
Menschenrechte: Zwangsarbeiter aus DDR-Knast reden in Cottbus Klartext

Ralf Steeg (59), geboren und aufgewachsen in Lauchhammer, musste als Häftling im VEB Metalldrücker Halle Zwangsarbeit leisten. Er ist als 16-Jähriger wegen Republikflucht in den Vorzeige-Jugendknast der DDR gekommen.
Fotos: Frank Hammerschmidt
Alexander W. Bauersfeld (72) ist als politischer Strafgefangener in Cottbus zur Arbeit für das Sprelawerk Spremberg gezwungen worden. Er sagt: „Ich bin kein Opfer.“ Denn er hatte sich nach dem Mauerbau und der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 bewusst gegen die DDR entschieden. Weil er sich für die Friedensbewegung unter dem Motto „Schwerter zu Pflugscharen“ engagiert hat, wurde er verhaftet. In seiner Stasi-Akte ist vermerkt, dass er „im Spannungsfall zur Liquidation freigegeben“ war.
Frank Hammerschmidt
Detlef Wengel (65) ist nach einem Fluchtversuch, den ein Angehöriger verraten hatte, in Torgau inhaftiert worden. Er musste für den Landmaschinenbau Torgau Zwangsarbeit leisten. In der Kontrollstelle, die die Abgaben der Häftlinge vom Lohn bearbeitete, hat er tiefe Einblicke in die Ausbeutung der Strafgefangenen erhalten. „Zehn Mark sind im Knast ein Vermögen gewesen“, sagt er. Mit „Sparverträgen“ wurden den Häftlingen die schmalen Entgelte noch entzogen. Lohnunterlagen, die das heute belegen würden, gab es nicht.
Frank Hammerschmidt
Hugo Diederich (66/r.) hat im Gefängnis Zeithain eingesessen, zwangsbeschäftigt wurde er für das Rohrkombinat Stahl- und Walzwerk Riesa. Nahtlose Stahlrohre wurden hergestellt. Die politischen Häftlinge mussten die etwa 1000 Grad Celsius heißen Rohre entgraten und bündeln. Ohne jeden Arbeitsschutz und Sicherheitsvorrichtungen. Nach einer Verletzung am Fuß durch eine heruntergefallene Last bekam er statt ärztlicher Versorgung lediglich größere Arbeitsschuhe.
Frank Hammerschmidt
Thomas Schlegel (61) hat in der Pentacon-Halle des Cottbuser Knastes Zwangsarbeit geleistet. Für seine Aussage vor dem Tribunal „Zwangsarbeit in politischer DDR-Haft“ ist er an den Leidensort zurückgekehrt. Als 12-Jähriger hatte er erlebt, wie Onkel und Tante wegen Schleusung von DDR-Bürgern verhaftet wurden. Das hat ihn so geprägt, dass er später einen Ausreiseantrag stellte. Auf gepackten Koffern mit der Ausreisebescheinigung in der Tasche wurde er 1984 verhaftet und wegen ungesetzlicher Nachrichtenübermittlung zum möglichen Schaden der DDR verurteilt. Er landete in Cottbus als einziger politischer Häftling in einer Zelle mit Kriminellen und leidet an den psychischen Folgen bis heute.
Frank Hammerschmidt
Klaus-Peter Simon (66) hat bei seinem Fluchtversuch einen Grenzalarm ausgelöst und wurde geschnappt und verurteilt. Er musste als Häftling im VEB Metallwaren Naumburg Zwangsarbeit leisten. Möbelrollen für Stühle und Türgriffe für Kaufhäuser hat er im Akkord aufbereiten müssen. Dabei wurde für das Reinigen der Teile auch Trichlorethylen als Lösungsmittel eingesetzt, das gesundheitsschädlich ist. Denn Arbeitsschutz gab es im Knast-Job nicht.
Frank Hammerschmidt
Tribunal „Zwangsarbeit in politscher DDR-Haft": Eine Jury aus international anerkannten Experten hört in der Pentacon-Halle des ehemaligen Zuchthauses Cottbus aus politischen Gründen Inhaftierte an. Im Ergebnis der Anhörungen soll der Forderung nach der Anerkennung erlittenen Unrechts und die Entschädigung gegenüber Politik und Wirtschaft erneut Nachdruck verliehen werden.
Frank Hammerschmidt