Von Katrin Kunipatz

Noch deutet an der Jägerstraße in Lübben nichts auf den künftigen Neubau hin und doch hat Frank Freyer bereits erste Anfragen erhalten. Seit über einem Jahr ist er Geschäftsführer der Lübbener Wohnungsbaugesellschaft (LWG) und davon nicht überraschen. In Lübben ist Wohnraum rar. „Wir haben in unserem Bestand drei bis vier Prozent Leerstand. Das ist eigentlich nichts“, erklärt er.

Entspannt zurücklehnen kann sich Lübbens größter Vermieter aber nicht. „Unsere wichtigste Aufgabe ist es, die Mieter zu halten“, so Freyer. Investitionen und Modernisierungen gehören zum Geschäft. In diesem Jahr haben beispielsweise zwei Blöcke in der Goethestraße neue Balkone erhalten. In der Heinrich-von-Kleist-Straße 1 bis 9 wurde die Außenanlage neu gestaltet. Spielgeräte und einen Sandkasten gibt es jetzt dort. Am wichtigsten sei der ebenerdige Hintereingang, so Freyer.

Sorgen bereitet dem LWG-Geschäftsführer der Blick auf die Altersstruktur. „Die meisten unserer Mieter sind 55 Jahre und älter“, schätzt er. Dem habe die LWG schon vor Jahren mit dem Einbau von Aufzügen Rechnung getragen. Andere Modernisierungen sind dagegen nur Wohnung für Wohnung möglich. Freyer erläutert, dass beispielsweise jede Wohnung, die 15 Jahre oder länger vermietet war, neue Elektrik erhalte. Außerdem werden das Bad saniert, die Tür verbreitert und sämtliche Schwellen entfernt. Damit sei es möglich mit dem Rollator alle Räume ohne Schwierigkeiten zu erreichen. Bewusst ist sich der Geschäftsführer auch der gesellschaftlichen Verantwortung, die Mieten auf einem sozial verträglichen Niveau zu halten. Kaltmieten von sieben oder acht Euro könne hier in Lübben kaum jemand bezahlen, so Freyer. Dem entsprechend müsse genau kalkuliert werden, welche Investitionen am dringendsten sind. Den größten Handlungsbedarf gäbe es bei der Erneuerung von Wasser- und Abwasserleitungen, schätzt er. In anderen Fällen zwingen neue gesetzliche Vorgaben den Vermieter zum Handeln. So beginnt die LWG im November gemeinsam mit der Genossenschaftlichen Wohngemeinschaft Lübben (GWG) Rauchmelder nachzurüsten. Um in Zukunft die Belästigungen bei der Wartung so gering wie möglich zu halten, passiert dies per Funk. Der Mieter muss dafür niemanden mehr in die Wohnung lassen. „In Zukunft soll dies auch für die Heizkostenzähler kommen“, sagt Freyer.

Selbstverständlich versuche die Wohnungsbaugesellschaft auch das Umfeld der Wohnblöcke ansprechend zu gestalten. Allein für 6000 Quadratmeter Fläche sei die LWG im Lübbener Norden verantwortlich. Über das Fördermittelprogramm Stadtumbau Lübben Nord seien Fördermittel beantragt worden. Frank Freyer ist optimistisch, das Geld zu erhalten. Damit sollen zusätzliche Spielplätze, Sitzgelegenheit mit viel Grün und Stellplätze für Autos entstehen.

Beim Gewinnen neuer Mieter ist der Neubau für Frank Freyer nur eine Möglichkeit. So seien die an der Jägerstraße entstehenden Drei- und Vier-Raum-Wohnungen vor allem für Familien gedacht. „Wir wollen aber auch Lehrlinge und junge Menschen als Mieter gewinnen“, so der Geschäftsführer. Für sie beschreitet die LWG einen neuen Weg. Statt leerer Räume, bietet die LWG nun auch kleine bezugsfertig tapezierte Wohnungen mit Einbauküche an. Vorerst gebe es vier Stück. Frank Freyer betont, er sei offen für neue Konzepte. Die Digitalisierung begreift er als Chance. Mieter könnten, unterstützt von einfachen Hilfesystemen, länger den Alltag in den gewohnten Vier-Wänden bewältigen, so der Geschäftsführer. Aber wenn unterschiedliche Menschen weiter in Mehrfamilienhäusern zusammen leben, müsse noch mehr für das Miteinander getan werden. Streit und Beschwerden nehme zu, beobachtet Freyer. Deshalb suche er zusätzliches Personal in der Verwaltung: „Menschen, die das Geschick haben zu vermitteln.“