Von Ingrid Hoberg

Der Brandgeruch ist heute noch manchem Anwohner in der Nase und allen, die im vergangenen Jahr als Feuerwehrleute und Hilfskräfte im Einsatz waren, sind die Waldbrände auf der ehemaligen Schießbahn in der Lieberoser Heide im Gedächtnis. Nach der Auswertung der Ereignisse in den vergangenen beiden Jahren im Bereich des früheren Truppenübungsplatzes haben Axel Becker von der Oberförsterei Lieberose und Jenny Eisenschmidt von der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg kürzlich beim 4. Tag der Lieberoser Heide ein Konzept zum vorbeugenden Waldbrandschutz vorgestellt.

700 Hektar von Brändne betroffen

19 Waldbrände stehen in der Statistik von Axel Becker: „Im Jahr 2017 waren 250 Hektar betroffen, 2018 dann sogar 460 Hektar. Das sind Großschadensereignisse mit der Gefährdung von menschlichen Siedlungen gewesen.“ Die Flächen liegen in den beiden Landkreisen Dahme-Spreewald und Spree-Neiße. „Es handelt sich um 20 Jahre alte Bestände, Pionierwald hat gebrannt“, sagt Jenny Eisenschmidt. Die Heide war beim Bodenfeuer, das sich kriechend ausgebreitete, abgebrannt.

Anhand von Fotos wurde dokumentiert, wie sich die Brände entwickelt und ausgebreitet haben – auch im Mischwald und auf Moorflächen. „Wir haben bis zu neun Meter tiefe Moore. Die Flammen bleiben im Untergrund, die letzten Flammen sind erst im November gelöscht worden“, sagte Jenny Eisenschmidt.

Isabell Hiekel, beim Landesumweltamt im Fachbereich Moorschutz tätig, ergänzte: „Ich beobachte Moore seit zehn Jahren und war vier Wochen nach dem Brand vor Ort: Moorkörper sind nicht betroffen.“ Dennoch sind zehn bis zwanzig Zentimeter verloren gegangen, etliche Jahre Moorwachstum, wie Andreas Meißner, Geschäftsführer SNLB, betonte.

Munitionsbelastung ist großes Problem

Besonders erschwert wurden die Löscheinsätze durch die Munitionsbelastung des Geländes, die Feuerwehren mussten am Rand bleiben. Es wurden Hubschrauber eingesetzt, die Luftbilder von der Hitzeentwicklung im Boden machten. Axel Becker erläuterte anhand des 1,8 Kilometer langen Dachsweges, wie Pionierpanzer eine Schneise geschoben haben und wie gepanzerte Harvester eingesetzt wurden. „Diese Einsätze waren selbst für gepanzerte Fahrzeuge grenzwertig“, stellte er fest. Und sie waren kostenintensiv für die Landkreise.

Das vorgelegte Konzept zum vorbeugenden Brandschutz für die Lieberoser Heide berücksichtigt die Schaffung eines Schutzstreifens um die ehemalige Schießbahn. Auch in Waldnähe gelegene Ortschaften sollen durch solche Streifen geschützt werden. Das Forstwegenetz wird optimiert, ein System von Tiefbrunnen muss zügig geschaffen werden, um künftig ausreichend Löschwasser bereitstellen zu können. „Zum Teil waren die Feuerwehren eine halbe Stunde unterwegs, um Wasser heranzuholen“, sagte der Leiter der Oberförsterei. Tiefbrunnen müssten in 30 bis 60 Meter Tiefe gebohrt werden. Dieser Brunnenbau sollte eigentümerübergreifend erfolgen, damit in Zukunft das Wasser auch ausreicht. Und es sollen Bereitstellungsräume geplant werden, Meldeköpfe für die einzusetzenden Löschkräfte.

„Wir können die Kameraden der freiwilligen Feuerwehren nicht so lange binden. Die Amtsgemeinde muss die Lohnkosten finanzieren, die bei den Einsätzen anfallen“, sagte Axel Becker. Mit Landesmitteln können die Sicherheitsstreifen abgesucht werden. Wegeprojekte müssen mit Waldbesitzern konzipiert werden. Ein umfassender Brandschutzstreifen im Waldgebiet soll im Ringschluss angelegt werden.

Vieles, was in den vergangenen 30 Jahren nicht gemacht wurde, stehe nun auf der Wunschliste. Im Totalreservat allerdings sind menschliche Einflüsse ausgeschlossen.

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