Kunsthaus Laasow
: Wohnhaus, Atelier und Galerie – Künstlerpaar lädt zum Rundgang ein

Neben Workshops und Adventsmärkten beherbergt das ehemalige Gasthaus Laasow auch 100-jährige Geschichte – und ein Künstlerpaar, das trotz unterschiedlicher Kunst eine gemeinsame Vision verfolgt.
Von
Alexandra Leibmann
Vetschau
Jetzt in der App anhören
  • Schablonen-Graffiti neben einer Skulptur, die von den Verpackungsüberresten von Kaffeekapseln umhüllt ist (von Willi Selmer)

    Schablonen-Graffiti neben einer Skulptur, die von den Verpackungsüberresten von Kaffeekapseln umhüllt ist (von Willi Selmer)

    Alexandra Leibmann
  • Willi Selmer bietet Holzworkshops an, um das Material auch an Menschen zu bringen, die noch keine Erfahung im Schnitzen haben. Im Laufe des Jahres finden verschiedene Kurse für alle Erfahrungsstufen in Kleingruppen statt.

    Willi Selmer bietet Holzworkshops an, um das Material auch an Menschen zu bringen, die noch keine Erfahung im Schnitzen haben. Im Laufe des Jahres finden verschiedene Kurse für alle Erfahrungsstufen in Kleingruppen statt.

    Alexandra Leibmann
1 / 2

Sicherlich ist es manchen nicht unbekannt: das Kunsthaus Laasow, was mit seiner gelb-orangenen Fassade auffällig in der Landschaft steht. Ein Tor führt hinein in den Garten, wo zwei alte Kater nach Mäusen und nach Streicheleinheiten suchen. Willi Selmer und Marion Goyn bewohnen das ehemalige Gasthaus, was 1895 gebaut und bis 1987 noch als Gasthaus aktiv war. 1996 kaufte Willi Selmer dann das Haus, um es zu seinem Lebens- und Kunstmittelpunkt zu machen.

In einem Rundgang durch das Atelier fällt schnell auf, dass hier zwei Künstler zu Gange sind. Während ästhetische, überwiegend farbige Landschaftsmalereien aus Aquarell, Pastell, aber auch Bleistift und Kohle an den Wänden platziert sind, stehen im Raum verteilt Skulpturen aus Holz und Metall und Graffiti-ähnliche Bilder mit menschlichen Motiven. „Alles Schöne ist von Marion und das Verrückte von mir“, gibt Willi Selmer als Hinweis zur leichteren Unterscheidung.

Eine große Holzskulptur lehnt im Atelier des Kunsthauses Laasows am Tisch.

Alexandra Leibmann

Sie beide arbeiten in dem Atelier, und ihre Kunstwerke ergeben eine bunte und stimmige Ansammlung von Körperformen und Landschaften in dem lichtdurchfluteten Atelierraum. Für Marion Goyn ist die Kunst kein Hauptberuf, sondern ein Hobby zum Abschalten. „Kunst macht die Stadt lebendig“, sagt sie. „Und bereichert sowohl den Künstler als auch den Betrachter mit einem neuen Blick auf die Gegend. Es ist eine Gabe, stundenlang an einem Ort ruhig sitzen zu können und die Natur wahrzunehmen.“ Und genau das tut sie, wenn sie ihre Bilder malt, meist mit anderen kunstbegeisterten Menschen in Gemeinschaft.

Das Künstlerpaar Willi Selmer und Marion Goyn

Willi Selmer/Marion Goyn

Mit Liebe und Schrecken zur Lausitzer Natur

Für Selmer hat Kunst einen anderen Stellenwert. Denn mit dem Verkauf seiner Kunstwerke generiert er seinen Lebensunterhalt. Seit 25 Jahren nun ist er selbstständig als Künstler in der Region tätig. Der ehemalige Zimmerer und Bautechniker wuchs in Bayern auf und kam in die Region, um in einem Architekturbüro zu arbeiten. Und die Liebe zur Lausitz – wie sich nach und nach herausstellte – war mehr als nur ein kurzer Flirt. Die Faszination zur Gegend hat ihn eingebunden und findet bis heute durch seine Kunst Ausdruck. Kunstwerke aus der Erde des Spreewalds oder Holzskulpturen, die aus selbst gefundener Pappelrinde bestehen, kommen aus der Natur der Umgebung.

Kunst von Marion Goyn und Willi Selmer vereint: Die Holzfigur von Selmer und die Landschaftsmalerei von Goyn ergänzen sich gegenseitig. Beide Künstler arbeiten mit der Natur als Inspiration.

