Die Suche nach passenden Stammzellenspendern für Menschen, die an Leukämie erkrankt sind, ist selbst in Pandemie-Zeiten nicht nur machbar, sondern häufig auch erfolgreich. Der schwer an einer besonderen Form von Blutkrebs erkrankte Paul aus Lübben im Landkreis Dahme-Spreewald machte es vor Jahresfrist vor.
Während er in der Berliner Charité lag und täglich schwächer wurde, führte eine intensive Suche nach einem Stammzellenspender zum Erfolg. Der Fund passte so gut, dass es dem 14-Jährigen schon im März deutlich besser ging.
Auf ein ähnliches Wunder hofft nun jemand am anderen Ende der Altersskala. Vor allem kulturinteressierte Konzertbesucher im Spreewald dürften ihn kennen, wenn auch vielleicht nur vom Sehen: Axel Dietrich.

Partner eines bekannten Ehrenamtlers an Leukämie erkrankt

Axel Dietrich ist der langjährige Partner von Lothar Treder-Schmidt, und dieser wiederum ist im Landkreis sehr bekannt. Er hat über die Jahre die Grünen-Politik im Landkreis wesentlich mitgestaltet, saß lange mit einem weiteren Grünen-Abgeordneten im LDS-Kreistag und ist heute Co-Vorsitzender einer verjüngten und gut durchgemischten, sechs Köpfe starken Fraktion.
Doch aktiv ist Treder-Schmidt auch in der Luckauer Stadtpolitik und ebenso im Kirchenkreis unterwegs, organisiert zudem Konzerte und Veranstaltungen in kleinen Dorfkirchen mit oft hochkarätigen Musikern. In der Hochphase der Zuwanderung der Jahre 2015 und 2016 engagierte er sich stark im Netzwerk von „Mensch Luckau“ zugunsten der Geflüchteten und ihrer Eingliederung. Und nun – braucht er selbst Hilfe.
„Mein Partner Axel Dietrich aus Caule bei Luckau ist seit fünf Jahren an einer aggressiven Form der Leukämie erkrankt, die sich mit ,konventionellen Mitteln’ nicht mehr eindämmen lässt“, berichtet er. Die bisherige Chemotherapiebehandlung habe die Krankheit immer nur zeitweise eingedämmt, „dann kam sie mit bedrohlicher Heftigkeit wieder“.
Nun werde alle zwei bis drei Wochen mit einem anderen Mittel eine zwar schwer belastende, aber die Krankheit wenigstens in Schach haltende Chemotherapie durchgeführt. Das Problem: Die Mittel wirken immer weniger, die Blutwerte „verschlechtern sich zunehmend“.

Warum ein Stammzellenspender die letzte Hoffnung ist

Zuhause auf dem gemeinsamen Hof in Caule bei Luckau sei sein langjähriger Partner noch aktiv unterwegs, soweit es die jeweilige Tagesform eben zulässt. Doch die Blutwerte seien inzwischen so dramatisch schlecht, dass entweder ein weiterer Einsatz eines starken Medikaments oder eine Infektion zum Tod führen könnte.
„Hilfe kann nur eine Stammzellentransplantation bringen – seit Anbeginn der Erkrankung wird nach einem geeigneten Transplantationspartner gesucht“, sagt Lothar Treder-Schmidt. Wie viel Glück Paul damals hatte, dass innerhalb von wenigen Monaten sein extrem gut passender Stammzellenspender gefunden wurde, zeigt sich an diesem Beispiel rückblickend besonders deutlich: Für Axel Dietrich ist bisher kein passender Stammzellenspender gefunden worden. Und nun beginnt ihm die Zeit davonzulaufen, befürchten die beiden.

Wie Spender Erkrankten weit über den Spreewald hinaus helfen

Sie wollen daher den gleichen Weg versuchen, der für Paul zum damaligen Durchbruch führte. Der Aufruf an die Öffentlichkeit hatte viele Menschen bewegt, sich bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren zu lassen. Das funktioniert einfach online, indem man sich ein Test-Set mit Wattestäbchen zum Wangenabstrich und einer genauen Anleitung schicken lässt.
Selbst mitten im vergangenen Pandemie-Winter lief das gut. Der öffentliche Aufruf bewegte knapp 1.500 Menschen dazu, sich registrieren zu lassen. Statistisch gesehen könnten sie etwa 15 an Blutkrebs Erkrankten das Leben retten, schätzte damals Annika Schirmacher vom Team Spenderneugewinnung der DKMS ein. Alle neu registrierten Spender werden ihr zufolge in die Datei aufgenommen.

Lübben

Was der aktuelle Fall mit dem von Paul aus Lübben zu tun hat

Somit kommt der Aufruf von Axel Dietrich und Lothar Treder-Schmidt nicht nur dem kranken Luckauer zugute, sondern möglicherweise vielen anderen, die jetzt oder künftig auf einen passenden Spender angewiesen sind.
Gleichzeitig benötigt die DKMS unabhängig vom konkreten Fall finanzielle Mittel, weil für die Neuaufnahme jedes Spenders – inklusive der ausschlaggebenden Typisierung der Gewebemerkmale – Kosten in Höhe von 35 Euro entstehen.
Dabei kommt es auf eine große Zahl von möglichen Spendern definitiv an – denn für rund 90 Prozent der Betroffenen in Deutschland kann Annika Schirmacher zufolge ein passender Spender gefunden werden. Dennoch warten viele Erkrankte über lange Zeit darauf, dass sich der Mensch registriert, bei dessen Probe mindestens zehn Kennzahlen genau passen. Genau darauf setzen Lothar Treder-Schmidt und Axel Dietrich derzeit all ihre Hoffnung.

So läuft die Registrierung

Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahren alt ist, kann sich online über www.dkms.de ein Registrierungsset nach Hause bestellen. Es kommt mit drei medizinischen Wattestäbchen und einer genauen Anleitung sowie einer Einverständniserklärung direkt nach Hause. Dort kann jeder selbst einen Wangenschleimhautabstrich vornehmen und anschließend per Post zurücksenden. Dann werden die Gewebemerkmale im Labor bestimmt.
Anschließend stehen Spender dem weltweiten Suchlauf zur Verfügung. Weil jedes Set Geld und Aufwand kostet, bitte die DKMS darum, bestellte Teile auch entsprechend zurückzusenden. Auf der Homepage finden sich nähere Erläuterungen; es gibt aber auch direkt die Möglichkeit zu spenden.