Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen
: Neue Wildbienenart siedelt sich in Niederlausitz an

In Dahme-Spreewald ist die Ansiedlung einer Bienenart, die im Mittelmeerraum verbreitet ist, entdeckt worden. Wer genau ist der Neuankömmling? Die Heinz Sielmann Stiftung stellt ihn vor.
Von
Julia Siebrecht
Wanninchen
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Gestutzte Fleckenbiene
Im Juli 2026 wurde die Gestutzte Fleckenbiene erstmalig in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen entdeckt. Fotoquelle: https://www.inaturalist.org/de/taxa/1372574-Thyreus-truncatus (CC-Lizenz)

Im Juli 2026 wurde die Gestutzte Fleckenbiene erstmalig in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen (Dahme-Spreewald) entdeckt.

Sylvester Kociniak (CC-BY-NC)
  • In Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen wurde die Gestutzte Fleckenbiene entdeckt.
  • Die Art gilt in Deutschland als selten und stammt aus dem Mittelmeerraum bis Zentralasien.
  • Sie parasitiert die Flockenblumen-Langhornbiene, die sich in Brandenburg ausbreitet.
  • Klimawandel und geeignete Lebensräume in Bergbaufolgelandschaften fördern die Ansiedlung.
  • Forschende erwarten, dass die Fleckenbiene der Wirtin in neue Lebensräume zeitversetzt folgt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Deutschlandweit gilt die Gestutzte Fleckenbiene (Thyreus truncatus) noch als Rarität. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Mittelmeerraum bis nach Zentralasien, heißt es in einer Pressemitteilung der Heinz Sielmann Stiftung.

Der erste Nachweis in Deutschland stammt aus der Nähe von Weißwasser (Sachsen) im Jahr 2019. Der bislang einzige bestätigte Fund in Brandenburg wurde nach Stiftungsangaben im Nationalpark Unteres Odertal im Jahr 2021 gemacht. Nun ist die Gestutzte Fleckenbiene in der Niederlausitz angekommen. „Aber wie hat sie das geschafft?“, fragt die Heinz Sielmann Stiftung in einer Pressemitteilung.

Die Gestutzte Fleckenbiene kommt selten allein

Bis vor Kurzem gingen Wissenschaftler noch davon aus, dass die Fleckenbiene in ihrer parasitischen Lebensweise ausschließlich auf die in Südeuropa vorkommende Braune Bindenpelzbiene (Amegilla garrula) angewiesen sei. Erst mit ihrer Entdeckung in Deutschland hätten Forscher festgestellt, dass auch die hier vorkommende Flockenblumen-Langhornbiene (Tetralonia dentata) als Wirtin infrage komme. Diese breitet sich seit einigen Jahren in Brandenburg aus.

Unterstützt durch den Klimawandel und die Ausbreitung verschiedener Flockenblumenarten, nistet die Langhornbiene hier mittlerweile in großen Kolonien mit bis zu 1.000 Tieren. Davon profitiere die Fleckenbiene als Brutparasit der Langhornbiene, erklärt die Heinz Sielmann Stiftung in einer Pressemitteilung.

„Den aktuellen Entwicklungen zufolge gelingt es der Gestutzten Fleckenbiene sehr gut, ihrer Wirtsbiene in die neu erschlossenen Lebensräume zu folgen. Ich gehe davon aus, dass sie sich in den kommenden Jahren mit einer vergleichbaren, leicht zeitversetzten Dynamik entwickelt wie ihre Wirtin, die Langhornbiene“, sagt Ingmar Landeck vom Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften e.V.

Der Biologe beobachtet seit Jahren die Entwicklung der Wildbienenbestände in Brandenburg und speziell in der Lausitz. Vor einigen Tagen lieferte er nach Angaben der Heinz Sielmann Stiftung den ersten Nachweis für die Gestutzte Fleckenbiene in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen.

Klimawandel befördert Ansiedlung wärmeliebender Arten

Der Vorgang der Eierablage wird von der Heinz Sielmann Stiftung wie folgt beschrieben: Als Kuckucksbiene legt die Gestutzte Fleckenbiene ihre Eier in die Brutzellen der Langhornbiene hinein. In einem unbeobachteten Moment dringt sie bis zu den verschlossenen Brutzellen ihrer Wirtsbiene vor und sticht sie mit dem Hinterleib auf. Nach der Eiablage verschließt sie die Zelle wieder mit Erde. Die Larve der Kuckucksbiene schlüpft früher als die der Wirtin und frisst ihren Pollenproviant auf.

Die parasitische Lebensweise ist in der Natur ein bewährtes Konzept. Das namensgebende Beispiel stammt aus der Vogelwelt: Der Kuckuck legt seine Eier in fremde Nester. So macht es auch fast jede vierte in Deutschland vorkommende Wildbienenart.

Im Juli 2026 wurde die Gestutzte Fleckenbiene erstmalig in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen entdeckt.

Für die Eierablage greift die Gestutzte Fleckenbiene auf die Brutzellen der Langhornbiene zurück.

Dr. Hannes Petrischak

„In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Wildbienenfauna Brandenburgs stark verändert. 31 Arten sind in dieser Zeit eingewandert, sodass inklusive der als ausgestorben geltenden Arten 413 Wildbienenarten aus dem Bundesland bekannt sind“, so Bienenexperte Landeck gegenüber der Heinz Sielmann Stiftung.

In den Bergbaufolgelandschaften, so auch in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen, sei dieser Wandel besonders deutlich zu beobachten. In den für Menschen unzugänglichen Bereichen hätten sich laut Pressemitteilung der Heinz Sielmann Stiftung mitunter pflanzenartenreiche und störungsarme Lebensräume entwickelt. Hier würden viele Wildbienenarten ideale Lebensbedingungen finden.

„In Bergbaufolgelandschaften wie in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen, ist der Wandel der Wildbienenfauna Brandenburgs besonders deutlich zu beobachten.“
aus der Pressemitteilung der Heinz Sielmann Stiftung

Der Fund der Gestutzten Fleckenbiene ist längst kein Einzelfall mehr. Wie ihre Wirtin, die Flockenblumen-Langhornbiene, wanderten in den letzten zwei Jahrzehnten viele wärmeliebende Arten nach Brandenburg ein. Der Klimawandel begünstige nach Angaben der Heinz Sielmann Stiftung die Veränderungen.

„Auf den Flächen der Heinz Sielmann Stiftung kommt hinzu, dass sich typische Gefährdungsursachen für Wildbienen kaum auswirken. Es gibt ausreichende Nahrungsressourcen, Nistmöglichkeiten und kaum Pestizid- und Mineraldüngereintragungen. Das macht diese auf den ersten Blick sehr karge Landschaft zu einem so wertvollen Lebensraum für Wildbienen und viele andere Arten,“ ergänzt Ralf Donat, Leiter von Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen.