Von Katrin Kunipatz

Die fachgerechte Zerlegung von Munition reiche in der heutigen Zeit nicht mehr aus, um das Spreewerk auszulasten. Wie Projektleiter Ramón Kroh erläutert, sei die Demilitarisierung Schwankungen unterworfen. Deshalb plane die Spreewerk Lübben GmbH ihre Geschäftsfelder zu erweitern. Schwerpunkt wäre weiterhin der Umgang mit gefährlichen Stoffen.

Spreewerk will auch für zivile Auftraggeber arbeiten

Die Lübbener Firma, deren Standort sich nördlich der Stadt mitten im Wald befindet, beabsichtigt in Zukunft auch für zivile Auftraggeber zu arbeiten. Konkret nennt Kroh die Zerlegung und das Recycling von Lithiumbatterien, die Zerlegung und Bearbeitung von zivilem Feuerwerk, das Recycling von Fahrzeugkatalysatoren und die Veredlung wiedergewonnener Sprengstoffe in Sprengsätzen, die vor allem in Bergwerken unter Tage zum Einsatz kommen. Die Gebäude, in denen diese neuen Geschäftsfelder umgesetzt werden können, gibt es bereits. „Wir wollen jetzt leer stehende Immobilien umnutzen“, erklärt Ramón Kroh. Denn für die heute rund 50 Mitarbeiter sei das Werk, in dem zu DDR-Zeiten 600 Menschen Munition herstellten, völlig überdimensioniert.

Im Spreewerk wird weniger Munition verarbeitet

Die Neuausrichtung bedeutet außerdem, dass insgesamt weniger Explosivstoffe im Spreewerk verarbeitet werden. „Es knallt dann nicht mehr“, sagt Ramón Kroh. Denn der Anfang der 90er Jahre errichtete Drehofen käme deutlich seltener zum Einsatz, so der Projektleiter. Die Explosionen im Ofen, die je nach Windrichtung noch in Hartmannsdorf zu hören sind, entfielen.

Doch so schnell kann die Spreewerk GmbH die Neuausrichtung nicht umsetzen. Als Recyclingfirma für Munition verschiedener Größe genießt das Spreewerk nur in seiner bestehenden Art Bestandsschutz. Neue Geschäftsfelder bedürfen einer Zulassung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Mit Blick auf den Flächennutzungsplan wird dann entschieden, was auf dem Firmengelände erlaubt werden kann.

Flächennutzungsplan ist Hürde für Lübbener Firma

An diesem Punkt beginnen die Probleme. Der Flächennutzungsplan der Stadt Lübben weist das gesamte Gelände, auf dem sich das Spreewerk befindet, als Wald aus. Industriebetriebe würden dort nie zugelassen. Aber die Lübbener Stadtverordneten wissen um die Bedeutung der Firma. Vor drei Jahren bekannten sich sie sich zum Spreewerk und strebten die Änderung des Flächennutzungsplans an. In der bis 2022 vorgesehen Fortschreibung des Plans soll das Spreewerk als Sondergebiet ausgewiesen werden.

Munitionsentsorger braucht Bauleitplan

Für dieses Sondergebiet ist ein Bauleitplan nötig, der detailliert beschreibt, welche Nutzungen am Standort erlaubt sind. Damit will die Stadt verhindern, dass sich andere Industriebetriebe auf dem Gelände ansiedeln. Im Rahmen dieses P-Plans werden auch die Stellungnahmen der Naturschutzbehörde, der Forstbehörde und des Landesumweltamtes eingeholt, so Stadtsprecherin Dörthe Ziemer. Bis 2021 könnte dieses Verfahren abgeschlossen sei. Die Stadtverordneten stimmten am Donnerstag einstimmig diesem Vorgehen zu. Die Geschäftsführer des Spreewerks und des Mutterkonzerns müssen nun Geduld beweisen, bevor im Spreewerk mit dem Zerlegen von Akkus Geld verdient werden kann.