Die Fastnacht gehört zu den traditionellen Veranstaltungen im Spreewald. Sie ist Höhepunkt im geselligen Miteinander der Dorfbewohner. In Byhleguhre wurde jetzt die 130. Fastnacht gefeiert. Fünf Tage lang gab es  buntes Treiben in der Tradition der Vorfahren. Der große Festumzug am Sonntagnachmittag war einer der Höhepunkte.

Junge Leute sorgen dafür, dass diese Tradition in dem Oberspreewalddorf weiterlebt. Andrea Wolff ist eine von ihnen. Die 35-Jährige stammt aus Byhleguhre, ist dort aufgewachsen. „Ich fühle mich wohl hier. Auch, weil wir eine tolle Dorfgemeinschaft sind.“ Als Trachtenträgerin steht die junge Frau in der Tradition ihrer Vorfahren: „Ich trage gern Tracht. Unsere Spreewaldtracht finde ich besonders schön. Wenn man tanzt, und der Rock sich dreht, das ist doch wunderbar. In einer Tracht sieht man einfach immer gut aus.“

Engagiert im Dorfverein von Byhleguhre

Auch während des Fastnachtstanzes hat sie sich traditionell gekleidet. „Ich liebe es, so auszugehen. Das gibt unserer Fastnacht nochmal eine besondere Note.“ Ihre Tanztracht hatte jedoch nichts mit der Festtagstracht zu tun, die sie beim großen Umzug am Tag danach trug. Tuch statt Haube, eine andere Schürze, halt einfach so, dass man sich beim Tanzen wohlfühlt.

Wendische Fastnacht Wie die Tracht richtig sitzt

Byhleguhre

Und warum hält sie daran fest? „Weil ich es wichtig finde, dass Dinge nicht in Vergessenheit geraten.“ Sie engagiert sich deshalb auch im Dorfverein von  Byhleguhre. Die Fastnacht ist auch für sie einer der Höhepunkte.  „Ich bin seit frühester Kindheit dabei. Egal, wo man gerade beruflich ist oder was man macht – die Fastnacht führt alle zurück in die Heimat. Es gibt Leute, die sieht man das ganze Jahr nicht. Umso schöner ist das Wiedersehen während unserer Fastnacht“, sagt sie. Für sie ist es mehr, als nur fünf Tage zu feiern: „Es ist Gemeinschaft, Miteinander, gute Stimmung, und das immer mit dem Blick auf unsere Tradition.“

Auch der Ablauf folgt einer festen Tradition

Es ist kein Zufall, dass die Fastnacht seit Jahren nach dem fast immer gleichen Ablauf gefeiert wird. Mit dem Sträußchenanstecken am Donnerstag geht es los. Freitag und Samstag wird gezampert, am Samstagabend im Festzelt gefeiert. Nach dem Festumzug am Sonntag endet die Fastnacht mit dem Frühshoppen am Montag. Damit das so bleibt, wird der Nachwuchs herangeführt. „Unsere Kinder zampern mit, lernen von früh an Traditionen unseres Dorfs kennen“, sagt Andrea Wolff. Sie mag die Fastnacht auch deshalb, weil sie die Leute im Dorf zusammenbringt. „Das gemeinsame Anziehen der Tracht, die Gespräche während dessen, das herzliche Miteinander – das alles möchte ich nicht missen.“

Andrea Wolff ist verheiratet, hat zwei junge Kinder. Sie hält gern an Bewährtem fest: „Modern interpretierte Trachten, wie sie heute im Spreewald angeboten werden, sind nichts für mich. Ich mag es traditionell, genau so, wie es schon immer in Byhleguhre war.“ Der Traditionsverein um Martin Neumann und Anna Lehmann bewahrt historische Abläufe, führt diese weiter. Die Fastnacht gehört dazu.

Gesammelt werden vor allem Eier und Speck

Wie in vielen Orten im Spreewald werden auch in Byhleguhre Eier und Speck gesammelt, wenn die fröhlichen Leute von Haus zu Haus ziehen. Anders als üblich werden die Gaben allerdings noch während des Zamperns zu leckeren Plinsen verarbeiten. „Unsere Fastnacht ist schon speziell“, sagt Andrea Wolff. „Doch genau so liebe ich sie.“ Offenbar lassen sich auch Zuzügler vom Virus der Fastnachtstradition infizieren. „Die Fastnacht erleichtert Zugezogenen die Integration in unsere Dorfgemeinschaft.“ Wie wichtig ihr selbst das Brauchtum ihres Heimatdorfs ist, spürt sie immer dann, wenn sie mal irgendwo anders ist. „Dann weiß ich, was mir fehlt.“