Von Katrin Kunipatz

Erzieherin Katja Kamrath ist begeistert, wie gut selbst Zweieinhalbjährige ihre eigenen Emotionen wahrnehmen und äußern können. Die junge Frau betreut Krippenkinder in der Lübbener Awo-Kita „Sonnenkinder“. Sie hat gemeinsam mit Kollegin Julia Bader in den vergangenen zwei Jahren die neue Papilio-Weiterbildung für den U3-Bereich absolviert.

Papilio ist ein Präventionsprogramm, das sich bisher nur an Kindergartenkinder zwischen drei und neun Jahren richtete. „Der Name leitet sich von Schmetterling ab. Kinder brauchen Flügel“, erklärt Kita-Leiterin Annett Höltke. Aber genauso wichtig sei der sichere Hafen, von dem Kinder in die Welt gehen oder wo sie getröstet werden, ergänzt Ellen Martin. Sie leitet die Abteilung Fortbildung beim Tannenhof Berlin-Brandenburg. Der Verein bietet in Brandenburg die Papilio-Weiterbildung an.

Die Awo-Kita Sonnenkinder in Lübben war eine der ersten, die als Papilio-Kita zertifiziert wurde. Ilona Brandenburger absolvierte als eine der ersten Erzieherinnen die Ausbildung. Im Rahmen der Ausbildung erhalten Erzieher entsprechendes Handwerkszeug, um richtiges soziales Verhalten der Kinder zu fördern. Spielerisch erlernen die Kinder – begleitet von den Kobolden Freudibold, Heulibold, Bibberbold und Zornibold – die eigenen Gefühle zu erkennen und an anderen wahrzunehmen. Kinder lernen, soziale Regeln zu vereinbaren und sich in der Gruppe bei der Einhaltung dieser Regeln zu unterstützen, so Ilona Brandenburger. Ziel aller Bemühungen sei es, die Kinder zu stärken und widerstandsfähig für den Alltag zu machen. Hintergrund von Papilio ist es Verhaltensprobleme von Kindern zu reduzieren und so Sucht und Gewalt im Jugendalter vorzubeugen.

Deshalb war es nur logisch, das Papilio-Programm auf Grundschüler und Kinder unter drei Jahren auszuweiten. Die Praxiserprobung dieser neuen Module fand unter anderem in Brandenburg statt. Gemeinsam haben Katja Kamrath und Julia Bader von der Awo-Kita den Kurs für Papilio-U3 absolviert. Wie Ellen Martin erläutert wird dabei Fachwissen zur Entwicklung der Unterdreijährigen vermittelt. Die Erzieher verbessern ihr feinfühliges Verhalten und schulen ihre Wahrnehmung der individuellen kindlichen Bedürfnisse. „Es geht darum, die Beziehung zu den Kindern zu stärkten“, sagt Katja Kamrath. Erfreut war sie, dass sich auch andere Kolleginnen ihre Art und Weise abgeschaut haben. „Letztlich muss es jeder auf seine eigene Weise machen“, ergänzt sie.

Grundschulen für die Teilnahme am Papilio-Programm zu begeistern sei schwerer gewesen, resümiert Ellen Martin. Selbstverständlich habe die Vermittlung des Unterrichtsstoffs Vorrang. Hortnerin Sabine Jahn hat die Papilio-Elemente in den Hortalltag integriert. Übereinstimmend mit den anderen teilnehmenden Lehrer berichtet sie, dass es den Kindern nach einem Jahr deutlich leichter fällt, über ihre Gefühle zu sprechen und sie in der Gruppe besser miteinander umgehen.

Komplettiert wird Papilio von einem Elternclub, der jetzt in den Papilio-Kitas in Lübben und dem Amt Unterspreewald angeboten werden kann. Madlen Semrok aus der Kita Zwergenland in Kasel-Golzig berichtet, im Elternclub, der auch thematisch vorgeht, sei vor allem Zeit für den gegenseitigen Austausch zwischen Eltern und Erziehern. „Eltern erleben bei den Treffen, das es anderen bei der Erziehung ihrer Kinder ähnlich geht“, berichtet Ilona Brandenburger. Oft wurden die pädagogischen Fachkräfte von Wissenvermittelnden zu Moderatorinnen.

In dieser Wochen haben 26 pädagogischen Fachkräfte der Schulen und Kindertagesstätten ihre Papilio-Zertifikate erhalten. Damit ist Brandenburg das erste Bundesland, in dem Gewaltprävention für Kinder zwischen null und neun Jahren angeboten wird.

Ellen Martin plädiert dafür, dass die Inhalte des Programms Teil der Erzieherausbildung werden. Im Moment müssen sich interessierte Einrichtungen selbst um die Weiterbildung kümmern. Ina Hennig, Kitapraxisberaterin im Amt Unterspreewald, bemüht sich Papilio in allen fünf Kitas des Amtes zu etablieren. In der Lübbener Awo-Kita ist Papilio Aushängeschild für die pädagogische Qualität. „Unser Team steht dahinter“, sagt Leiterin Höltke. Sie strebt an, dass alle Erzieherinnen die Ausbildung durchlaufen. So kommen alle Kinder der Einrichtung in den Genuss von Papilio.