Alexandra Leibmann

Und auch das Unnatürliche wird thematisiert. Ein übrig gelassenes Förderband, das Selmer im stillgelegten Tagebau Gräbendorf gefunden hatte, hat er zu einem Kunstwerk verarbeitet; es steht derzeit als Ausstellungsstück in der Sparkasse Calau. Trotz all der Kritik, die Selmer an den Tagebauen ausübt, muss er sich jedoch eines eingestehen: Dank des ehemaligen Tagebaus haben die Laasower jetzt einen großen schönen See in direkter Nähe zu ihrem Zuhause. Doch selbst der schönste See rechtfertigt für den naturbewussten Künstler nicht die Zerstörung, die durch solch enorme menschliche Eingriffe – wie dem Braunkohleabbau – verursacht wird.

Ein ganz besonderer Auftrag erreichte Willi Selmer. Der Auftraggeber musste sich von seinem alten sterbenden Birnenbaum verabschieden, doch hat er aus dem Baumstamm eine Skulptur anfertigen lassen, die jetzt im Garten anstelle des ehemaligen Baumes steht.

Alexandra Leibmann

Durch seine Liebe zur Region und den Wunsch, die Ortschaften zu erhalten, stellte sich ihm schon immer die (rhetorische) Frage, die durch seine Kunst einen roten Faden zieht: „Stimmt das Verhältnis von dem, was sich der Mensch aus der Natur herausholt, und dem, was er ihr zurückgibt?“

Künstlerpaar aus Laasow will zur Region etwas beitragen

Trotz der Missstände gibt es Menschen wie Selmer und Goyn, die die Region, ihre Natur und Kultur bereichern und somit etwas Positives in den Kreislauf zurückgeben. Mit einem Adventsmarkt, den das Paar veranstaltete, wurde deutlich: Auf regionale Produkte, die nachhaltig und naturschonend produziert werden, haben die Menschen aus Laasow, Vetschau und der Umgebung, Lust.

Denn es kam unerwarteterweise ein Ansturm von um die 400 Menschen an dem ersten Adventswochenende. Und im Gegensatz zu vielen großstädtischen Weihnachtsmärkten hatte der im Kunsthaus Laasow einen ganz eigenen Charme. Mit Fleisch vom Demeterhof Gut Ogrosen und Glühwein vom Apfelhof Laasow brachte das Künstlerpaar verschiedene regionale Macher zusammen. Auch Tochter Anna-Rosina Selmer und ihr Partner Ignac Wjesela haben sich mit ihrem Bio-Nackthafer „Nackedei“ an der regionalen Vielfalt beteiligt. Des Weiteren waren noch andere befreundete Künstler da, die ihre Objekte ausstellten. 450 Euro aus den Einnahmen vom Adventsmarkt konnten dann an die Kirchengemeinde für den Erhalt der Kirche gespendet werden, die neben ihrem Haus steht und vom Zerfall bedroht ist.

Besuch im Kunsthaus Laasow

Marion Goyn und Willi Selmer wollen vernetzen, unterstützen und Verbindungen schaffen. Sie wollen die Region und ihre Menschen durch Kunst und Ideen bereichern. Ihr Mix aus Wohnhaus, Atelier und Galerie soll Menschen dazu einladen vorbeizukommen. Um an einem der Handwerkskurse von Willi Selmer teilzunehmen, um Kunst zu kaufen oder einfach mal das Haus von innen zu sehen, in dem noch der originale Ofen von 1895 steht und dessen Wände und Böden über 100-jährige Geschichte transportieren.

Kurse und Veranstaltungen im Kunsthaus Laasow 2024

Wer mal vorbeischauen möchte, hat an vielen Terminen im Jahr die Möglichkeit dazu:

• Kleine Skulpturen schnitzen – Tagesworkshop: 13. April, 1. Juni, 6. Juli,

jeweils von 10 bis 17 Uhr; 80 Euro pro Person

• Holzfigur – Wochenendworkshop: 17. bis 19. Mai, 26. bis 28. Juli, 6. bis 8. September, 4. bis 6. Oktober; 190 Euro pro Person

Alle Kurskosten inklusive Material, Werkzeug und Verpflegung.

Außerdem: „Tag des offenen Ateliers“ am 5. Mai von 11 bis 18 Uhr

Weitere offene Ateliertage und aktuelle Termine auf: www.kunsthauslaasow.de