Von Andreas Staindl

Das Schaufischen der Teichgut Peitz GmbH im Unterspreewald bleibt ein Renner. Hunderte Besucher sind am Samstag an den Inselteich bei Schlepzig gekommen. Sie haben den Fischern zugeschaut, wie diese ihre Ernte einfuhren. Etwa 35 Tonnen Speisefisch wurden aus dem Wasser des etwa 55 Hektar großen Teichs geholt.

Ein Ergebnis, mit dem Betriebsleiter Michael Zesch „zufrieden“ ist: „Wir liegen etwa im Schnitt der vergangenen Jahre.“ Dass das trotz der längerer Trockenperiode im Sommer möglich wurde, hat auch mit der Lage der Teiche zwischen Schlepzig und Lübben zu tun. Die Spree fließt in unmittelbarer Nachbarschaft. Von dort wird Wasser bei Bedarf in die Teiche gepumpt wie Michael Zesch erklärt: „Das hilft ungemein, auch sehr heiße Sommer zu überstehen.“ Durchschnittlich 2,2 Kilogramm bringen Zesch zufolge die jetzt geernteten Fische auf die Waage. Sie werden vor allem an Weihnachten und Silvester in diesem Jahr verkauft und verspeist.

Zander, Stör, Hecht etwa, vor allem aber Karpfen haben die Fischer am Samstag aus dem Wasser geholt. Zahlreiche Besucher schauten ihnen zu. Der Fischzug ist lehrreich und unterhaltsam für die Zuschauer, jedoch harte Arbeit für die Fischer. Mit langen Wathosen stiegen die zwölf Männer in das hüfthohe Wasser. Das zwar bei mehreren Grad über Null, doch angenehm ist anders. Zumindest für diejenigen, die bei Zimmertemperaturen arbeiten. „Für uns“, sagt Michael Zesch, „ist die Arbeit im Wasser überhaupt kein Problem.“

Der Fischzug selbst folgt klaren Regeln. Die Männer haben lange Holzstangen dabei. Mit denen drücken sie das Netz auf den Grund. Ein Entwischen der Fische ist kaum noch möglich. Die Fischer gehen rückwärts und einer neben dem anderen durch das Wasser. Sie ziehen das Netz langsam hinter sich her. Karpfen, Stör & Co. haben immer weniger Platz. Die Fische zappeln schließlich dicht an dicht im Netz am Rande des Beckens. Alles geht zügig, jeder Handgriff sitzt. Edelfische wie Zander und Störe etwa werden sofort per Hand aus dem Wasser geholt.

Wenige Meter weiter warten schon die ersten Kunden auf den frischen Fisch. „Besser geht es doch gar nicht“, sagt Herbert Krause. „Ich decke mich hier seit Jahren mit Fisch für Weihnachten und Silvester ein.“ Für den Berliner ist der Fischzug am Inselteich inzwischen Tradition. Die Veranstaltung hat ohnehin Volksfestcharakter. Unterhaltung mit Blasmusik, zahlreiche Verkaufsständen sowie kulinarischen Leckereien auf der einen und interessante Einblicke in die harte Arbeit der Fischer auf der anderen Seite. Diese haben längst mit dem Sortieren der Fische begonnen. Jetzt sind ein gutes Auge und eine Portion Erfahrung gefragt, damit die Fische auch im richtigen Behälter landen. Mit Hilfe einer Krananlage werden die Tiere auf das Band befördert. Auch dieser Arbeitsschritt wird von zahlreichen Besuchern beobachtet. „Ist schon spannend“, sagt die Berlinerin Silke Böhme, „vor allem aber harte Arbeit. Ich könnte das nicht.“

Für andere Gäste war der Fischzug ein Familienausflug mit Erlebnischarakter. Eltern hatten ihren Kindern Matschhosen und -jacken sowie Gummistiefel angezogen. Zahlreiche Mädchen und Jungen brachten kleine Kescher mit, um mit diesen in flachen Wasserflächen nach kleinen Fischen zu suchen. Der Fischzug hat den Knirpsen offenbar Lust gemacht, es den Fischern nachzumachen – wenn auch auf eine andere Art. Da störte es auch nicht, dass einige der Kinder auf dem modrigen Untergrund wegrutschten und bäuchlings im Schlamm lagen. „War gar nicht schlimm“, rief ein Mädchen seiner Mutter zu und flitzte mit dem Kescher weiter zur nächsten Wasserstelle.

Der richtige Fischzug fand ohnehin in der Nachbarschaft statt. Zwei Mal sind die Fischer am Samstag für das traditionelle Abfischen ins Wasser gestiegen. Die Ernte wird während der nächsten Wochen in Hälterbecken gelagert. Verkauf werden die jetzt geernteten Fische vor Weihnachten und Silvester dieses Jahrs etwa in Nachbarschaft eines großen Einkaufsmarkts in Lübben-Ost sowie in Lübbenau.