Pilze sammeln: Diese drei Fehler sollten Sammler im Wald nicht machen
Raus in den Wald und rein in die Pilze? Darauf freuen sich jedes Jahr zahllose Menschen und ziehen in die Wälder. Aber manchmal richten sie Schäden an. Rainer Tietze, Pilzsachverständiger in Lübben, beobachtet vor allem drei Fehler.
„Manche Menschen sind richtig gierig“, ist Tietzes Erfahrung. Sie sammelten alles auf, was sie fänden – unabhängig davon, ob sie die Menge aufessen können oder ob sie die Pilze überhaupt kennen. „Andere Menschen wollen doch auch noch sammeln gehen“, mahnt Tietze. Wichtiger aber noch: „Pilze haben eine Funktion im Wald.“ Sie seien dazu da, pflanzliche und tierische Abfälle zu verdauen. Oftmals gingen sie eine Lebensgemeinschaft mit Bäumen ein: „Pilze versorgen die Bäume mit Nährstoffen und erhalten im Gegenzug andere zurück“, verdeutlicht Tietze. Er erinnert daran, dass in Deutschland nur für den Eigenbedarf gesammelt werden darf, nicht aber zum Verkaufen.
Pilze in Plastiktüten sammeln
Wer in den Wald geht, sollte gut ausgerüstet sein. „In einem luftigen Korb halten Pilze länger frisch“, sagt Rainer Tietze. In Plastiktüten dagegen verderben Steinpilze & Co. zügig. Die Luft staut sich, es bildet sich Wärme. „Dadurch zersetzt sich das Eiweiß im Pilz schneller“, erklärt Tietze. Wer die verdorbenen Pilze dennoch zubereite, könne etwa Magenschmerzen oder Durchfall bekommen. Das gelte natürlich auch für Pilze, die schon im Wald schimmelig seien. Diese sollten nicht in die Pfanne gelangen. „Durch den Schimmel kann es zu einer sogenannten ‚unechten Pilzvergiftung‘ mit Magen-Darm-Beschwerden kommen“, erklärt Tietze.
Überflüssige Pilze achtlos wegschmeißen
Es könne immer mal vorkommen, dass man einen falschen Pilz abbreche. Achtsame Sammelnde schmissen ihn dann aber nicht einfach ins Dickicht. „Man legt den Pilz mit den Lamellen nach unten auf den Boden“, erklärt Tietze. Auf diese Weise könne er noch aussporen und neue Pilze könnten wachsen. Wichtig zu wissen sei auch, dass immer ein Teil des Gewächses im Boden bleibe. Es sei daher sinnvoll, den verbleibenden Teil, das Myzel, mit Blättern oder ähnlichem zu bedecken. „Dann bleibt es feucht.“ Es mache übrigens keinen Unterschied, ob Sammelnde die Fruchtkörper mit einem Messer abschnitten oder vorsichtig aus dem Boden drehten.

Achtung, Schimmel! Dieser Pilz ist nicht mehr genießbar. Wer ihn doch noch isst, kann Magen-Darm-Beschwerden bekommen.
Sandra Ketterer„Wenn man einen Pilz von einem Sachverständigen bestimmen lassen will, ist es aber sinnvoll, ihn herauszudrehen“, sagt Tietze. Experten bräuchten nicht nur den Schirm, sondern auch den Stil mit der Basis, die in der Erde sei, um eine Art sicher bestimmen zu können.
Was tun beim Pilznotfall?
● Der Brandenburgische Landesverband der Pilzsachverständigen informiert über essbare und nicht-essbare Pilze. Die Beraterinnen und Berater begutachten auf Wunsch Pilze, die Sammelnde nicht zuordnen können. Eine Liste der Expertinnen und Experten findet sich auf der Website des Verbandes.
● Der Giftnotruf der Berliner Charité ist auch für Patientinnen und Patienten aus Brandenburg zuständig. Unter 030/19240 gibt es rund um die Uhr eine erste Einschätzung.
Derzeit wenige Pilze im Spreewald zu finden
Trotz eines vergleichsweise regenreichen Sommers sind aktuell nur wenige Pilze im Spreewald zu finden. „Das sind Sensibelchen, die es eher gleichmäßig feucht, nicht zu kalt und nicht zu windig mögen“, erklärt Tietze. Nach den Regenfällen seien zwar schon einige gewachsen, aber das sei nur kurzfristig gewesen. Der Wechsel zwischen Hitze und Kälte, Trockenheit und Nässe sei schlecht fürs Wachstum.
Konkrete Plätze, an denen viele Pilze wachsen, will Tietze nicht nennen. Er gibt aber generelle Hinweise: „Wenn man hier suchen will, ist es sinnvoll, in Auenwäldern oder in der Nähe von Flüssen zu gucken.“
Rotfußröhrling, Birkenpilz, Steinpilz, Goldröhrling, Butterpilz – die Liste der heimischen essbaren Sorten ist lang. „Pfifferlinge wachsen jetzt an einigen Stellen“, sagt Tietze. In Kiefernwäldchen seien sie möglicherweise zu finden, ebenso wie Steinpilze und Maronen. Da viele Pilze Gemeinschaften mit bestimmten Bäumen angingen, wüchsen sie in ihrer Nähe, zum Beispiel Birkenpilze in der Nähe von Birken oder die Espen-Rotkappe unter Espen.


