Die schmerzlichen Nachrichten aus Calau reißen einfach nicht ab. Nach der Mitteilung vom Tod des Kreisverbandsvorsitzenden der Rassekaninchenzüchter, Roland Lautenbach (1958-2020), wird jetzt der Verlust von Stephan Uhlig beklagt. Das Original der Stadt verstarb am 24. Januar im Alter von nur 53 Jahren.

Bereits beim zurückliegenden Vortrags-Stammtisch des Calauer Heimatvereins machte die Information die Runde, wonach sich der Gesundheitszustand von Stephan Uhlig extrem verschlechtert habe. Jetzt hat er den Kampf gegen seine lange, schwere Krankheit verloren.

Als Schusterjungen-Original wird er den Calauern für immer unvergesslich bleiben, hatte er doch erheblich zur überregionalen Wahrnehmung der Stadt beigetragen. Ortschronist, Museumsgestalter, Kirchturmführer, Hobbyarchäologe, Tourismusmanager, Pressesprecher, freier Mitarbeiter bei der Lausitzer Rundschau, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins der Grundschule Calau, Organisator bei SV Calau (Abt. Tischtennis), Kreissportbund, Sammler und aktives Mitglied im Heimatverein Calau. Das war nur ein Teil, was Stephan Uhlig ausmachte.

Stephan Uhlig war leidenschaftlicher Schreiber

Seine Leidenschaft für das Schreiben brachte ihn zur Lausitzer Rundschau und ermöglichte ihm viele Zeitungsartikel über Calau und die Ortsteile zu Papier zu bringen. Die Publikationen halfen vielen Vereinen, Unternehmen, Institutionen und Personen aus Calau, besser in der Öffentlichkeit in Erscheinung zu treten, und damit half er auch besonders der Stadt Calau. Sie sind ihm dafür bis heute sehr dankbar.

In einer Zeit als Calau noch touristisches Niemandsland war, nutzte er die Chance drei Jahre lang Tourismusmanager (seit 2008) in Calau zu werden und damit die Stadt mehr in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit zu rücken. Es gab damals einen regelrechten Hype, den Tourismus anzukurbeln. Er motivierte viele Menschen selbst Ideen einzubringen und sich für die Stadt Calau starkzumachen. So entstand der Calauer Witzerundweg mit vielen kleinen Schusterjungen aus Bronze, eine Tourismusinformation, die Internetseite der Stadt Calau entwickelte sich endlich weiter, neue Flyer, Broschüren und Ansichtskarten wurden gedruckt.

Calau stolz auf Stephan Uhlig

Im Haus der Heimatgeschichte entstand unter seiner Federführung eine neue Ausstellung über den Calauer Auswanderer Carl Anwandter, und er schaffte ein Konzept zur Weiterentwicklung des Heimatmuseums, mit dem der Heimatverein Calau  noch heute arbeitet. Außerdem organisierte er als Sammler Sonderausstellungen in der Sparkasse und in den Museen. „Wir sind sehr traurig über sein Ableben. Aber auch sehr dankbar, was er für unseren Verein und auch für die Stadt alles erreicht hat“, sagt Hans-Jürgen Hanisch, Vorsitzender des Heimatvereins Calau.

Mit seinen Stiefeln über der Schulter, der Lederschürze vorm Bauch sowie seiner karierten Krawatte und Mütze wurde er sofort als Schusterjunge erkannt. „Nachtwächter haben viele Städte, einen Schusterjungen gibt es nur in Calau. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal“, betonte er bei seinem ersten Auftritt als Original auf der 1. Tourismus-Fachmesse Spreewald-Niederlausitz, im April 2010. Auf die Idee, die Figur mit Leben zu erfüllen, sei er gekommen, als er bei der Geschichtsbörse in Berlin und bei Messen sah, wie sich andere Städte mit Originalen in historischen Gewändern präsentieren.

Stepahn Uhlig gab Schusterjungen ein Gesicht

Als Schusterstadt hatte Calau einst einen überregionalen Ruf; die Branche brachte vielen Familien Lohn und Brot. Stephan Uhlig liebte die Figur und verstand es perfekt, dem Schusterjungen ein Gesicht zu geben. Bei Vorschulmessen und beim Rahmenprogramm zum Brandenburgischen Sommerkonzert in der Calauer Stadtkirche war dies der Fall, bei Stadtführungen, Reisemärkten im Ostbahnhof Berlin, zu Eröffnungen der Schusterjungen-Pokalläufe im Kinder- und Jugend-Feuerwehrsport oder zu Sommertouren der Rundschau. Gegenüber der Heimatzeitung sagte er einmal: „Es war gar nicht so einfach, alle Teile des Kostüms zusammenzustellen. Ich bin dankbar, dass einige mir dabei geholfen haben, obwohl sie nicht wussten, was ich vorhabe“, so der Calauer, der auch immer einen Kalauer parat hatte.

Für seine unermüdliche Arbeit  wurden ihm viele Ehrungen in den letzten Jahren zu Teil: Die 1. Carl-Anwandter-Medaille erhielt er im Jahr 2013 überreicht durch den Calauer Bürgermeister Werner Suchner. Der Direktor der Grundschule Dietmar Kuhring hielt damals die Laudatio und brachte es auf den Punkt: „Stephan Uhlig lebt Calau, ist ein Schusterjunge in allen Gassen, gestaltet schulisches, sportliches und kommunales Leben mit, er ist einfach unverzichtbar und hilft selbstlos und auf Zuruf.“

Stephan Uhlig hinterlässt ein großes Loch. Er wird vielen Mitstreitern in guter Erinnerung bleiben.

Trauerfeier


Am Freitag, 31. Januar (14 Uhr) besteht die Möglichkeit, im Rahmen einer Trauerfeier auf dem Friedhof in Calau von Stephan Uhlig Abschied zu nehmen. Die Urnenbeisetzung erfolgt in aller Stille zu einem späteren Zeitpunkt.