Wahl 2024 in Lieberose
: 25 Kandidaten auf dem Stimmzettel — keine Volksparteien vertreten

In der kleinen Landstadt Lieberose wird sich zur Kommunalwahl Anfang Juni keine einzige Volkspartei auf den Stimmzetteln finden. Sämtliche Bewerber gehören freien Wählerlisten an.
Von
Marcel Gäding
Lieberose
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Das Rathaus von Lieberose auf dem Marktplatz. Die Stadt selbst nutzt das Gebäude nicht mehr. Die Kommunalpolitiker tagen in der "Darre" am Schloss. Im Juni 2024 stehen die nächsten Wahlen an.

Marcel Gäding

So langsam ist es Petra Dreißig peinlich. Innerhalb weniger Minuten klingelt ihr Handy zweimal. „Wieder einer abgesagt, wir sind nicht beschlussfähig“, erklärt sie dem Reporter. Neben ihr sitzt Bernd Boschan, Direktor des Amts Lieberose–Oberspreewald. Ratlosigkeit macht sich breit. Gleich soll die Stadtverordnetenversammlung beginnen.

Und nun? Die Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung — sie ist auch ehrenamtliche Bürgermeisterin von Lieberose — fackelt nicht lange. Sie eröffnet dennoch die Sitzung, will wenigstens über die wichtigsten Punkte informieren, die sich auf der Tagesordnung finden. Der Zuschauerbereich im großen Saal in der Darre ist voll besetzt.

Stadtverordnete von Lieberose glänzen durch Abwesenheit

Gut 40 Bürger sind gekommen, denn es wäre die regulär letzte Sitzung vor der Wahl. Es geht um die Zukunft des Schlosses, um die Vorstellung von Plänen eines Windpark–Betreibers, um den Sukzessionspark in der Lieberoser Heide. Das Interesse in der Bevölkerung ist groß.

Zehn Mitglieder hat die Stadtverordnetenversammlung (SVV) von Lieberose. Damit sie Beschlüsse fassen kann, müssen mindestens sechs Verordnete anwesend sein. Zur April–Sitzung sind es jedoch nur fünf. „Einer kommt schon seit drei Jahren nicht mehr“, ärgert sich Petra Dreißig. Dreimal sei es in der endenden Wahlperiode passiert, dass die SVV nicht beschlussfähig war.

Bewerberliste für zehn Posten in der SVV Lieberose

Ist den Lieberosern die Lust an der Kommunalpolitik vergangen? Zumindest mit Blick auf die Bewerberliste für die nächste Stadtverordnetenversammlung kann man diese Frage mit einem klaren Nein beantworten.

Immerhin kandidieren 25 Männer und Frauen für einen der zehn Sitze im Stadtparlament. Allerdings fällt auf, dass die großen Volksparteien keinen einzigen Bewerber ins Rennen schicken. Alle SVV–Aspiranten haben sich zu freien Wählerlisten zusammengeschlossen.

Wahlen 2024 Lieberose – die Bewerber

■ Bündnis Zukunft Lieberose: Peter Kossatz, Tino Matschke, Ulrich Domann, Hans-Henning Fritzsche, Christoph Dahlitz, Andreas Boroevics, Andrea Rasch

■ Freie Liste Lieberose: Clemens Michelchen, Melanie Bramburger, Jan Dippel, Kerstin Michelchen, Horst Dommaschk, Sabine Liedtke, Odett Arnold, Astrid Burisch, Lutz Liedtke, Joachim Rinza

■ Aufbruch Neue Zeit: Christa Heinrich, Joachim Wehlack, Manuel Mahr, Sven Kubens, Agnes Winkler, Jenifer Jakobitz, Thomas Scherner, Petra Dreißig

Wie schon 2019 ist darunter das Bündnis Zukunft Lieberose (BZL) mit ihrem Spitzenkandidaten Peter Kossatz. Der Handwerker ist gut in Lieberose vernetzt, gilt als engagiert. Mit ihm kandidieren fünf Männer und eine Frau auf der Liste, darunter unter anderem der langjährige Goschener Ortsvorsteher Ulrich Domann.

Bürgermeisterwahl von Lieberose: Zwei Bewerberinnen

Bekannte Namen finden sich auch beim Wahlvorschlag Freie Liste Lieberose (FLL). So kandidiert mit Kerstin Michelchen die Vorgängerin von Bürgermeisterin Petra Dreißig. Mehr noch: Michelchen strebt an, der Amtsinhaberin den Posten streitig zu machen. Beide Frauen gehen am 9. Juni auch ins Rennen um den ehrenamtlichen Bürgermeisterposten.

Kerstin Michelchen war bereits 1993 bis 2008 und 2016 bis 2019 Bürgermeisterin. Auf der Liste der FLL steht überdies der Name von Astrid Burisch, die von 2012 bis 2016 Bürgermeisterin war, die allerdings nicht für dieses Amt kandidiert.

Ganz neu ist die Liste „Aufbruch Neue Zeit“ (ANZ), der nun auch Petra Dreißig angehört, die 2019 noch für das BZL ins Rennen ging. Acht Wahlvorschläge für ANZ wurden zugelassen. Allerdings findet sich der Name von Petra Dreißig auf dem letzten Platz. Schafft sie es nicht, kann sie immer noch über die Bürgermeisterwahlliste in die SVV einziehen. Dort bekommt sie dann automatisch einen Posten.

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