Tierseuche in Brandenburg: Blauzungenkrankheit breitet sich aus – Rinder und Schafe infiziert

Die Blauzungenkrankheit breitet sich im Land Brandenburg weiter aus. Jetzt ist auch der Landkreis Teltow-Fläming von der Tierseuche betroffen. (Symbolfoto)
Patrick Pleul/dpaIn Brandenburgs Tierhaltungsbetrieben breitet sich die Blauzungenkrankheit mehr und mehr aus. Aktuell meldet der Landkreis Teltow-Fläming einen Ausbruch in einem Mastrinderbestand in Ludwigsfelde. Das Landeslabor Berlin-Brandenburg habe den Blauzungenvirus vom Serotyp 3 (BTV-3) nachgewiesen, wie das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt Teltow-Fläming mitteilt.
Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) in Greifswald, das tagesaktuelle Informationen zu anzeigepflichtigen Tierseuchen deutschlandweit liefert, ist inzwischen ein Großteil der Brandenburger Landkreise betroffen. Demnach breitet sich die für Tiere gefährliche Krankheit von Westen in Richtung Osten aus.
Friedrich-Loeffler-Institut registriert Fall in Dahme-Spreewald
Die Lausitz ist aktuell nur vereinzelt betroffen; für Donnerstag (5. September 2024) meldete das FLI einen Fall bei einer Milchkuh in Dahme-Spreewald. Im Land Brandenburg insgesamt werden bis jetzt im deutschlandweiten Vergleich relativ wenig Fälle der Blauzungenkrankheit registriert.
Mit Blick auf ganz Deutschland hat sich das Virus in den vergangenen Monaten rasant ausgebreitet. Wurden vom FLI im Juni 2024 noch 13 betroffene Tierhaltungen deutschlandweit erfasst, waren es im Juli 2024 schon mehr als 1200. Bis jetzt ist die Zahl auf mehr als 5700 Fälle angestiegen.
Das Blauzungenvirus wird von bestimmten Mücken übertragen, nicht jedoch durch direkten Kontakt der Tiere untereinander, berichtet das Veterinäramt Teltow-Fläming weiter. Deshalb würden selten ganze Herden, sondern vorrangig Einzeltiere in einer Herde erkranken.
Vor allem Schafe und Rinder infizieren sich damit. Auch Ziegen und andere Wiederkäuer sowie Alpakas sind empfänglich, zeigen aber meist keine Symptome. Das Virus existiert in mehr als 20 verschiedenen Varianten. Aktuell kursiert in Deutschland und in anderen europäischen Ländern der Typ BTV-3.
Für Menschen ist Blauzungenvirus ungefährlich
Für Tiere bedeutet das Virus viel Leid, für den Menschen ist es hingegen ungefährlich, wie das FLI betont. Der Erreger ist nicht auf Menschen übertragbar. „Der Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten von Schafen, Rindern, Ziegen und Wildwiederkäuern ist bedenkenlos möglich“, heißt es auch beim Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt Teltow-Fläming.
Betroffene Tiere würden an Appetitlosigkeit und Fieber leiden. In schweren Fällen könne die Blauzungenkrankheit tödlich enden. Im bisherigen Seuchenverlauf waren Schafe durch massive Erkrankungen und viele Todesfälle besonders stark betroffen, heißt es weiter. Bei infizierten Rindern würde dagegen der Milchrückgang mit über einem Liter täglich über einen sehr langen Zeitraum von mehr als drei Monaten besonders schwer ins Gewicht fallen, was Landwirten zusätzlich große Sorgen macht.
Im September 2023 wurde die Blauzungenkrankheit vom Serotyp 3 erstmalig in den Niederlanden festgestellt – und breitet sich seitdem rasant von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz kommend in allen Bundesländern Deutschlands aus. Seit Mitte August 2024 sind in allen Bundesländern Ausbruchsfälle festgestellt worden, deshalb hat ganz Deutschland den Status „frei vom Virus der Blauzungenkrankheit“ verloren.
Schutz durch Impfung
Der einzig wirklich wirksame Schutz sei derzeit nur über eine Impfung zu erzielen, betont das Veterinäramt Teltow-Fläming.
Die Reduktion der Stechmücken sei keine sichere Bekämpfungsmethode, helfe aber generell gegen Infektionen, die durch Stechinsekten übertragen werden.
Derzeit gibt es keine zugelassenen Impfstoffe; es wurde aber die Anwendung von BTV-3 Impfstoffen verschiedener Firmen auf der Basis einer Eilverordnung des Bundes gestattet.
Die Hersteller geben in den Gebrauchsinformationen der BTV-3 Impfstoffe an, dass die Anwendung das Beschwerdebild und das Vorhandensein von Viren im Blut nach einer Infektion mit dem BTV-3 Virus reduziert. Ein vollständiger Schutz wird durch die Impfung nicht erreicht.
Aus den Niederlanden und den in Deutschland besonders betroffenen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Niedersachen wird aktuell berichtet, dass die Anwendung der Impfstoffe sicher ist und von den geimpften Schafen und Rindern gut vertragen wird. Das FLI empfiehlt ebenfalls die Impfung empfänglicher Wiederkäuer.


