Clara (5) ist mutig. Sie geht auf den Weihnachtsmann zu, der auf dem Platz zwischen Schloss und Darre unterwegs ist. Die kleine Lieberoserin kennt sich aus – für ein Gedicht gibt es ein Geschenk aus dem Sack, der gegen 17 Uhr schon ziemlich leicht geworden ist. Und sie weiß schon, sie wird den Weihnachtsmann noch einmal treffen – wenn er in ihre Familie kommt. Klaus Kupke ist in diesem Jahr beim Lieberoser Weihnachtsmarkt in die Rolle des spendablen Rauschebarts geschlüpft, der gern verteilt, was Bürgermeisterin Petra Dreißig zur Verfügung gestellt hat. „Ich mache diesmal die Vertretung, ansonsten bin ich seit Jahren für Familien unterwegs, die einen Weihnachtsmann anfordern“, erzählt der Münchhofer.

Traditionell wird auf dem Weihnachtsmarkt viel für Kinder geboten. Schon um 12 Uhr war wieder im Saal der Darre der Bastelstand aufgebaut, an dem Sigrid Ebert und ihre Helferinnen kreative Ideen für die Weihnachtsdekoration vorbereitet hatten. „In diesem Jahr sind besonders Omas mit ihren Enkelkindern zum gemeinsamen Basteln gekommen“, stellt Sigrid Ebert fest. Jedes Jahr gibt es neue Ideen, die vermittelt werden, Wichtel aus Tannenzapfen beispielsweise. „Man braucht viel Geduld, um die Mützen herzustellen“, erklärt sie. Und aus weißen Papiertortendecken lassen sich prima Sterne falten. Nicht nur im Saal der Darre, in dem wieder eine große Kaffetafel mit Kuchen steht, den Lieberoser Frauen gebacken hatten, ist ein weihnachtliches Programm auf der Bühne gezeigt worden.

Förderverein greift tief in die Trickkiste

Das Lichtspiel „Die helle und die dunkle Stadt“ wurde live aufgeführt, Trompeter Sören Liedtke durfte nicht fehlen. Für die „Gespenster der Comenius-Grundschule“ war es die Filmpremiere. Der Förderverein Lieberose hatte ganz tief in die Trickfilmkiste gegriffen und zeigte in der Galerie „Die Weihnachtsgans Auguste“, „Alarm im Kasperletheater“ und „Leise rieselt der Schnee/Feuerwehrmann Sam“.

Der Förderverein hat sich diesmal im Saal mit seinem Informationsstand präsentiert – mit aktuellen Druckerzeugnissen und Informationen zu den Plänen im neuen Jahr. Bis Mitte Januar wird noch die Ausstellung der Peitzer Landmaler gezeigt, am 15. Februar wird der Tag der Lieberoser Heide stattfinden und im März/April die erste neue Ausstellung in der Galerie der Schütte gezeigt, wie Vereinsvorsitzender Dieter Klaue informiert. Eine Einstimmung darauf gibt beim Weihnachtsmarkt Roland Wolf mit seiner Drehorgel. „Wir bereiten gemeinsam eine Drehorgelausstellung vor – und im Mai soll es einen Drehorgelfesttag geben“, kündigt Dieter Klaue an. So gibt es beim Lieberoser Weihnachtsmarkt manch Neues in den Gesprächen bei Glühwein und Naschereien zu erfahren.

Ein Licht für mehr Miteinander

Der Höhepunkt des Festes kündigt sich mit zunehmender Dunkelheit draußen an – der Posauenenchor stimmt schon darauf ein. Die Feuerwehrleute haben nicht nur beim Aufbau des Marktes geholfen und bewachen die Schwedenfeuer, sie schalten nun auch den Strom für die Weihnachtsbaumsterne ein. Bürgermeisterin Petra Dreißig lädt erstmals zu einer besonderen Aktion ein. „Wir wollen heute eine neue Tradition begründen – unter dem Motto ,Ein Licht der Liebe geht um die Welt‘“, sagt sie und plädiert für mehr Nächstenliebe, für das Aufeinanderzugehen der Menschen. Liebe-Rose, die kleine Stadt mit dem besonderen Namen, soll dieses Licht hinaustragen in die Welt – am besten im nächsten Jahr per Fernsehübertragung. Pfarrer Wolfgang Krautmacher begleitet die kleine Zermonie: „Licht kann man weitergeben, ohne es selbst zu verkleinern“, sagt er. Ein bisschen pustet der Wind dann doch und es ist gar nicht so leicht, eine Kerze anzuzünden.

Beim Singen unterstützen der Posauenchor und Orgelspieler Roland Wolf. Bürgermeisterin Dreißig freut sich, unter den Gästen auch einen Amtskollegen zu entdecken. „Ich wollte mal sehen, was unsere Nachbarn machen“, sagt André Urspruch, Bürgermeister in Straupitz. „Das ist ja eine tolle Resonanz hier“, stellt er zur Lichteraktion fest. Und Petra Dreißig hat gleich eine Idee: „Im nächsten Jahr könnten in Straupitz zeitgleich Kerzen angezündet werden.“ Es wird noch weiter gefeiert unter dem prächtigen Weihnachtsbaum an der Darre, ein zweiter Baum ziert traditionell den Lieberoser Marktplatz – beide mit Herrenhuter Sternen geschmückt. „So etwas habe ich in Lieberose noch nicht gesehen, so viele Besucher, diese Stimmung“, ist das Fazit von Annemarie Gottschald (91), gut bekannt als Schlossführerin, die viele Anekdoten zur gräflichen Familie derer von der Schulenburg erzählen kann.

Termin


Weihnachtsgeschichten, gelesen von Schauspieler und Geschichtenerzähler Michael Becker, auf der Harfe begleitet von Antje Gräupner vom Philharmonischen Orchester des Staatstheaters Cottbus, gibt es am Freitag, 20. Dezember, um 15 Uhr in der beheizten Landkirche Lieberose.