Von Daniel Preikschat

Wo einst Montagearbeiter übernachtet haben und später Soldaten, dort fertigen seit nun fast genau fünf Jahren 15 Konstrukteure weltweit gefragte Sonderanlagen. Vertreter von Konzernen wie Bosch, Volvo, BMW oder auch Hanergy und Globalfoundries kommen in den Gewerbepark 23 in der Neustadt von Lübbenau, weil sie für ihre Fertigungslinien exakt bedarfsgerecht funktionierende Sonderanlagen benötigen – und bei der GP Anlagenbau GmbH auch bekommen.

Aber was ist es eigentlich, was die Lübbenauer so gut können wie sonst offenbar so leicht kein anderer? Jörg Renaud, Firmengründer und Geschäftsführer, erklärt das Funktionsprinzip: Im Saugstrahlverfahren können selbst komplex und windungsreich gebaute Bau- und Motorenteile im Unterdruck von außen und innen be- oder auch entschichtet werden. Je nach Bedarf kann das eingesetzte Strahlmittel pulverförmig sein oder aus kleinen Körnern bestehen. Mit kaum überbietbarer Gründlichkeit können die Teile gereinigt, entgratet, aufgeraut, mattiert oder graviert werden, auch präzise Bohrungen sind möglich. Im Kreislaufverfahren wird das Strahlmittel gereinigt und wieder zugeführt. Die patentierte Technik haben GP-Mitarbeiter mit entwickelt.

Man kann in Lübbenau, so Jörg Renaud, maßgeschneiderte Produkte in Auftrag geben. Auch deshalb spricht der Lübbenauer gern von einer „Ingenieur-Manufaktur“. Er betont: Der Kunde bekomme eine nur für ihn entwickelte und gebaute Sonderanlage. Sie wird in Lübbenau getestet, vorgeführt und abgenommen, danach zum Zielort transportiert, eingebaut und gewartet. Mittlerweile gebe es auch Agenturen, die große Konzerne gern zwischenschalten. Das funktioniere auch gut, so Renaud.

Wirtschaftlich betrachtet, sagt der Geschäftsführer, sei der Sonderanlagenbau mitunter riskant. Die Kosten für Entwicklung und Bau, für das benötigte Material können nach Vertragsschließung schon mal deutlich höher ausfallen als gedacht. Beziehungsweise kann die Fertigung länger dauern als eingeplant, was ebenfalls mit Mehrkosten verbunden ist. Da Renaud und seine Kollegen aber immer an drei bis vier Aufträgen gleichzeitig arbeiten, hält sich das Risiko insgesamt in Grenzen.

Auch aufgrund der Bearbeitung mehrerer Aufträge gleichzeitig ist es eng geworden in der ehemaligen Arbeiter- und Soldatenbaracke für die insgesamt 20 Mitarbeiter. Hinzu kommt, dass die Außenwirkung nicht optimal ist, auch wenn für den Kunden natürlich das Produkt am wichtigsten ist. Jedenfalls haben sich Jörg Renaud und Marcel Heeger-Renaud, zweiter Geschäftsführer, vor einiger Zeit entschlossen, eine neue Werkhalle zu bauen. Fläche im Firmeneigentum ist neben dem derzeit genutzten Gebäude genügend vorhanden, die Baugenehmigung auch schon erteilt worden. 1200 Quadratmeter Nutzfläche wird die Halle haben und voraussichtlich 1,2 Millionen Euro kosten. Entwicklung und Fertigung der GP Anlagenbau werden dort untergebracht sein, aber auch Verwaltung und Buchführung. Das alte Gebäude wird dennoch weiter genutzt.

Jörg Renaud hätte gern, dass die Halle im nächsten Jahr in Betrieb genommen werden kann. Dann also, wenn der 63-Jährige in den Ruhestand geht und sein Schwiegersohn Marcel Heeger-Renaud alleiniger Geschäftsführer wird. „Das wäre ein schöner Abschluss für mich.“