Rechtsextremismus in Brandenburg
: Mehr rechte Gewalt – Dahme-Spreewald besonders betroffen

In Brandenburg wächst die Zahl rechter Gewalt-Taten rasant; besonders in Dahme-Spreewald. Dort haben sich die Angriffe verdreifacht – was steckt dahinter?
Von
Terence Lee
Lübben
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Der Verein Opferperspektive verzeichnet für 2023 einen massiven Anstieg rechter Gewalttaten in Brandenburg. (Symbolfoto)

Samcrew777/adobe.stock.com

Die Zahl rechter Gewalttaten in Brandenburg hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen – und erreicht das höchste Niveau seit 2016. Das geht aus der aktuellen Jahresstatistik des Vereins Opferperspektive hervor. Demnach wurden 242 Fälle im Jahr 2023 dokumentiert; 2022 waren es noch 138. Besonders erschreckend sei die Zunahme von Körperverletzungen sowie Bedrohungen und Nötigungen, konstatiert der Verein.

In so gut wie allen Landkreisen verzeichnet die Opferperspektive gestiegene Angriffszahlen. Die meisten Angriffe und stärksten Zunahmen gab es unter anderem in Dahme-Spreewald. Hier hat sich die Zahl der rechts motivierten Angriffe mehr als verdreifacht (2023: 24; 2022: 7).

Rechte Gewalt: Dunkelziffer könnte weitaus höher liegen

Benjamin Raschke, Grünen-Fraktionsvorsitzender im Landtag aus dem Kreisverband Dahme-Spreewald, spricht von einem „alarmierenden Anstieg“. Zugleich vermutet Raschke, dass die Dunkelziffer vermutlich weitaus höher sei, da viele Vorfälle nicht angezeigt würden.

Er warnt: „Der zu beobachtende drastische Anstieg wirkt sich auf unser gesellschaftliches Zusammenleben aus, denn jede Gewalttat führt auch im Umfeld zu Angst und Verunsicherung.“ Niemand müsse mit einer Gewalttat und Angst vor rechts motivierten Angriffen allein fertig werden. Es brauche Familie, Nachbarn und Freunde, die unterstützen, damit Angst nicht lähme, genauso wie professionelle Beratung wie etwa durch die Opferperspektive und Demos oder auch die Polizei.

Nach Raschkes Einschätzung trage gezielte Desinformation, die Feindbilder schaffe, dazu bei, dass die Zahl der Übergriffe weiter ansteige. „Sobald von allgemeinen Gruppen wie die Politiker, alle Christen oder die Muslime die Rede ist, sollten wir alle skeptisch sein und nachfragen, denn Gruppen bestehen immer aus einer Vielzahl verschiedener Menschen“, so der Grünen-Politiker.

Verweis auf Rechtsextremismus-Vorfälle in Lübben

In diesem Zusammenhang verweist Raschke auf jüngste Vorfälle aus diesem Jahr in Lübben, der Kreisstadt von Dahme-Spreewald. Konkret bezieht er sich auf das Aufstellen eines Galgens mit rassistischer Aufschrift, Morddrohungen gegen einen Grundstücksbesitzer, auf dessen Gelände die Errichtung einer Flüchtlingsunterkunft geplant ist, oder „Flyer mit beleidigenden, herabwürdigenden, falschen Aussagen gegen geflüchtete Menschen“.

„Solche Aktionen dienen dazu, Angst zu verbreiten, Feindbilder zu schaffen, und sind ein direkter Angriff auf unsere Werte der Toleranz und des Miteinanders“, betont Raschke. Erschreckenderweise hätten auch Gewalttaten in Schulen zugenommen.

Mehr Demokratiearbeit an Schulen in Brandenburg

Von daher kämpfe man für mehr Schulsozialarbeit und eine Stärkung der Demokratiearbeit in den Schulen in Brandenburg, sagt der Grünen-Politiker. „Darüber hinaus braucht es mehr Beratungs- und Hilfsangebote, sodass alle, die Opfer von Beleidigungen, Bedrohungen oder Angriffen werden, diese gezielt melden und entsprechende Unterstützung bekommen können.“

Der Verein Opferperspektive

● Opferperspektive e.V., auch bekannt als „Opferperspektive – Solidarisch gegen Rassismus, Diskriminierung und rechte Gewalt e.V.“, ist ein gemeinnütziger Verein, der im Land Brandenburg tätig ist.

● Seit seiner Gründung im Jahr 1998 bietet der Verein professionelle, kostenlose, vertrauliche und unabhängige Beratung für Betroffene rechter Gewalt und rassistischer Diskriminierung sowie deren Freunde, Angehörige und Zeugen an.

● Der Fokus der Beratung liegt darauf, die Perspektive der Opfer einzunehmen und ihnen solidarische Unterstützung zu bieten.

● Der Verein leistet nicht nur direkte Unterstützung für Betroffene, sondern engagiert sich auch in der Forschung und Erfassung von Fällen rechter Gewalt in Brandenburg, um auf das Problem aufmerksam zu machen und präventive Maßnahmen zu fördern.

● Internet: www.opferperspektive.de