„Als Retter gekommen – und als Engel gegangen“: Es sind Worte voller Anerkennung, Dankbarkeit und Verbundenheit, mit denen sich die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Lübben auf ihrer Internetseite von Feuerwehrfrau Jette verabschieden. Auch in sozialen Netzwerken wie Facebook ist die traurige Nachricht unter großer Anteilnahme seit Sonntag öffentlich; Jette hatte nur einige Stunden zuvor den Kampf gegen den Lymphdrüsenkrebs verloren.
Morgens gegen vier Uhr war die 32-Jährige im Krankenhaus in Bad Saarow gestorben, bestätigt der Lübbener Feuerwehrmann Hagen Mooser. Jettes Vater habe die Kameraden noch am Sonntag über den Tod seiner Tochter informiert. Die Kameraden ihrerseits hatten sich dann kurzentschlossen zu einer Trauerstunde getroffen, die der Lübbener Pfarrer Martin Liedtke einfühlsam begleitet habe, wie Hagen Mooser weiter sagt; Liedtke engagiert sich selbst bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Die niederschmetternde Diagnose: Lymphdrüsenkrebs

Bis zuletzt hatten die Kameraden ebenso wie Jettes Familie gehofft, dass sie es doch noch schaffen könnte. Inzwischen konnte sogar ein passender Stammzellspender gefunden werden. Es gab auch schon einen Termin für die Transplantation. Einen Tag vor Heiligabend, am 23. Dezember, sollte Juliette Wegener – die von allen eigentlich immer nur kurz Jette genannt wurde – operiert werden. Doch der Körper war schon zu schwach und der Krebs hatte schon gestreut, sich in Leber und Nieren verbreitet.
Jette war ein Mensch, der gerne half. Seit vielen Jahren hatte sie sich ehrenamtlich als Jugendwartin bei der Feuerwehr in Lübben engagiert. Auch in der Fußballabteilung bei Blau-Weiß Lubolz war sie aktiv.
Im Juli hatte sie dann ganz plötzlich die niederschmetternde Diagnose Lymphdrüsenkrebs bekommen. Für die junge Frau ging es seitdem um Leben und Tod. Sie musste sich aus dem aktiven Feuerwehrdienst zurückziehen, es folgte eine belastende Krebsbehandlung. Nach mehreren Chemotherapien stand fest: Jette braucht eine Stammzellspende.

Mehr als 1000 Registrierungen binnen kurzer Zeit

Die Feuerwehr hatte im Spätsommer gemeinsam mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) die große Hilfsaktion „Rette Jette“ gestartet; möglichst viele Menschen sollten auf diesem Weg dazu bewegt werden, sich als Stammzellspender bei der DKMS registrieren zu lassen.
Auch über soziale Netzwerke hatten ihre Freunde zur Registrierung als Stammzellspender aufgerufen. „Wir möchten bald wieder mit Juliette gemeinsam im Einsatz Lebensretter sein. Und unseren Kindern und Jugendlichen fehlt sie sehr“, hieß es im Facebook-Aufruf der Lübbener Kameraden.
Das Echo auf die Hilfsaktion sei sehr groß gewesen, sagt Feuerwehrmann Hagen Mooser; binnen kurzer Zeit gab es mehr als 1000 Registrierungen – sowohl online als auch vor Ort. Jettes Freunde vom SV Blau-Weiß Lubolz und von der Freiwilligen Feuerwehr Lübben hatten Anfang November eine Benefizveranstaltung auf dem Sportplatz in Lubolz organisiert. Auch in Cottbus hatte es eine Hilfsaktion für die beliebte ehrenamtliche Feuerwehr-Jugendwartin gegeben.

Spendengeld für Jettes Familie

Sinnlos sei die Hilfsaktion auf keinen Fall gewesen, betont Mooser. „Jette hat immer gesagt: Wenn es mir nicht hilft, dann vielleicht jemand anderem.“ Außerdem sei viel Geld gespendet worden. Sowohl die Feuerwehr als auch die DKMS hatten ein Spendenkonto für die erkrankte Jette eingerichtet.
Der DKMS entstehen für die Neuaufnahme jedes Spenders – inklusive der ausschlaggebenden Typisierung der Gewebemerkmale – Kosten in Höhe von 40 Euro, die durch Spendengelder gedeckt werden müssen; denn die DKMS wird nicht von Bund, Ländern oder Krankenkassen unterstützt. Die Freiwillige Feuerwehr Lübben ihrerseits will das Spendengeld an Jettes Familie weitergeben.

So funktioniert eine Online-Registrierung

Unabhängig von Vor-Ort-Hilfsaktionen ist jederzeit auch eine Online-Registrierung als Stammzellspender bei der DKMS möglich. Wer helfen möchte, gesund und zwischen 17 und 55 Jahren alt ist, kann sich unter www.dkms.de ein Registrierungsset nach Hause bestellen.
Mithilfe von drei medizinischen Wattestäbchen und einer genauen Anleitung sowie einer Einverständniserklärung kann jeder nach Erhalt des Sets selbst einen Wangenschleimhautabstrich vornehmen und anschließend per Post zurücksenden, damit die Gewebemerkmale im Labor bestimmt werden können. Erst dann stehen Spender dem weltweiten Suchlauf zur Verfügung.
Die DKMS ist eine internationale gemeinnützige Organisation, deren Ziel es ist, weltweit so vielen Blutkrebspatienten wie möglich eine zweite Lebenschance zu geben. Sie wurde 1991 in Deutschland gegründet und sorgt seither dafür, dass immer mehr Patienten eine lebensrettende Stammzellspende erhalten.
In der DKMS sind mehr als 11,5 Millionen potenzielle Spender registriert; bis heute hat die Organisation mehr als 100.000 Stammzellspenden vermittelt.