Gurkenernte 2020
: So fällt die Erntebilanz bei den Spreewaldbauern aus

2020 ist wohl eines der miesesten Gurkenerntejahre. Der Spreewaldverein verzeichnet erhebliche Einbußen. Das hat vor allem vier Gründe.
Von
red, pos
Lübbenau/Lübben
Jetzt in der App anhören

Archivfoto – Auch die Verarbeiter der Spreewaldgurken haben im Corona-Jahr 2020 mit einem erhöhten Kostendruck zu kämpfen. Dazu kam vor allem in den größeren Konservenbetrieben, dass nicht immer die erforderliche Gurkenmenge zur Verfügung stand.

Patrick Pleul/dpa

Das war gar kein gutes Jahr für die Spreewälder Gurkenanbauer und -verarbeiter. Dieses Fazit zieht Andreas Traube vom Spreewaldverein in Lübben. Der eine oder andere stöhnte sogar: „Das war das mieseste Jahr, seitdem wir Gurken anbauen!“

In der Spreewaldregion sind in diesem Jahr Spreewälder Gurken von neun Anbaubetrieben auf circa 520 Hektar nach den Grundsätzen der kontrolliert integrierten Produktion sowie im ökologischen Anbau produziert worden. Insgesamt habe die Erntemenge bei rund 24 000 Tonnen Einlegern und Schälgurken gelegen, so Traube. Das sind noch einmal etwa 2000 Tonnen weniger im Vergleich zu 2019, das wie das Jahr zuvor auch schon als ein eher durchschnittliches Gurkenjahr in die Statistik eingegangen ist.

Spreewaldbauern konnten Liefermengen nicht halten

So konnten in diesem Jahr die vertraglich gebundenen Liefermengen an die neun Verarbeitungsbetriebe der Schutzgemeinschaft „Spreewälder Gurken“ nicht von allen Anbaubetrieben erfüllt werden. Insbesondere die Lieferung in gewünschter Größensortierung der Einleger habe großen Kontinuitätsschwankungen unterlegen, weist Andreas Traube hin.

Gemeinsam mit den Anbaubetrieben macht der Spreewaldverein gleich mehrere Ursachen für das ernüchternde Saisonfazit aus: Nachtfröste während der Eisheiligen im Mai und lokale Unwetter mit Hagelschlag haben die Gurkenbestände zum Teil stark beschädigt. Auf fast allen Flächen musste nachgepflanz werden.

Starkregen und Mehltau machen den Spreewaldgurken zu schaffen

Im Gegensatz zum Vorjahr blieb die Witterung bis Mitte Juni und darüber hinaus relativ kühl und verzögerte das Wachstum. Dazu kamen lokale Starkregen, die zudem die uneinheitliche Entwicklung der Gurkenschläge sowie die Anfälligkeit der Bestände gegenüber Krankheiten verstärkten. Regen im Wechsel mit starkem Wind und Tau in den Nächten beförderten vor allem die Ausbreitung des falschen Mehltaus.

Und Petrus meinte es auch im Sommer nicht gut mit den Gurkenbauern: Bis zu fünf Grad kühle Nächte im Juni und Juli verstetigten die geringe Wachstumsrate der Gurken. So lagen die täglichen Erntemengen im Juli bei rund 50 Prozent der üblichen Erntemengen.

Der Erntebeginn hatte sich um etwa eine Woche verzögert. Das sei den Anbaubetrieben allerdings entgegengekommen, die den Bedarf an notwendigen Erntehelfern bis dahin noch nicht sichern konnten, erinnert Andreas Traube.

Überhaupt erschwerte die Corona-Krise Ernte und Verarbeitung enorm. Die besonderen Anforderungen bei Vorsorge, Hygiene, Arbeitsschutz und Unterbringung erforderten von Anbauern wie Verarbeitern aufwendige Maßnahmen. Damit einher gehende zusätzliche Dokumentationspflichten vergrößerten den Aufwand. Traube unterstreicht: Das habe den Kostendruck für die Branche erheblich erhöht und die Forderungen der Landwirte und Einlegereien an den Handel bekräftigt, für ein authentisches Produkt wie Spreewälder Gurken faire Preise zu bezahlen.

Spreewaldgurken wurden bis in den Oktober geerntet

Durch den relativ milden September, der je nach Betrieb noch 15 bis 20 Prozent der gesamten Erntemenge einbrachte, konnten die Gurkenanbauer ihre Verluste wenigstens noch minimieren. Rekordverdächtige Saisondauer: Geerntet wurde bis in den Oktober hinein.

Insgesamt bewerkstelligen Spreewälder Anbau- und Verarbeitungsbetriebe mit rund 3000 Helfern jährlich die Ernte und Veredlung der Spreewälder Gurken. Spreewälder Einlegereien und Konservenbetriebe verarbeiten primär heimische Rohware aus dem regionalen Vertragsanbau. Frisch vom Feld werden die Einleger und Schälgurken in neun Konservenbetrieben nach traditionellen Spreewald-Rezepturen veredelt.

Der spätere Erntebeginn verzögerte auch die Verarbeitungssaison in den Einlegereien und Konservenbetrieben, die sich dafür genauso wie die Ernte bis in den Oktober hinein verlängerte. Flexibilität war gefragt. Auch weil die Rohware in der erforderlichen Größensortierung und Menge im Saisonverlauf nicht so kontinuierlich zur Verfügung stand wie in den Vorjahren.

Dabei waren die kleineren Einlegereien, die ihre Erzeugnisse über Direktvermarktung,  den regionalen Handel und Gastronomie sowie Markthändler vermarkten, weniger betroffen als die größeren Konservenbetriebe. Insbesondere an Schälgurken mangelte es. Den größten Einbruch gab es in der Verfügbarkeit von Bio-Ware.

Die Nachfrage seitens des Lebensmitteleinzelhandels nach Gurkenkonserven ist enorm. Das sorgte für einen raschen Abbau der Lagerbestände. Die coronabedingten zusätzlichen Hygiene-Schutzmaßnahmen und die Umsetzung der Eindämmungsverordnung haben nach Angaben des Spreewaldvereins auch die Produktionskosten wesentlich gesteigert. Die Tatsache gelte es dem Handel zu vermitteln.

Trübe Aussichten für das Gurkenjahr 2021

Auch das Jahr 2021 werde im Schatten der Corona-Pandemie stehen – da sei sich die Branche sicher, fasst Andreas Traube zusammen. Und wenn die Mitglieder der Schutzgemeinschaft „Spreewälder Gurken„ im Februar zusammen kommen, werde sicher auch darüber zu sprechen sein, wie die Anbaubetriebe auf die sich ändernden klimatischen Bedingungen reagieren.

Weitere Artikel und Nachrichten aus Lübbenau und Umgebung finden Sie hier.

Gütesiegel für die „Spreewälder Gurken“

Die Mitglieder der Schutzgemeinschaft „Spreewälder Gurken“ legen beim Anbau und bei der Verarbeitung der Gurken größten Wert auf Qualität und Sorgfalt.
Als Gütesiegel dürfen die echten „Spreewälder Gurken” das Logo der Dachmarke Spreewald und das Gemeinschaftszeichen der Europäischen Union tragen.
Seit März 1999 sind die „Spreewälder Gurken“ von der EU-Kommission als geografisch geschützte Angabe (g.g.A.) anerkannt.
Verbraucher bekommen damit ein Produkt mit Herkunftsgarantie: Jede Gurke, die in einem Glas steckt, das mit dem blau-gelben Gütesiegel gekennzeichnet ist, stammt garantiert aus dem Spreewald.