Von Daniel Preikschat

Antony Jonneck hatte noch vor kurzem ein Problem, das er mittlerweile nicht mehr hat: Der 21-jährige Lübbenauer wollte sich politisch engagieren, wusste aber nicht wo und wie. „Unzufrieden“ sei er mit dem politischen System, mit dem, was die Parteien tun beziehungsweise nicht tun.

Also begab er sich auf die Suche in den sozialen Medien. Wo er auf die neue proeuropäische Partei Volt stieß. In Dresden, erfuhr Jonneck, entwickelt sich die Bewegung seit Sommer 2018. Dort biete man auch regelmäßig „Meet & Greets“ (dt.: treffen und begrüßen) an. Der Lübbenauer fuhr also kurz entschlossen hin und war von der „Team-Chemie“, von der pragmatischen Art und der Offenheit der Volter sofort überzeugt.

Bundesparteitag von Volt in Leipzig

Wahrscheinlich hat Antony Jonneck auch die Aufbruchsstimmung zugesagt, die Möglichkeit, sich zusammen mit der Partei zu entwickeln. Dafür spricht, dass er am ersten September-Wochenende beim zweiten Bundesparteitag von Volt in Leipzig dabei war. Über 600 Mitglieder verabschiedeten eine neue Satzung für die neue Partei, wählten außerdem einen neuen Bundesvorstand mit Doppelspitze: Paul Loeper und Friederike Schier, die wie Antony Jonneck erst 21 Jahre alt ist.

In der Region kennt noch kaum jemand Volt. In der größten südbrandenburgischen Stadt Cottbus hat die Partei vier Mitglieder, drei davon auf Probe, wie der dortige „City Lead“ Jan Drude sagt. City Lead, das könne man so etwa mit Ortsverbandsvorsitzender übersetzen, sagt Drude.

Kurz vor der Europawahl erst gründete sich in Cottbus eine WhatsApp-Gruppe, danach lernten sich die Volt-Mitglieder persönlich kennen. Im November, sagt der 25-jährige Student, werde es ein Kick-Off-Meeting geben, um Volt vorzustellen und idealerweise gleich weitere Mitglieder zu gewinnen.

Lübbenaus Stimme für Europa

In Lübbenau gab es das Kick-Off bereits am 12. Oktober. Die junge Partei lud ausgerechnet in ein Altenpflegeheim ein. Antony Jonneck muss selbst ein wenig darüber schmunzeln. In der „Spreemöwe“ war aber nun mal ein Versammlungsraum kostenfrei zu bekommen. Leider sei man unter sich gewesen bei der Präsentation mit anschließender Diskussion. Außer Jonneck gibt es in der Spreewald stadt daher auch weiterhin noch nur ein weiteres Volt-Mitglied.

Wer am 12. Oktober gekommen wäre, hätte erfahren, dass Antony Jonneck nunmehr das ist, was Jan Drude in Cottbus ist, der City Lead für Volt. In einer Pressemitteilung der Partei heißt es über Jonneck außerdem, er wolle Lübbenau eine Stimme für Europa geben, die regionale Politik „etwas voltiger“ gestalten. Ziel sei beispielsweise, im öffentlichen Nahverkehr und in der Bildungspolitik die Weichen zu stellen, damit Lübbenau auch zukünftig für junge und alte Menschen attraktiv bleibt.

Weitere Volt-Präsentationen in Lübbenau geplant

Klingt noch recht allgemein. Der gelernte Maurer, der staatlich geprüfter Bautechniker werden will und deshalb in Cottbus die Fachschule für Technik besucht, hält sich selbst mit konkreten politischen Aussagen noch zurück. Seiner Wahrnehmung nach bringen die etablierten politischen Parteien die Kommunen nicht voran. Auch wenn sich speziell Lübbenau hervorragend entwickelt habe.

Bei AfD und Grünen, die von einer Wählerwanderung profitieren, fühlte er sich aber auch nicht gut aufgehoben. An der einen Partei stört ihn vor allem der rechte Flügel, bei der anderen, dass sie den Klimanotstand ausruft. „Die Welt hat schon Schlimmeres überstanden“, sagt Antony Jonneck.

Zugleich räumt der politische Newcomer gern ein, dass er noch viel zu lernen hat über Politik und über die wichtigen Themen in der Region: „Ich möchte gute Antworten geben können.“ Und er werde bald wieder von sich und von Volt hören lassen.

Weitere Präsentationen seien geplant mit anschließender Diskussion in Lübbenau. Derweil stehe er als Ansprechpartner für Neugierige gern zur Verfügung. Das sei schließlich der Job eines City Leads. Wenn auch vorerst nur per E-Mail unter: antony.jonneck@volteuropa.org.