Von Uwe Hegewald

„Eberhard“ wusste am Wochenende die Blicke auf sich zu ziehen. Kein Wunder, bei rund acht Zentnern Körpergewicht. Es könnten auch ein paar Kilogramm mehr oder weniger sein, doch die Angerhof-Bauern hüllten sich bezüglich einer genaueren Gewichtsangabe in Schweigen. „Vor vielen Jahren hatten wir mal eine Sau, die brachte 356 auf die Waage“, erzählte Landwirt Helmut Richter und befeuerte das muntere Rätselraten.

Besucher des Angerhofes waren aufgefordert, das Gewicht von „Eberhard“ zu schätzen und zu notieren. „Teilnehmer des Angerhof-Quiz´ haben die Chance, den Hauptpreis zu gewinnen. Dabei gilt es nur acht Fragen zu beantworten“, erklärte Veranstaltungs-Moderator Manfred Kliche aus Raddusch. Als Hauptpreis sei ein Schlachtefest in Höhe von 250 Euro ausgewiesen, so das Spreewald-Original.

Zum 25. Mal wurde die Brandenburger Landpartie durchgeführt, an der der Angerhof seit dem Jahr 2000 teilnimmt. „Dank allen Leuten, die sich auf den Weg zu einem der Höfe machen. Dieses Angebot gibt es in dieser Form nur einmal im Jahr“, stellte Landrat Siegurd Heinze klar. Seine Worte wurden von einem kaum hörbaren Grunzen begleitet. „Eberhard“ trat vors Tor und veranlasste Siegurd Heinze zur Bemerkung: „Der Landrat spricht und der Eber kommt.“ Helmut Richter charakterisierte er als einen Landwirt, der sich mit seiner Meinung nicht zurückhält.

„Richter ist ein Landwirt mit Leidenschaft“, bestätigte Thomas Goebel, Vorstandsvorsitzender des Bauernverbandes Südbrandenburg. Als Geschäftsführer der Göritzer Agrar GmbH pflegt er zu den Brandenburger Landpartien eine intensive Zusammenarbeit mit dem Angerhof. „Helmut und seine Leute öffnen den Hof, damit Besucher Landwirtschaft schauen, riechen, schmecken und erleben können. Ich gehe fest davon aus, dass der Hof das in den nächsten 20 Jahren fortsetzt“, gab Goebel die Marschrichtung vor.

Was hiesigen Bauern nicht schmeckt, ist eine öffentliche Bloßstellung ihrer Arbeit. „Wir sind diejenigen, die die Kulturlandschaft pflegen, das Tierwohl beachten und die Äcker nicht bedenkenlos mit Pestiziden belasten“, beteuerte der Landwirt. Zum sorgsamen Umgang mit Medikamenten versicherte er: „2018 wurde bei keinem unserer Tiere eine Spritze gesetzt. Landwirtschaft ist für uns Herzenssache.“

Das macht der Angerhof auch auf einem Schild am Tor des Rinder/Schweinestalles deutlich: „Alles aus biologischem Anbau und tiergerechter Haltung“. Klar gebe es unter den Landwirten auch schwarze Schafe. 99 Prozent würden sich aber strikt an Vorgaben halten, ist sich Helmut Richter sicher.

„Es ist wichtig, dass es diese Veranstaltung gibt“, so Calaus Bürgermeister Werner Suchner. Welchen Stellenwert die hiesige Landwirtschaft insbesondere bei den Kindern habe, machte er an einem Beispiel deutlich. „Einmal jährlich machen Calauer Kinder Station auf dem Angerhof, die den Wettbewerb des Herbstmarktes gewonnen haben. Wenn sie heimkehren, wünschten sie sich nicht mehr Hund oder Katze als Haustier,  sondern eines der niedlichen Ferkel.“