Von Theres Philipp

„Eens wer ich eich aba noch azeln.“ Die Geschichte beginnt mit Andrea und Paul – einem Ehepaar aus dem Erzgebirge, das während eines Gewitters den Unterspreewald erkundet und dabei einer transzendenten Erscheinung begegnet, die sich als Seele des deutschen Schriftstellers Theodor Fontane entpuppt. Gemeinsam debattieren und sinnieren sie über den Spreewald und das Vorhandensein eines Literatenhimmels, in dem aufgenommen wird, wer das anspruchsvolle Dichten vermag.

Mit dieser durchaus humorvoll gestalteten Geschichte leitete Ralph Ronneberger die Lesung des Lübbener Autorentreffs ein. Unter dem Motto „Mit allen Sinnen genießen“ präsentierten die Autoren in geselliger Runde den Mitgliedern des Lübbener Heimatvereins die Lyrik sowie die Kurzgeschichten ihrer neuen Anthologie „Autorenmix II“ und bewiesen, dass das Dichten auch in ihren Adern steckt.

„Es sind regionale Geschichten, die hier entstanden sind, von Leuten, die hier leben“ beschreibt Gisela Christl die Lesung und hebt damit das Besondere dieses Nachmittags heraus. Mit ihrem Akkordeon begleitete sie die Gäste durch den Nachmittag und sorgte für stimmungsvolle Pausen, in denen alle Teilnehmer zum Mitsingen bekannter Volkslieder animiert wurden.

Dass Regionalität für die Autoren von Bedeutung ist, wird auch daran deutlich, dass insbesondere zwei Autoren im Vordergrund der Lesung stehen: Theodor Fontane und Karl Hahn. Zur Jährung des 200. Geburtstages des deutschen Schriftstellers sind viele der Gedichte und Geschichten in Anlehnung an Fontanes Arbeiten entstanden oder durch sie inspiriert worden. Ilona Noack, die Leiterin des Lübbener Autorentreffs erklärt: „So vielseitig wie Fontanes Werk, ist auch unser Schaffen.“ Und das merken die Gäste schnell. Neben Fontane-Rezitationen und einer Wiederbelebung seiner sogenannten Leberwitze, sorgen auch literarische Texte, die eng mit einer Wanderung durch die Lausitz oder die Mark Brandenburg verbunden sind für starken Applaus. Dabei führen die unterschiedlichen Arbeiten nicht nur die Zuhörer, sondern auch die Autoren selbst an die verschiedenen Möglichkeiten heran, wie Fontane noch heute verstanden werden kann.

Aber auch Karl Hahn, der in Lausitzer Mundart dichtete und der in diesem Jahr seinen 130. Geburtstag begehen würde, wurde angemessen gewürdigt. Dazu trug Brigitte König einen ihrer ebenfalls in Mundart verfassten Texte vor. Dieser gestaltete sich trotz verdrängten Sprachgebrauchs nicht als „wackelig, backelig, schrunzelig, alt“, wie Philipp Brendel es als jüngstes Mitglied des Autorentreffs in mehreren Szenen seiner Erzählung beschreibt. Stattdessen sorgte es als Ausklang des Nachmittags für Heiterkeit und entließ die Gäste mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Beim Verlassen des Lesungssaals war es den Zuhörern abschließend möglich, noch einmal die Kunstwerke einiger Autoren zu bewundern, die sich auch im Bereich der Malerei kreativ betätigten, bevor es dann endgültig hieß: „Nu aba schnell Heeme.“