Konzerte in Luckau: Programm und Orgel-Livestream in der Sankt-Nikolai-Kirche

Donat-Schuke-Orgel in der St. Nikolaikirche in Luckau: Anlässlich ihres Jubiläums sind mehrere Konzerte geplant.
Julia SiebrechtIm Monat September begeht die evangelische Kirchengemeinde in Luckau den 350. Geburtstag der Donat-Orgel in der Nikolaikirche. Am 6. Januar 1674 ist das Musikinstrument, das seit der Antike bekannt ist, nach nur anderthalbjähriger Bauzeit geweiht worden. Ein Brand im Jahr 1644 hatte die Vorgänger-Orgel zerstört. Baumeister der Donatorgel ist der Leipziger Orgelbauer Christoph Donat.
In den 1970er Jahren entschied man sich für einen Umbau, der von der Firma Schuke-Orgelbau aus Potsdam vorgenommen wurde. Die unter dem Begriff Rekonstruktion vorgenommenen Arbeiten seien sehr umfangreich gewesen, sodass schließlich eine Orgel mit neuer klanglicher Grundidee entstand, heißt es in einer Veröffentlichung des Evangelischen Kirchenkreises Niederlausitz anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten.
Werke von J.S.Bach stehen im Mittelpunkt der Festkonzerte
Der Auftakt für die Feier zum 350. Geburtstag der Donat-Schuke-Orgel in der Luckauer Nikolaikirche am 1. September sei gelungen, teilt Franziska Dorn, Sprecherin vom Evangelischen Kirchenkreis Niederlausitz, mit. Knapp 200 Gäste seien zum Jubiläumskonzert mit Gunter Kennel erschienen. Der Landeskirchenmusikdirektor habe buchstäblich alle Register gezogen und der „alten Dame“ beeindruckende Klänge entlockt.
Mit eigenen Kompositionen, Werken von Johann Sebastian Bach (1685-1750) und Georgi Alexandrowitsch Muschel (1909-1989) demonstrierte er das breite Klangspektrum des außergewöhnlichen Instrumentes, so Franziska Dorn.

Landeskirchenmusikdirektor Gunter Kennel beim Spiel auf der Donat-Orgel zum Festauftakt in der Sankt-Nikolai-Kirche in Luckau. Dank eines Livestreams von der Orgelempore konnte das Publikum im Kirchensaal dem Organisten zuschauen.
Franziska Dorn/Evangelischer Kirchenkreis NiederlausitzKonzerte im September in der Sankt-Nikolai-Kirche in Luckau
Das Konzert am 15. September, Beginn 15 Uhr, soll noch einmal im Zeichen der Werke Johann Sebastian Bachs stehen: Professor Marek Toporowski wird auf der Donat-Orgel die Goldbergvariationen spielen, sowie Auszüge aus Weihnachtsoratorium und der Matthäuspassion. Im Anschluss an das Konzert wird die „Alte Dame“ interviewt. Auch soll die Donat-Schuke-Orgel von der Kantorin Patricia Kramer vorgestellt werden.

