Das Ende für den Flughafen Berlin-Tegel kommt jetzt doch schneller als erwartet. Die Gesellschafter der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) haben am Mittwoch den Weg dafür freigemacht. Die Länder Brandenburg und Berlin wie auch der dritte Gesellschafter, der Bund, stimmten damit einer Entscheidung der Obersten Luftfahrtbehörde des Landes Berlin zu. Sie erlaubt eine „temporären Befreiung von der Betriebspflicht für den Flughafen Berlin-Tegel zum 15.06.2020“.

Der Flughafen Tegel sollte eigentlich erst am Jahresende stillgelegt werden, wenn der neue Hauptstadtflughafen BER nach langen Jahren der Bau- und Genehmigungsverzögerungen endlich doch in Betrieb genommen wird.

„Jetzt hat die Geschäftsführung Handlungsfreiheit, von der sie im Interesse der Flughafengesellschaft sicher auch Gebrauch machen wird“, sagte der FBB-Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Bertschneider am Mittwoch, nach der Entscheidung der Gesellschafterversammlung.

Markante Silhouette: Der Flughafen Berlin-Tegel - 1974 eröffnet - ist hinsichtlich seiner Konstruktion ein architektonisches Meisterstück.
Markante Silhouette: Der Flughafen Berlin-Tegel - 1974 eröffnet - ist hinsichtlich seiner Konstruktion ein architektonisches Meisterstück.
© Foto: Tino Schöning/dpa

Seit Wochen läuft der Luftverkehr in Europa wegen der Corona-Pandemie auf einem Minimum. Der Flughafen Berlin-Tegel wird faktisch nicht für die Abwicklung des zivilen Luftverkehrs gebraucht, stattdessen produziert Tegel mit seiner Offenhaltung täglich weiter hohe Kosten. Die Flughafengeschäftsführung hatte deshalb die Außerbetriebnahme beantragt.

BER und Schönefeld werden verschmelzen

Auch wenn der Reiseverkehr in der Luft im Juni schrittweise wieder anlaufen sollte, reichten die Kapazitäten am Flughafen Berlin-Schönefeld (Dame-Spreewald) aus, um alle Flüge dort abzufertigen.
Der neue Hauptstadtflughafen BER soll ab Oktober 2020 zum zentralen Luftverkehrsknoten in Berlin und Brandenburg werden.
Der neue Hauptstadtflughafen BER soll ab Oktober 2020 zum zentralen Luftverkehrsknoten in Berlin und Brandenburg werden.
© Foto: Michael Kappeler/dpa
Der neue Hauptstadtflughafen BER und der Flughafen Berlin-Schönefeld (SXF) liegen sich auf Brandenburger Landesgebiet, unmittelbar am Berliner Stadtrand, direkt gegenüber. Zwischen den beiden Terminals befindet sich nur ein riesiges Areal mit zahlreichen Rollbahnen, technische Einrichtungen und auch den beiden Start- und Landebahnen. Schönefeld und der BER verfügen je über eine.
Auch wenn der BER im Oktober dieses Jahres in Betrieb genommen wird, bleibt der bisherige Flughafen Berlin-Schönefeld faktisch im Betrieb. Er wird dann aber nicht mehr als eigenständiger Airport geführt, die Bezeichnung „SXF“ verschwinden. Die Schönefeld-Terminals und die technischen Einrichtungen dort werden dann zum Bestandteil des neuen BER. Aus diesem Grund wurden auch bereits die Bezeichnungen eniger Terminals in Schönefeld verändert.
Der Bund war es, der bis zuletzt noch Bedenken gegen die vorzeitige Tegel-Stilllegung hatte, weil die Flüge der Bundesregierung noch zum Teil über den Airport im Westen der Stadt abgewickelt werden. Der jetzt genannte Schließungstermin Mitte Juni ist daher offenbar ein Kompromiss. Ursprünglich geplant war die vorübergehende Stilllegung nach dem Willen der FBB-Geschäftsführung schon für Anfang Juni.
Die Flughafengesellschafter haben der Geschäftsführung daher zwei Bedingungen für die Stilllegung diktiert. Sie müsse „eine bedarfsgerechte Bedienung des zivilen Luftverkehrs jederzeit“ sicherstellen und den Regierungsflugbetrieb reibungslos gewährleisten.
„Wir begrüßen die Bereitschaft des Bundes, den Regierungsflugbetrieb zeitnah in Schönefeld aufzunehmen,“, sagte Flughafengeschäftsführer Engelbert Lütke Daldrup am Mittwoch nach der Entscheidung der Gesellschafter. Das sei ein klares Bekenntnis zum BER.