, wie Swetlana und Konrad Wachsmuth betonen.

Prinzenpaar des Lübbenauer Karneval Club

Beim Karneval Club wurde das Paar nun sogar in den temporären Adelsstand gehoben. In der aktuellen 55. Session verkörpern ihre Lieblichkeit und seine Hoheit das Prinzenpaar. Sie habe ihn mit dem Karnevalvirus infiziert und er die Ansteckung duldend akzeptiert. „Als Center-Manager war mir der närrische Frohsinn ja nicht fremd“, sagt Konrad Wachsmuth, der seinerzeit die Zusage leistete, Karnevalsveranstaltungen im Atrium des Kolosseums durchzuführen.

Wie Gattin Swetlana berichtet, habe es zwecks Prinzenpaar bereits in vorangegangenen Jahren zwei Anfragen gegeben. „Dieses Mal gab es keinen Grund abzusagen. Auch wenn uns eine intensive Zeit bevorsteht“, begründet ihre Lieblichkeit. Zudem ist es dem Paar gelungen, zwecks Wohnsitz Tatsachen zu schaffen. Im Sommer 2018 bot sich die Chance, in Lübbenau ein Wohnhaus zu mieten, um dauerhaft von Berlin in den Spreewald zu ziehen. Mit seiner Lage im Herzen der Altstadt bietet das Objekt genügend Platz, um alle Trachten, Kostüme und Utensilien aufzubewahren.

Hupfdohle und Rockmusiker

Darüber hinaus sorgt die zentrale Lage für kurze Wege zu Auftritten des Vereins Rubisko. So etwa bei der jährlichen Rudelübergabe (Saisoneröffnung), dem Hexenfeuer zur Walpurgisnacht im großen Hafen, den Kriminächten, an denen Lehde schlafen geht oder dem bevorstehenden Zampern.

Swetlana Wachsmuth genießt die Momente im Verein Rubisko und bei den Lübbenauer Karnevalisten, wo sie bei den legendären „Hupfdohlen“ mittanzt. „Als Kind war ich zehn Jahre Mitglied einer Volkstanzgruppe und habe mir zum Ziel gesetzt, das Tanzen auf irgendeiner Ebene fortzuführen.“ In Ehegatte Konrad schlummert indes ein Rockmusiker. Seit 1971 spiele ich in der Band „The Victories“ die E-Bass-Gitarre und fahre einmal wöchentlich zum Proben nach Berlin. „Wenn alles klappt, sind wir beim diesjährigen Lindenfest in der Lübbenauer Neustadt zu erleben.“