Störche im Spreewald: Storch entdeckt in Butzen Laterne für sich und sorgt für Verwunderung

Ein Storch ist wieder in Butzen daheim, allerdings nur auf einer Laterne. Anwohner und Autofahrer wundern sich gleichermaßen.
Marcel GädingIn der Gemeinde Spreewaldheide (Landkreis Dahme-Spreewald) liegt ein Ort, von dem der damalige Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg in seiner Reihe „Landschleicher“ 1996 wenig schmeichelhaft berichtete: „Butzen ist so ein Ort, den Fremde nicht wahrnehmen. Hier hält man nicht an. Hier fährt man durch und weiter. Butzen hat nichts.“
Fast 30 Jahre später soll sich daran kaum etwas geändert haben, müsste man meinen. Und doch hat Butzen eine kleine Attraktion, vielleicht sogar ein neues Wahrzeichen. Bevor es darum aber geht, lohnt sich ein Blick auf den kleinen Ortsteil der Gemeinde Spreewaldheide, der von der Landesstraße 44 durchzogen wird. Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt, hat ein paar kleine Seen, aber keine Kirche. Gut 180 Einwohner leben in dem Straßendorf.
Vogel auf der Laterne – die Attraktion von Butzen
Wer also vom Spreewalddorf Straupitz aus kommend Richtung Lieberose fährt, hatte bislang tatsächlich keinen Grund anzuhalten. Es sei denn, man entdeckt kurz hinter dem Ortseingang einen Storch auf einer Laterne. Was zunächst wie eines dieser Plastikimitate anmutet, die schon mal aus Tradition die Geburt eines Kindes im Vorgarten verkünden, entpuppt sich als quicklebendiges Exemplar.
Da steht er also auf einem Bein und scheint die Ruhe selbst zu sein. Unter ihm fließt der abendliche Verkehr, während oben der rote Schnabel entspannt im Federkleid ruht. Selbst der Auslöser der Kamera animiert den Storch nicht, auf die saftig-grünen Felder auszuweichen. Ein kurzer, prüfender Blick zum Boden, das zweite Bein zur Sicherheit raus – zurück in die Ausgangsstellung.

Selbst der Auslöser der Kamera bringt den Storch in Butzen nicht aus der Ruhe.
Marcel GädingOrtschronist aus Butzen weiß alles über die Störche
Der Butzener Udo Mietk kümmert sich seit mehr als 20 Jahren um die Chronik seines Ortes. Und da spielte der Storch jedes Jahr eine große Rolle. Akribisch gehen seine Aufzeichnungen zu Storchennestern, basierend auf mündlichen Überlieferungen, bis in die 1930er-Jahre zurück. Seit den 1950er-Jahren gab es ein großes Storchennest, das aber im Laufe der Jahrzehnte immer umfangreicher und schwerer wurde.
„Am Ende war es bestimmt an die zwei Meter hoch“, sagt Udo Mietk und legt zum Beweis ein Foto von dem monströsen Storchenheim vor. Die Aufnahme zeigt, in welch bedrohlicher Schieflage sich Adebars Heimstatt befand. Mit Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde und viel Technik ging es vor zehn Jahren an den Rückbau.
Dabei entdeckte man auch eine Art Geheimgang, der offenbar von Wildtieren wie Marder oder Waschbär missbraucht wurde, um an die begehrten Storcheneier zu gelangen. Denn schon Jahre vor der Rückbau-Aktion beklagten die Butzener fehlenden Nachwuchs bei den Störchen.
Störche schenken Butzen kaum noch Beachtung
Dem süffisanten Eindruck des TV-Reporters von 1996 folgten dann irgendwann offenbar auch die Störche. Immer wieder steuerten sie zwar das Dorf an, ließen sich aber nicht mehr wirklich nieder. In abgewandelter Form könnte es in dem Fernsehbeitrag heute heißen: „Hier fliegt man rüber und weiter.“ Storchenfreund Mietk jedenfalls ist etwas ratlos. Denn es ist noch gar nicht so lange her, da hielten sich 125 dieser grazilen Vögel vor ihrem Abflug in südliche Gefilde vor den Toren Butzens auf.
Der Chronist hat daher Hoffnung. Wegen des guten Nahrungsangebots rund um das Ressener Mühlenfließ lassen die Störche Butzen nicht ganz aus den Augen. Und einer von ihnen hat eben offenbar eine Leidenschaft zur Straßenlaterne entdeckt. Dass er dort nicht nur eine kurze Rast macht, beweisen die Kotablagerungen auf dem Bürgersteig. Zwei Jahre geht das bestimmt schon so, heißt es im Dorf.
„Wir wissen nicht, ob es immer derselbe Storch ist“, sagt Udo Mietk. „Störche tragen ja kein Nummernschild.“ Nun geht das Spielchen aber schon zwei Jahre so mit der Laterne. Und da wird der Ortsbeirat nicht untätig bleiben. „Ich habe schon gesagt, wir müssen mal was mit dem Storchennest machen“, sagt der Ortschronist, der auch Mitglied im Ortsbeirat ist.



