Wetter in Brandenburg
: Warum Königs Wusterhausen in Zukunft an der Adria liegt

Die vierte Hitzewelle in diesem Jahr trifft die Region. Ein Blick auf 67 Jahre Wetterdaten aus Schönefeld zeigt, wie der Klimawandel voranschreitet – und lässt erahnen, was die Zukunft bringt.
Von
Till Eichenauer
Schönefeld
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Fotomontage Königs Wusterhausen an der Adria Klimawandel

Sandstrand vor dem Schloss in Königs Wusterhausen. Eine Fotomontage gibt eine Idee, wie es Ende des Jahrhunderts in Brandenburg aussehen könnte.

Till Eichenauer, Duan Minfu/dpa/XinHua, Clara Margais/dpa
  • Vierte Hitzewelle trifft Brandenburg, neue Rekorde am BER mit 40,3 Grad am 28. Juni 2026.
  • Langzeitdaten aus Schönefeld zeigen klar steigende Temperaturen seit dem Jahr 2000.
  • Mehr Sommertage und weniger Eistage – 2018 gab es 88 Sommertage, 2020 keinen Eistag.
  • Augustwerte werden heißer: über 36 Grad sind in den letzten 10 Jahren keine Ausnahme mehr.
  • Experten warnen: Südliches Brandenburg erwärmt sich schneller, Regen fällt seltener und heftiger.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

40,3 Grad Celsius – so viel hat die Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes am 28. Juni 2026 am Flughafen BER gemessen. Deutschlandweit wurden Ende Juni Hitzerekorde gebrochen und Brandenburg lag mit an der Spitze.

Die Wetterstation in Schönefeld misst seit 1957 ununterbrochen die Temperatur, aber Werte jenseits der 40 Grad kannte man dort bislang nicht. Aber nun, da die Schwelle einmal durchbrochen ist, könne es deutlich öfter zu solchen extrem heißen Tagen kommen, sagt Peter Hoffmann, Meteorologe am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: „Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass es in den folgenden Jahren wieder passiert, ist um ein Vielfaches höher geworden.“

Die neuen Hitzerekorde sind eine direkte Folge des menschengemachten Klimawandels, der auch längst in Brandenburg angekommen ist. Ein Blick auf die Messwerte in Schönefeld der vergangenen 67 Jahre zeigt deutlich den Trend. Spätestens seit dem Jahr 2000 geht die Messkurve nach oben: Gab es bis in die 1990er kaum Jahre mit einer Durchschnittstemperatur von über 10 Grad, ist dies in den vergangenen 12 Jahren immer der Fall gewesen.

Experte: Brandenburg besonders anfällig für Hitze

Brandenburg gehört laut Meteorologe Hoffmann zu einem Hitze-Hotspot im Nordosten Deutschlands. Die relativ weite Entfernung zum kühlenden Ozean, sandige Böden und geringe Wasserspeicher lassen hier die Temperaturen oft höher ausfallen als im Rest des Landes.

„Wenn die mittlere Temperatur zukünftig weiter steigen wird, dann sind damit mehr Hitzetage und höhere Extremwerte verbunden“, so Hoffmann. Schaut man sich die Entwicklung der sogenannten Sommertage in Schönefeld an, also Tage, an denen die Temperatur über 25 Grad steigt, sieht man eine konstante Steigung mit einem Höchstwert von 88 Sommertagen im Jahr 2018. In den 1960er- und -70er-Jahren waren es eher die Hälfte.

Ähnlich sieht es bei den Eistagen aus, an denen nach Definition die Lufttemperatur den ganzen Tag nicht über null Grad steigt. Im Jahr 2020 war das erste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, in dem es in Schönefeld nicht einen einzigen Tag lang durchgehend frostige Temperaturen gab.

Schaut man sich die Höchstwerte des August an, sieht man ebenfalls die Tendenz zu immer heißeren, extremeren Sommern. Gab es etwa von 1957 bis 1982 nur einen August, an dem über 36 Grad gemessen wurden, ist dieser Messwert in den vergangenen 10 Jahren keine Ausnahme mehr.

Und auch der Durchschnittswert im achten Monat des Jahres hat sich sichtbar erhöht. Auch in diesem Jahr liegt er mit einem mittleren Messwert von 20,7 schon 1,5 Grad über dem Mittel der letzten 30 Jahre.

Meteorologe Hoffman betont, dass der Klimawandel im Süden Brandenburgs deutlich schneller voranschreitet als im Rest der Welt: „Was wir dort messen, liegt deutlich über dem globalen Mittel. Die letzten Jahre lagen gegenüber der Referenzperiode 1961 bis 1990 teils schon um rund zwei Grad höher.“ Auch wenn man die zwei Grad im Jahresmittel kaum spüre, könne jeder mittlerweile die längeren und intensiveren Hitzewellen bemerken.

Insgesamt werde sich das Leben in Brandenburg im Laufe des 21. Jahrhunderts spürbar verändern, so der Klimaforscher. „Nicht nur die Temperaturen steigen – auch der Regen verteilt sich ungünstiger: Er fällt seltener, unregelmäßiger und oft heftiger“, so Hoffmann. Hitze und Wasserknappheit kämen so ungünstig zusammen. Das Brandenburger Klima werde mittelfristig etwa wie in Zentralfrankreich sein, so der Meteorologe.

Temperaturanomalien in Berlin und Brandenburg.

Temperaturanomalien in Berlin und Brandenburg.

Deutscher Wetterdienst

Tatsächlich hat das Umweltbundesamt „klimatische Zwillingstädte“ errechnet. Laut dieser Rechnung hat Berlin und Umgebung bereits jetzt ein Klima, wie es früher einmal in Karlsruhe war. Für den Zeitraum von 2030 bis 2060 verschiebt sich das Klima dann zunächst in die Mitte Frankreichs und dann bis zum Ende des Jahrhunderts in Richtung der heutigen italienischen Adriaküste. Dann wäre das Wetter etwa in Königs Wusterhausen wie heutzutage in Rimini.

Im gleichen Maße, wie sich das Klima in Berlin und Umgebung ändert, müssen auch die Menschen in der Region sich der neuen Situation anpassen. „Die Menschen werden lernen müssen, Hitze nicht mehr als Ausnahme, sondern als wiederkehrende Belastung zu begreifen“, sagt Klimafolgenforscher Peter Hoffmann.

Und vor allem die Trockenheit wird in Brandenburg eine zunehmende Rolle spielen, so der Meteorologe: „Wasser wird in Brandenburg zu einer Ressource, mit der die Menschen deutlich bewusster umgehen müssen. Wir müssen uns fragen, wie wir bauen, pflanzen, bewässern und wie wir langfristig mit dem Grundwasser umgehen werden.“