Suchtkranke Eltern
: So wird Kindern in Königs Wusterhausen geholfen

Weil mindestens jedes vierte oder fünfte Kind in Dahme-Spreewald unter erkrankten Eltern leidet, hat der Landkreis in Königs Wusterhausen ein Projekt gestartet, das ihnen helfen soll.
Von
Marlene Wetzel
Königs Wusterhausen
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Elisa Florstedt koordiniert das Projekt, das Kindern süchtiger Eltern im Landkreis Dahme-Spreewald helfen soll. Die Auftaktveranstaltung fand auf dem Funkerberg in Königs Wusterhausen statt.

Marlene Wetzel
  • Dahme-Spreewald startet ein Projekt für Kinder süchtiger oder psychisch belasteter Eltern.
  • Ziel ist bessere Vernetzung von Hilfesystemen in drei Jahren und Schulungen für Fachkräfte.
  • Auftakt auf dem Funkerberg in Königs Wusterhausen am Montag (12.10.) mit rund 100 Fachkräften.
  • Kinder haben ein 3- bis 7-fach höheres Erkrankungsrisiko – Infomaterial nennt fehlende Fürsorge.
  • Geplant sind niedrigschwellige Angebote und Projekttage, das Jugendamt wirbt um Vertrauen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Jedes vierte bis fünfte Kind im Landkreis Dahme-Spreewald hat Eltern, die suchtkrank und/oder psychisch belastet sind. Die Folge: Nicht immer gibt es ein Pausenbrot, nicht immer gehen die Kinder mit frischer Kleidung in die Kita. Und nicht immer werden Versprechen eingehalten – sei es ein neues Fahrrad, ein gemeinsamer Nachmittag oder die Abstinenz von Mama und Papa.

Es liegt auf der Hand, dass diese Erfahrungen Spuren bei den Kindern hinterlassen. Kinder von süchtigen oder psychisch kranken Eltern haben ein 3- bis 7-fach erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken, heißt es im Infomaterial der brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen.

Wie kann ihnen besser geholfen werden? Das ist eine Frage, der sich drei Landkreise in Brandenburg jetzt intensiv widmen wollen. Der Landkreis Dahme-Spreewald ist einer davon.

Landkreis Dahme-Spreewald Pilotkommune

„Wir sind Pilotkommune“, steht auf einem Banner am Funkerberg in Königs Wusterhausen, wo am Montag (12.10.) die Auftaktveranstaltung zu dem Projekt „Kommunale Gesamtkonzepte für Kinder aus sucht- und psychisch belastenden Familien im Land Brandenburg“ stattfand. Rund 100 Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendhilfe, dem Gesundheitswesen, dem Bildungsbereich und der Verwaltung sind gekommen.

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Innerhalb von drei Jahren möchte der Landkreis Dahme-Spreewald erreichen, dass sich die vielen einzelnen Stellen innerhalb des Hilfesystems besser vernetzen. Aktuell gebe es schon eine Vielzahl von unterschiedlichen Akteuren, Netzwerken und Arbeitsgruppen im Landkreis, doch die seien untereinander noch nicht verknüpft, sagt Projektkoordinatorin Elisa Florstedt. Manche wüssten schlichtweg nichts voneinander.

Weiteres Ziel sei es, die Fachkräfte zu schulen, so Florstedt. Viele Fachkräfte würden nicht wissen, was sie unternehmen sollen, wenn sie bemerken, dass ein Kind sich etwa zurückzieht, unterstreicht der Amtsleiter des Gesundheitsamtes, Nedal Mhaisen. Die Scham und Angst seien groß, etwas Falsches zu machen oder zu sagen. Oft gehe es sogar erst mal darum, überhaupt zu erkennen, dass ein Kind sich verändert, hebt Jugendamtsleiterin Andrea Krause hervor.

Durch die Sensibilisierung der Fachkräfte und Aufmerksamkeit für das Thema erhoffe man sich auch eine Sensibilisierung von Nachbarn, Trainern oder anderen Eltern – eben von Menschen, die mit Kindern zu tun haben. Auch bei diesen herrsche eine große Angst, etwas falsch zu machen oder sich etwa ans Jugendamt zu wenden. „Das Jugendamt gilt immer noch als Kinderwegnehmer“, denkt Krause, „dabei gehen die Kinder fast immer zurück zu den Eltern.“

Erkrankte Eltern werden nicht als Eltern wahrgenommen

Psychotherapeutin Birgit Bartl aus Teupitz wundert sich, warum Eltern, bei denen eine psychische Erkrankung diagnostiziert wird, nicht verpflichtet seien, sich beraten zu lassen, wie sie mit ihren Kindern umgehen sollen. In der Regel würden die Eltern nur in ihrer Rolle als Erkrankte behandelt, aber nicht als erkrankte Eltern. Die Kinder kämen dann zu kurz. Sie betont zudem, der Staat könne viel Geld sparen, wenn Kindern frühzeitig geholfen werde.

Nicht zuletzt sollen im Rahmen des kommunalen Gesamtkonzepts niedrigschwellige Angebote geschaffen und vorhandene Angebote erreichbarer gemacht werden, um Kinder und Eltern zu unterstützen. Dazu gehören unter anderem Projekttage in Schulen.