Von Katrin Kunipatz

Am Dienstag geben sich die Kunden an der Sparkassenfiliale in Schönwalde fast die Klinke in die Hand. Vor allem die älteren Einwohner des Ortes nutzen an diesem Vormittag die Chance, ihre Bankgeschäfte noch einmal in der vertrauten Umgebung zu erledigen. Denn am Mittwoch ist die Filiale zum letzten Mal geöffnet. Im Juni hatte die Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) mitgeteilt, die einzige Filiale in Schönwalde am 31. Oktober zu schließen. Es seien wirtschaftliche Gründe, erklärte Pressesprecher Robert Heiduck damals. Trotz Petition gelang es Bürgern und Gemeindevertretung nicht, die Entscheidung des MBS-Vorstands rückgängig zu machen.

Ein Bus ersetzt die Filiale

Und so betritt Bürgermeister Roland Gefreiter am Dienstag mit Blumen im Arm die Filiale, um sich von den Mitarbeiterinnen zu verabschieden. Wie die seine Worte aufnahmen, konnte die Rundschau nicht beobachten, da die Redakteurin mit recht klaren Worten vor die Tür geschickt wurde. Auf Nachfrage teilt die MBS mit, dass eine Mitarbeiterin nach Lübben in die MBS-Geschäftsstelle in der Hauptstraße wechselt und dort weiter ihre Kundinnen und Kunden aus Schönwalde betreut. Die andere Mitarbeiterin wird in der zweiten Lübbener MBS-Filiale arbeiten.

Nach Schönwalde kommt als Ersatz zweimal in der Woche der Sparkassenbus. Er wird immer montags von 11 bis 13 Uhr und mittwochs von 10.45 bis 12 Uhr auf dem Parkplatz vor der Amtsverwaltung halten, teilt MBS-Sprecher Heiduck mit. In dieser fahrbaren Geschäftsstelle können die Sparkassenkunden dann Überweisungen tätigen oder Bargeld abheben.

Filialenschließung sorgt für Innovationsschub

Der Schönwalder Klaus Beyer ist skeptisch, denn er ist nicht mehr gut zu Fuß. „Ich muss schauen, ob ich die Stufe in den Sparkassenbus hineinkomme“, sagt er. Die 77-jährige Elfriede Mietke kam bisher mindestens einmal im Monat in die Filiale. „Vertrauen ist auf der Bank sehr viel wert“, sagt sie. So lange, wie sie laufen kann, wolle sie auch weiterhin ihre Bankgeschäfte selbst erledigen und müsse sich nun so einrichten, wie der Bus da ist. Genau wie andere Seniorinnen hofft sie, dass wenigstens der Dorfkonsum erhalten bleibt, wenn schon mit der Sparkasse ein Treffpunkt verschwinde.

Der Bürgermeister hofft nun, dass der Sparkassenbus auch wirklich von den Schönwaldern angenommen wird. Bei den Einzelhändlern im Ort hat der Weggang der Sparkasse einen kleinen Innovationsschub ausgelöst. Im Dorfkonsum gibt es seit Mitte Mai die Möglichkeit zur Kartenzahlung. Der Internetanschluss war schon da, deshalb sei es unkompliziert gewesen. „In den nächsten Tagen soll die Technik so eingerichtet werden, dass auch Bargeldauszahlungen möglich sind“, sagt Marktleiterin Sabine Schoen.

Zukünftige Gebäudenutzung noch unklar

Offen ist dagegen, was mit dem Gebäude passiert, in dem sich die Sparkassenfiliale befindet. „Wir gehen von einer Veräußerung im Jahr 2020 aus“, teilt Heiduck mit. Es gäbe bereits mehrere Interessenten. Die MBS will mit einem Wertgutachten den Marktwert ermitteln. Die Gemeinde werde über den Start des Verkaufsverfahrens informiert, so die MBS. Bürgermeister Gefreiter hofft, dass die Gemeinde Schönwald das Objekt erwerben kann. Denn das Gelände ist Teil des Mühlenhof-Projektes. Auf dem jetzt freien Areal gegenüber der Grundschule soll mit Betreutem Wohnen für Senioren, Tagespflege und neuem Einkaufsmarkt ein neuer Magnet in dem stetig wachsenden Ort entstehen. Wann die Pläne umgesetzt werden, sei jedoch noch offen, so Gefreiter.