Handy in Königs Wusterhausen: Schüler packen über ihre Bildschirmzeit aus

Schüler verbringen oft viel Zeit am Handy. Aber wann ist es zu viel? (Symbolbild)
Annette Riedl/dpa- Jugendliche in Königs Wusterhausen zeigen ihre Bildschirmzeit und genutzte Apps.
- Häufig genutzt: TikTok, Snapchat, WhatsApp, ChatGPT – teils auch Bahn- und Fahrschulapps.
- Beispiele: 17-Jährige rund 4,5 Stunden täglich, ein 14-Jähriger an einem Tag 3 Stunden.
- Sozialarbeiter rät zu Regeln und Kommunikation – kein Handy am Esstisch und Schlafmodus.
- Tipps für Jugendliche: aktive Pausen, Wecker statt Handy, Apps gegen Ablenkung und KI kritisch prüfen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Tief vornübergebeugt sitzen ein paar Schüler am Bahnhof Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) und scrollen auf ihren Smartphones. Kinder und Jugendliche wachsen heutzutage mit kurzen Videosequenzen, ständiger Erreichbarkeit und Künstlicher Intelligenz auf. Wie oft nutzen Jugendliche aus Königs Wusterhausen ihr Smartphone und wofür? Wieviele Stunden täglich sind normal? Und wo machen Regeln Sinn?
Fünf Schülerinnen und Schüler packen in der Mittagspause aus: darüber, welche Apps sie nutzen und wie sie sich selbst Grenzen setzen. Einige lassen sich über die Schulter schauen und zeigen die tatsächliche Bildschirmzeit, die ihr Smartphone automatisch erfasst.
Marten und Amelie sind beide 17 Jahre alt, kommen aus Königs Wusterhausen und gehen in die 11. Klasse. Sie schätzen, dass sie ihr Handy 4,5 Stunden am Tag nutzen. Ein Blick auf die Bildschirmzeit von Amelie in dieser Woche bestätigt das: 4 Stunden und 25 Minuten war sie an diesem Tag auf TikTok, Snapchat, WhatsApp und ChatGPT. Also Social Media und KI. Bei Marten waren es TikTok, die Fahrschulapp, WhatsApp und Snapchat. Auch für die Bahnverbindung nutze er sein Smartphone häufig, sagt er.
Mobile Jugendarbeit aus Wildau: Was können Eltern tun?
„Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, ist mir mein Handy nicht so wichtig“, sagt Amelie. Marten sagt, ihm gehe es genauso. Deshalb nutze er sein Smartphone am häufigsten beim Abendessen oder morgens vor der Schule, wenn seine Freunde nicht in Reichweite sind. „Man braucht es, um in Kontakt zu bleiben“, sagt Amelie. „Man kann nicht sagen: Ich will jetzt kein Handy mehr benutzen.“
4,5 Stunden täglich seien tatsächlich viel, wenn sie das Smartphone nicht im Unterricht nutzen, findet Sozialarbeiter Florian Gromoll vom Verein KJV e.V. Wildau. „Das ist ja fast die gesamte Freizeit“, sagt er am Telefon. Er gibt an Schulen Workshops zum Thema Smartphonenutzung. Auch ein Angebot im Jugendclub Eichwalde und Elternabende gehören dazu. Es ginge dabei unter anderem um Fragen wie „Ist mein Kind mediensüchtig und wie viel Zeit ist zu viel?“

Die Bildschirmzeit zeigt schonungslos wie viel Zeit tatsächlich am Tag und in der Woche auf welche Apps verwendet wurde.
Maria HäußlerAllerdings tue er sich schwer damit, generelle Aussagen zu treffen. „Das ist immer abhängig davon, was die Kids sonst machen“, sagt Gromoll. „Haben sie viel in der Freizeit zu tun, zum Beispiel im Verein, oder hängen sie nur zuhause rum und wollen zocken?“ Man müsse das Nutzungsverhalten in Gänze sehen, dazu gehöre auch, wie es in der Schule läuft.
Eltern rät Gromoll von Verboten eher ab. Manchmal seien aber Regeln nötig: Diese könnten mit einem sogenannten Mediennutzungsvertrag vereinbart werden. Zum Beispiel kein Handy am Esstisch, wie etwa Marten seine Nutzung beschrieben hat. Das Wort „kontrollieren“ finde er schwierig, sagt Gromoll, aber Kinder unbegleitet in den Medienkonsum „reinzuwerfen“ auch. Über Apps wie „Family Link“ könnten Eltern sehen, was ihre Kinder machen.
„Wenn man ein Vertrauensverhältnis mit seinen Kids zum Thema Medien aufgebaut hat, verstehen Kinder auch, wenn man sagt: Das ist mir jetzt zu viel“, sagt Gromoll. Vor allem, wenn Hobbys wegen des Medienkonsums zu kurz kommen oder etwas nicht altersgerecht ist, sollte man eingreifen, so Gromoll. Der Schlüssel sei „Kommunikation mit seinen Kindern“ und auch mal offen und ehrlich zu sagen: Ich hab keine Ahnung davon, erklär mir das bitte.
Grenzen selbst setzen: Drück einmal auf Pause
Jugendlichen sagt er, dass sie sich „aktive Erholungspausen“ nehmen dürfen und sollen: „Wir fragen, wo das Handy bei Nacht liegt“, sagt Gromoll. Eine Lösung sei, einen klassischen Wecker, statt der Weckfunktion im Smartphone zu nutzen. „Wir vermitteln, dass es vollkommen in Ordnung ist, das Handy in den Schlafmodus zu versetzen und dann zurückzuschreiben, wann man möchte.“
Eltern empfehle er, mit ihren Kindern eine Zeit zu vereinbaren, ab der das Handy wegkommt: mindestens eine Stunde vor der Schlafenszeit. „Mit steigendem Alter wird das natürlich schwierig, das ist ganz normal“, sagt er.
Der 14-jährige Alani geht in die 8. Klasse und erzählt, dass er sich selbst Grenzen setzt. Er hat eine App auf dem Handy installiert, um übermäßigem Scrollen entgegenzuwirken. „Ich habe eingestellt, dass mein Handy Schwarz-Weiß wird, wenn ich TikTok öffne“, sagt er. „Das hilft ein bisschen.“ Beim Lernen lasse er sich sonst leicht ablenken. „Und ich habe eine App installiert, die meinen Bildschirm einfriert, wenn ich zu lange drauf war.“
Er öffnet TikTok auf seinem Smartphone. Auf dem Bildschirm erscheint einige Sekunden lang der Satz „Einmal tief durchatmen …“ Das soll verhindern, dass er die App unbewusst verwendet, erklärt Alani.
Ein Blick auf seine Bildschirmzeit zeigt eine Nutzung von 3 Stunden und 2 Minuten an diesem Tag. „Schon ordentlich“, sagt Alani. Als Apps werden WhatsApp, Reddit, TikTok und Google angezeigt. „Ich denke nicht, dass ich ohne Handy klarkommen würde“, sagt der Schüler. „Wenn ich zum Beispiel mit der Bahn fahre, brauch ich Google Maps.“ Auch ChatGPT nutze er oft.
Schule in Königs Wusterhausen: ChatGPT für Tests
Auch die 16-jährige Lilly sagt, dass sie sich selbst Grenzen setzt. Diese betreffen vor allem kurze Videos, wie bei TikTok. „Das macht schnell abhängig“, sagt sie. Eigentlich nutze sie fast nur WhatsApp. „Manchmal bleib ich aber hängen.“ Grund seien Videos in Gruppenchats, eins führe dann zum nächsten.
Als Risiko sieht die Schülerin außerdem, dass in der Schule alle nur noch KI nutzen, auch für Tests. Selbst bei Fragen zu ihrer Meinung nutzten manche Schüler KI, sagt Lilly. Wenn diese Schüler dann die gleichen Noten bekommen, sei das nicht fair.
Die 17-jährige Fiona schaut ungefähr drei Stunden am Tag auf ihr Smartphone. Am häufigsten nutze sie TikTok, „um Lebensweisheiten zu bekommen“, und KI für die Schule. „Man lässt sich schon schnell ablenken dadurch und sieht nicht mehr das wahre Leben“, sagt sie. Nach der Schule nutze sie das Handy zum Entspannen. „Da muss ich dann aufpassen, wie lange – damit ich hinterher noch für Klausuren lernen kann.“
„Wir versuchen zu transportieren, sich nicht auf KI zu verlassen“, sagt Sozialarbeiter Gromoll. Es sei gut, KI zu nutzen, um sich Infos zu holen, aber auch wichtig, diese gegenzuchecken und weiterhin selbst zu überlegen. Das zeigen die Sozialarbeiter den Jugendlichen anhand von Beispielen auf, in denen die KI auf dieselbe Frage unterschiedliche Antworten gibt.
„Wir können nur Tipps geben, motivieren und Anregungen schaffen“, sagt Gromoll. Denn den Alltag zu Hause kennen wir ja nicht.


