Das hat schon Seltenheitswert. Zumindest ist es etwas ganz Besonderes. Drei Generationen einer Familie feiern Fastnacht an diesem Wochenende in Neu Zauche (Lieberose-Oberspreewald). Gabi und Günter Schnelle, beide im 70. Lebensjahr, Sohn Thomas Schnelle (46), Tochter Katja Lehmann (43) sowie Enkeltochter Romy Lehmann (16) sind während der 145. Fastnacht im Oberspreewalddorf dabei. Nicht als Zuschauer sondern mittendrin.

„Ich bin sehr stolz darauf, vor allem, dass auch unsere Enkeltochter dabei ist“, sagt Günter Schnelle. Vor fünf Jahren, während der vergangenen großen Fastnacht, durfte die 16-Jährige noch nicht teilnehmen. Jetzt sorgt sie dafür, dass drei Generationen ihrer Familie dabei sind. „Es ist sehr schön, gemeinsam mit Mama und Oma mitzumachen“, sagt Romy Lehmann „und wie diese eine schmucke Tracht anzulegen.“

120 Paare beim Trachtenumzug

Der rote Trachtenrock der Schülerin atmet Geschichte. Er wurde schon von der Oma und der Ur-Großmutter getragen. „Tradition ist uns sehr wichtig“, sagt Katja Lehmann. „Auch ich habe die Liebe zur Fastnacht von meinen Eltern und Großeltern vererbt bekommen.“ Und das hat Folgen. „Die Fastnacht ist für mich Heimat“, sagt die 43-Jährige. Ihr Vater teilt dieses Gefühl und ergänzt: „Die Fastnacht fördert den Zusammenhalt in Neu Zauche. Ich bin stolz darauf, dass ich mithelfen kann, eine so lange Tradition zu bewahren, für die unsere Vorfahren die Wurzeln gelegt haben.“

Die Fastnacht im Oberspreewalddorf wird von jungen, unverheirateten Leuten gestaltet. Alle fünf Jahren ist große Fastnacht. Dann schlüpfen auch Eltern und Großeltern in die traditionelle Kleidung und reihen sich in den Trachtenumzug ein. Etwa 120 Paare sind an diesem Wochenende dabei, 100 waren es vor fünf Jahren.

Thomas Schnelle kennt die 140. Fastnacht nur vom Erzählen. Der 46-Jährige lebt seit 2007 in der Schweiz. „Eine Teilnahme an der Fastnacht in Neu Zauche hat seitdem aus beruflichen Gründen nicht geklappt. Diesmal wollte ich aber unbedingt mitmachen.“ Welche Erwartungen hat er? „Leute zu treffen, die ich lange nicht gesehen habe. Und mal wieder richtig tanzen. Eine Polka etwa kennt man in der Schweiz nicht. Dort wird zwar auch Fastnacht gefeiert, doch ganz anders als im Spreewald.“

Wahl-Schweizer bewahrt die Tradition

Jetzt taucht Thomas Schnelle wieder ein in die Tradition seines Heimatdorfs. „Ich freue mich darauf, die Fastnacht in Familie zu feiern. Das ist für mich etwas ganz Besonderes.“ 1990 war er zum ersten Mal dabei und dann weitere zehn Jahre. Er ist nicht der Einzige, den es für die Fastnacht wieder zurückzieht. Seine Partnerin für den großen Trachtenumzug lebt inzwischen in Norddeutschland. Jetzt bewahren sie und der Wahl-Schweizer in Tracht und Anzug gemeinsam mit den vielen anderen Paaren die Tradition im Oberspreewalddorf.

Zurück zu den Wurzeln. Gabi Schnelle hat dem Ereignis schon lange entgegengefiebert. „Ich freue mich das ganze Jahr auf die Fastnacht. Die vielen netten Begegnungen und der Zusammenhalt unter den Teilnehmern sind einfach super. Ohne Fastnacht würde ich es gar nicht aushalten.“ Vor 55 Jahren war sie das erste Mal dabei. Dass die fast 70-Jährige gemeinsam mit Tochter und Enkelin eine Tracht anlegt, ist für sie „ein tolles Erlebnis“.

Fastnacht führt alle zurück nach Neu Zauche

Romy Lehmann schlüpft gern in das traditionelle Kleidungsstück. Die Schülerin freut sich auch deshalb auf die Fastnacht, „weil ich gern tanze“. Gelegenheit dafür hat sie an diesem Wochenende reichlich. Vielleicht dreht sie auch mit ihrem Onkel oder Opa eine Runde auf dem Parkett. Ihre Mutter wird ihr zuvor in die Tracht geholfen haben – so wie sechs weiteren jungen Damen. „Ich ziehe die Mädels an“, erzählt Katja Lehmann. „Das dauert jeweils eine halbe Stunde.“ Die Trachten hängen auf einem großen Ständer in ihrem Haus. Sie wurden von ihr gebügelt, gestärkt, für die Trägerinnen schick gemacht. Für die 43-Jährige selbstverständlich:

„Ich will helfen, die lange Tradition unserer Fastnacht zu bewahren und fortzuführen.“ Einfach ist das nicht. „Ich habe großen Respekt vor den jungen Leute, die den organisatorischen Hut aufhaben“, sagt Günter Schnelle. „Sie sind ja nicht mehr täglich vor Ort, lernen, studieren, arbeiten und leben in anderen Regionen. Doch egal, wo sie auch sind, die Fastnacht führt sie alle wieder zurück in ihr Heimatdorf.“