Von Katrin Kunipatz

Der ländliche Raum – unendliche Weiten. In dieser Woche machte sich der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck auf in die Gemeinde Märkische Heide. „Ich möchte ein Gespür dafür bekommen, wie sich die abstrakten Probleme wirklich anfühlen“, sagt er. Vermittelt hat den Besuch in Groß Leuthen der Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke (Bündnis 90/Die Grünen).

Zur Mittagsstunde treffen die beiden Berufspolitiker auf Bürgermeisterin Annett Lehmann (parteilos) sowie neue und wiedergewählte Abgeordnete der Gemeindevertretung und interessierte Einwohner. Knapp 30 Personen sind trotz sommerlicher Hitze beim Rundgang dabei.

Der beginnt in der Ortsmitte und offenbart das größte Problem in Groß Leuthen. Dort, wo eigentlich ein lebendiges Zentrum sein sollte, scheint die Zeit seit Jahren stillzustehen. Das Schloss, in dem sich zu DDR-Zeiten direkt am Groß Leuthener See ein Kinderheim befand, ist in Privatbesitz und für die Öffentlichkeit gesperrt. Der Rewe-Markt auf dem angrenzenden Grundstück schloss vor drei Jahren, so die Bürgermeisterin. Und das ehemalige Landgut – ein weiteres Filetgrundstück mit Seezugang – habe vor Jahren ein Künstler gekauft, passiert sei bisher aber noch nichts. Wenig schön ist der Anblick einer Bodenplatte gegenüber der Kirche. Sie kündet von der früheren Filiale der Spreewaldbank. Robert Habeck hört zu und fragt nach.

Zur Sprache kommen auch die positiven Tendenzen. Annett Lehmann berichtet von den vier Kindergärten in Märkische Heide. Alle seien gesichert. „Wir profitieren von der zweiten Welle, die aus dem Berliner Speckgürtel zu uns zieht“, sagt sie. Daraus ergibt sich ein neues Problem. Gern würde Annett Lehmann eine Bungalow-Siedlung in ein Wohngebiet verwandeln. Der brandenburgische Landesentwicklungsplan erlaubt im Außenbereich keine neuen Wohngebiete, wenn nicht zuvor im Innenbereich alle Flächen bebaut sind.

Selbst dies sei nicht so einfach, weil der Landkreis das Bebauen in sogenannter zweiter Reihe nicht erlaubt, wie Architekt Reinhard Schulz aus seinen Erfahrungen berichtet. Er ist Sprecher der Initiativgruppe „Groß Leuthen entwickeln“ und sitzt für die CDU in der Gemeindevertretung. Die im Jahr 1996 erstellte und für heutige Verhältnisse sehr ungenaue Innenbereichssatzung müsse überarbeitet werden, erklärt die Bürgermeisterin. Dies für alle 17 Ortsteile der Gemeinde Märkische Heide durchzuführen sei mit hohem personellem Aufwand und zusätzlichen Kosten verbunden, so Lehmann. Habeck hakt nach, ob es dafür nicht Unterstützung vom Land Brandenburg geben könnte, da dort regelmäßig Luftbilder der landwirtschaftlichen Flächen angefertigt würden.

Tatsächlich habe die Gemeinde diese Daten angefordert, so die Bürgermeisterin. Bis sie vorlagen, sei ein Dreiviertel Jahr vergangen. Hinzu kommt, dass im Abstimmungsprozess bei der Erarbeitung der neuen Pläne viel Zeit für die Anhörung der Träger öffentlicher Belange, die Abwägung und schließlich die Konformitätsprüfung mit dem Landesentwicklungsplan nötig sei. „Überhaupt ist der Landesentwicklungsplan eine große Bremse“, so Schulz, der hofft, die Grünenpolitiker für die Probleme im ländlichen Raum sensibilisiert zu haben.

Habeck zeigt sich nach der einstündigen Führung durch den Ort ermutigt. Trotz vieler leer stehender Gebäude meint er einen gewissen Aufbruch zu spüren. Vor allem weil es Menschen gibt, die gern in den Dörfern leben und etwas bewegen wollen. „Es muss gelingen, eine Grundinfrastruktur – auch mit Fördergeldern der EU oder des Landes – aufzubauen. Tragen muss sich diese dann aber selbst“, so Habeck.

Der Grünen-Landtagsabgeordneten Benjamin Raschke, der sich in der Enquêtekommission „Ländliche Räume“ seit vier Jahren mit dem Thema beschäftigt, verweist auf den Abschlussbericht der Kommission. Dieser wird am 17. Juni in Potsdam vorgestellt und beinhaltet ein Konzept, wie sich der ländliche Raum künftig entwickeln sollte, sagt Raschke. Vor allem müssten sich die verschiedenen Gemeinden zusammentun und für sich Dinge einfordern.