Börsentag in Lübbenau
: Aktie, Fonds oder Sparbuch - so legen Sie Ihr Geld richtig an

InterviewDie Deutschen sind als ewige Sparer verschrien. „Wir sparen uns arm“, sagt Finanzexperte Jean Meyer aus Lübbenau. Warum er zu einem Börsentag einlädt.
Von
Daniel Jander
Lübbenau
Jetzt in der App anhören
„Hüte dich vor Inflation“ lautet eines der zehn Gebote im neu erschienenen Buch „Glücksfaktor Geld“. Zur Illustration zeigt der Autor eine Zehn-Billionen-Dollar-Note der Reserve Bank of Zimbabwe. ⇥

"Hüte dich vor Inflation" lautet eines der zehn Gebote im neu erschienenen Buch "Glücksfaktor Geld" von Finanzberater Jean Meyer. Zur Illustration zeigt der Lübbenauer eine Zehn-Billionen-Dollar-Note der Reserve Bank of Zimbabwe.

„Hüte dich vor Inflation“ lautet eines der zehn Gebote im Buch „Glücksfaktor Geld“. Autor und Finanzexperte Jean Meyer aus Lübbenau zeigt eine Zehn-Billionen-Dollar-Note der Reserve Bank of Zimbabwe. Jetzt veranstaltet er den ersten Börsentag in Lübbenau.

Daniel Preikschat

In Brandenburg besitzen rund 8,2 Prozent der Menschen Aktien, Fonds oder ETFs (Exchange Traded Fund, deutsch: börsengehandelter Fond). Das Land hat damit im bundesweiten Vergleich eine der niedrigsten Aktionärsquoten.

Zum Vergleich liegt der Durchschnitt in den westlichen Bundesländern bei rund 18,9 Prozent. Diese Zahlen stammen vom Bündnis pro Wirtschaft, einer überparteilichen Initiative engagierter Wirtschaftsakteure aus Ostbrandenburg.

Der erste Börsentag in Lübbenau (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) wird von Jean Meyer veranstaltet. Er ist gelernter Bankkaufmann und Vorstand der Finanzhaus Meyer AG. Er berät seit 30 Jahren zum Thema Geldanlage und Aktien in Lübbenau.

Am Samstag, 5. September 2026, lädt die Finanzhaus Meyer AG zum ersten Lausitzer Börsentag auf Schloss Lübbenau. Der Eintritt ist frei. Wer kommen will, sollte sich vorher online registrieren. Im Vorfeld des Börsentages sprach die Lausitzer Rundschau mit Jean Meyer.

Herr Meyer, ist der Spreewälder ein Börsenmuffel?
Jean Meyer: Zu mir kommen die Leute, die wirklich finanziellen Rat brauchen. Wenn ich mir die Gesamtheit der Bevölkerung ansehe, glaube ich schon, dass wir nicht besser und nicht schlechter sind als der Brandenburger Durchschnitt. Vielleicht hat bei uns im Spreewald jeder Zehnte Aktien oder Aktienfonds und nicht nur jeder Zwölfte, aber es ist immer noch viel zu wenig.

Woran liegt das?
Wenn wir über Geld sprechen, dann meist negativ behaftet. Wir sprechen über Geldnot, über Geldsorgen. Wir verachten auch die Menschen, die finanziell frei sind und genügend Geld haben. Aber im selben Atemzug rennen wir jede Woche in die Postannahmestelle und spielen Lotto und hoffen auf den Sechser mit Zusatzzahl. Kurzum: Deutschland ist ein Land der Dichter und Denker, spart sich arm und ist voll von finanziellen Analphabeten.

Was macht der Unwissende denn falsch?
Das Problem ist, dass sich die Menschen nicht die Geduld nehmen, das Geld langfristig für sich arbeiten zu lassen. Sie fallen in Extreme: von der Sparte „Sparbuch“, also Geld vor sich hinvegetieren lassen, in die andere Sparte „Spekulationen“. Und Börse kann Spekulation sein, sollte es aber nicht für den langfristigen Vermögensaufbau.

Was macht der Unwissende denn falsch?
Das Problem ist, dass sich die Menschen nicht die Geduld nehmen, das Geld langfristig für sich arbeiten zu lassen. Sie fallen in Extreme: von der Sparte „Sparbuch“, also Geld vor sich hinvegetieren lassen, in die andere Sparte „Spekulationen“. Und Börse kann Spekulation sein, sollte es aber nicht für den langfristigen Vermögensaufbau.

