Im Fall der fünf Toten in Brandenburg gehen die Fahnder momentan davon aus, dass es keinen außenstehenden Verdächtigen gibt. „Es gibt derzeit keinen Tatverdacht gegen eine dritte Person“, sagte Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. „Es gibt keinen Haftbefehl gegen jemanden.“ Der „Bild“ sagte Bantleon, es sei ein „Abschiedsbrief“ gefunden worden. Genaueres sagte er dazu nicht. „Wir können zurzeit nichts ausschließen.“
Nachbarn hatten am Samstag in einem Einfamilienhaus in Senzig, ein Ortsteil von Königs Wusterhausen, leblose Personen gesehen. Die Beamten fanden wenig später in der Birkenallee fünf Tote - die Bewohner des Hauses, wie sich später herausstellte. Darunter waren auch drei Kinder im Alter von 4, 8 und 10 Jahren, wie die Staatsanwaltschaft Cottbus und die Polizeidirektion Süd in einer gemeinsam Presseerklärung mitteilten. Die beiden Erwachsenen seien 40 Jahre alt gewesen.
Der Landrat des Kreises Dahme-Spreewald hat den Angehörigen und Bekannten der Opfer sein tiefes Mitgefühl ausgedrückt. Die Nachricht habe ihn „fassungslos und traurig gemacht“, wurde Stephan Loge (SPD) am Sonntag in einer Mitteilung zitiert. „Die Tat ist unfassbar.“
Es blieben Fragen offen für Angehörige und Freunde. „Ob morgen auf Arbeit, in der Schule oder in der Kita, hier wird die große und traurige Lücke offensichtlich, welche die Nachricht seit Samstag reißt“, so Loge.

Fünf tote Menschen bei Königs Wusterhausen mit Schuss- und Stichverletzungen gefunden

Die Leichen wiesen laut der Mitteilung Schuss- und Stichverletzungen auf. Es bestehe der Verdacht eines Tötungsdeliktes. Umgehend seien kriminalpolizeiliche Ermittlungen eingeleitet worden. Neben Kriminaltechnikern sei ein Sachverständiger des Brandenburgischen Institutes für Rechtsmedizin vor Ort.
Die Ermittlungen gingen in alle Richtungen, sagte Bantleon. Nach Angaben der Polizei werden Anwohner und Bekannte aus dem näheren Umfeld der Toten befragt. Die Spurensicherung sei die ganze Nacht vor Ort gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Die Toten würden von der Rechtsmedizin untersucht.

Hintergründe des Verbrechens weiterhin unklar

Die Hintergründe des Verbrechens bleiben weiterhin unklar. Damit blieb zunächst im Dunkeln, ob es sich bei den Toten um eine Familie handelte, ob sich der Täter unter den Opfern befindet, was das Motiv sein könnte, ob sich noch andere Personen im Haus aufhielten. Spekulationen kursierten, die Bewohner hätten sich in Corona-Quarantäne befunden. Aber auch dafür gab es zunächst keine Bestätigung.

Am Tatort in Senzig sehen Schaulustige zu

In der Straße, in der sich die Tat ereignete, versammelten sich am frühen Nachmittag schnell einige Schaulustige. Kameraleute und Fotografen waren am Ort. Vor dem recht neuen Haus, an dem die Rollläden heruntergelassen waren, standen zahlreiche Polizeifahrzeuge. Kriminaltechniker in weißen Anzügen liefen zwischen ihren Fahrzeugen und dem Haus hin und her. Feuerwehrleute holten in einem Karton ein Haustier aus dem Haus. Am späten Nachmittag sperrte die Polizei den Tatort noch weiträumiger ab. Nachbarn waren kaum zu sehen. Polizisten gingen von Tür zu Tür und sprachen mit den Anwohnern.
Ein Mann und eine Frau stellten eine Kerze in der Nähe des Hauses ab. Auf die Frage, ob sie die Toten kannten, antwortet der Mann: „Das hier ist ein Dorf - man kennt sich.“