Auf einem Bildschirm im Kirchenraum der Sankt-Nikolai-Kirche konnten die Jubiläumsgäste eine Orgelführung durch Kantorin Patricia Kramer verfolgen. Orgelführungen sind auch im Anschluss an die Festkonzerte am 15. und 29. September 2024 geplant und nach dem Historischen Festgottesdient am 22. September.
Franziska Dorn/Evangelischer Kirchenkreis NiederlausitzAm Sonntag, den 22. September, wird der Historische Festgottesdienst in der Sankt-Nikolai-Kirche gehalten. Der Gottesdienst beginnt um 10.30 Uhr.
Das Abschlusskonzert mit dem Organisten Professor Martin Schmeding findet am 29. September um 15 Uhr statt. Die Sankt-Nikolai-Kirche verfügt mit einer Gewölbehöhe von 20 Metern und einer Kirchenschifflänge von 70 Metern über einen gewaltigen akustischen Klangraum.
Tiento des „Blinden von Daroca“ zum Abschlusskonzert
Dieser soll etwa von einem Tiento des spanischen Barockkomponisten Pablo Bruna (1611-1679) erfüllt werden. Im Zuge einer Pockenerkrankung erblindete Pablo Bruna als Kind. Schon mit 16 Jahren wurde er Organist in der Kirche der Heiligen Maria in seiner Geburtsstadt Daroca, einem bedeutenden Wallfahrtsort des Katholizismus in der Provinz Saragossa.
Bruna blieb bis zu seinem Tod Organist dieser Kirche. Der Tiento ist eine Musikform des 16. und 17. Jahrhunderts, die sich in Spanien und Portugal für Tasten- und Zupfinstrumente entwickelte und mit der Entwicklung der Orgeln auf der iberischen Halbinsel verknüpft ist. Es sind freie Instrumentalstücke typischerweise ohne strenge Struktur, ähnlich der Fantasie. Die Musikform entstammt der Improvisation.
Werke des Komponisten Jehan Alain zu hören
Des Weiteren wird Professor Martin Schmeding ein Stück des französischen Organisten Jehan Alain (1911-1940) vortragen, der trotz seines frühen Todes über 140 Kompositionen für Klavier, Orchester und Orgel hinterließ und bei der Verteidigung der französischen Loire-Stadt Saumur wenige Tage vor dem Ende des Westfeldzuges der Deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg fiel.
Petr Eben komponierte extra für die Donat-Orgel
Zum Abschlusskonzert in der Luckauer Sankt-Nikolai-Kirche wird auch das früheste Werk, das Petr Eben (1929-2007) für die Orgel komponierte, Sonntagsmusik (1957-1958), zu hören sein. Aufgrund der jüdischen Herkunft seines Vaters wurde Petr Eben im Alter von 14 Jahren, gemeinsam mit seinem Bruder, von den Nationalsozialisten nach Buchenwald verschleppt. Die beiden katholisch erzogenen Brüder, als auch der jüdische Vater, überlebten das Konzentrationslager.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges studierte Petr Eben an der Akademie der musischen Künste in Prag. Von 1955 bis 1990 lehrte er an der Prager Karlsuniversität. Eben lehnte es ab, der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei beizutreten und praktizierte offen seinen christlichen Glauben.
Weitere Orgelmusikstücke der Komponisten Dietrich Buxtehude (1637-1707), Johann Caspar Kerll (1627-1693), Max Reger (1873-1916) sowie Johann Sebastian Bach werden am 29. September auf der Luckauer Donat-Orgel anlässlich ihres Jubiläums zu hören sein.
Der Eintritt und ein weiteres Highlight
Nach dem Konzert soll Besucherinnen und Besuchern der Aufbau einer Miniatur-Kofferorgel vorgeführt werden.
Der Eintritt ist frei.
Zur Ausstattung der Donat-Orgel
Die Luckauer Orgel hat drei Manuale, ein Pedalwerk und 44 klingende Register.
- Mit Manualen ist die Tastatur gemeint, die mit den Händen gespielt wird. Der Begriff ist vom lateinischen Wort manus, deutsch: Hand, abgeleitet.
- Das Pedalwerk wird hingegen mit den Füßen gespielt. Diese Bezeichnung ist dem lateinischen Wort pes, deutsch: Fuß, entlehnt.
- Mit dem Register kann die Klangfarbe der Orgel gestaltet werden. Es kommt vom lateinischen Wort „registrum“, deutsch: Verzeichnis.
- In der Donat-Orgel sind 3274 Pfeifen verbaut, wovon 99 stumm sind. Die Orgel ist mit einem Effektregister, einem Glöckchenspielwerk, versehen, sogenannte Zimbelsterne, in Form von beweglichen Sonne- und Mondfiguren.