„Das Geld ist da. Es wird nur eben falsch gespart.“
Jean Meyer
Finanzexperte und Veranstalter des ersten Börsentages in Lübbenau

Wo ist der Unterschied?
Langfristige Geldanlage setzt weniger auf schnellen Gewinn mit einzelnen Aktien, sondern auf längerfristige Effekte eines breit gestreuten Fonds, zum Beispiel. Wenn ich an einem Unternehmen beteiligt bin und dieses über längere Zeit keine Gewinne erwirtschaftet, verschwindet es vom Markt. Um dieses Risiko zu vermeiden, beteilige ich mich doch lieber an vielen erfolgreichen Unternehmen. Und dann möglichst breit gestreut. Es ist wie in der Landwirtschaft. Es gibt das berühmte Sprichwort: „Geld ist wie Mist; es taugt nicht viel, wenn es nicht breit gestreut wird.“

Erfahre ich auf dem Börsentag, wie ich Geld richtig anlege?
Wir haben wirklich herausragende Investmentgesellschaften gewinnen können. Auch regionale Partner wie die Spreewaldbank sind mit vor Ort. Da geht es zum Beispiel um das Thema Edelmetalle. Wir haben die DWS vor Ort, die größte Investmentgesellschaft Deutschlands von der Deutschen Bank. Und alle halten Vorträge. Es geht beim Börsentag vor allem darum, Wissen zu vermitteln.

Und dieses Unwissen kostet den Sparer Geld? 
Ich habe die aktuelle Statistik von der Deutschen Bundesbank. Das Geldvermögen der Deutschen, immerhin 9,5 Billionen Euro - da zählen auch die Aktien und Fonds mit hinein - hat sich im letzten Jahr 2025 mit nur 2,3 Prozent verzinst. Diese Verzinsung hat es nicht einmal geschafft, die Inflation, also die Geldentwertung, auszugleichen.

Können nur vermögende Menschen Geld anlegen? 
Der größte Teil der Bevölkerung ist fleißig und kümmert sich um seine Liebsten und ums Geldverdienen. Nur wenn er dann Geld verdient hat, was er aktuell nicht braucht, dann behandelt er es schlecht, stiefmütterlich und kümmert sich nicht darum. Auch kleine Beträge können langfristig erfolgreich angelegt werden. Man muss es nur einfach machen. Das geht auch trotz der massiv gestiegenen Lebenshaltungskosten.

Der Lübbenauer Immobilienmakler Jean Meyer will mit kontroversen Aushängen zum Nachdenken anregen.

Makler und Millionär Jean Meyer hängt neben den üblichen Immobilieninseraten auch kontroverse Bilder und Statements zu Politik und Zeitgeist aus. Eine Version dieser Schaufensterdekoration hat für viel Kritik gesorgt.

Jean Meyer aus Lübbenau veranstaltet den ersten Börsentag in Lübbenau. Er ist außerdem als Immobilienmakler tätig und berät seit 30 Jahren in Lübbenau zum Thema Finanzen und Geldanlage.

Julia Siebrecht

Zu welcher Geldanlage raten Sie?
Grundsätzlich sollte nur das Geld angelegt werden, das ich nicht im Alltag brauche. Es ist immer die Frage: Wie lange hat mein Geld Zeit, für mich zu arbeiten? Und darüber definiere ich dann die passende Geldanlage. Ich muss mein Geld für den nächsten Urlaub oder für die Reserve, falls mal was kaputtgeht, anders anlegen als Geld, das ich für den langfristigen Vermögensaufbau verwenden will.

Wird der Spreewälder auch in Zukunft ein Börsenmuffel bleiben?
Nein. Ich bin deswegen optimistisch, weil die Statistik uns die Augen öffnet. Die Sparquote in Deutschland ist trotz der enorm gestiegenen Lebenshaltungskosten nicht gesunken. Sie liegt noch immer bei über zehn Prozent. Natürlich merken wir alle, wie die Dinge teurer werden. Und trotzdem sind wir gerne bereit, unser Sparbuch, unseren Bausparvertrag, und unsere Lebensversicherung weiter zu befüllen. Das Geld ist da. Es wird nur eben falsch gespart.

Soviel spart der Brandenburger laut Statistik von seinem Gehalt

Im Land Brandenburg nahmen die privaten Konsumausgaben im Jahr 2024 preisbereinigt um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2023 zu. Nach Angaben des Amtes für Statistik für das Jahr 2024 betrugen die Konsumausgaben 25.406 Euro (+3,3 Prozent) pro Kopf.

Pro Person wurden im Jahr 2024 in Brandenburg 2581 Euro zur Seite gelegt, das war eine Steigerung um 13,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Sparquote lag im Jahr 2024 mit 9,2 Prozent deutlich unter dem Rekordwert von 2020 mit 14,8 Prozent.