Aller guten Dinge sind drei – sagt man. Für die Lübbener Kahnnacht unter dem Motto „Zauberwald“ wird nach zwei Absagen beim dritten Mal hoffentlich auch alles gut. Jedenfalls sieht es für Samstag, 16. Juli, so aus. Regen oder Unwetter sind nicht angekündigt.
Und alle rund 1.000 Karten sind verkauft worden. Schon 2020 war die Kahnnacht ausverkauft. Und trotzdem der Termin wegen Corona vom Juli 2020 auf den Juli 2021 und dann noch einmal auf den Juli 2022 verschoben wurde, hat sich daran nichts geändert. Die Plätze auf den Kähnen sind bis auf den letzten jemandem versprochen.
Doch auch wer nun keine Chance auf eine 90-minütige Kahnfahrt zu den neun kleinen Bühnen rund um die Schlossinsel in Lübben hat, geht nicht leer aus. Einerseits sind manche Auftrittsorte auch vom Ufer aus einsehbar und so lässt sich vielleicht der eine oder andere Ton erhaschen.
Außerdem lädt die Tourismus, Kultur und Stadtmarketing GmbH (TKS) Lübben am touristischen Zentrum an der Schlossinsel zum Tanz ein. Ab 19.30 Uhr versorgt Fetentour-DJ Matze bei freiem Eintritt Lübbener und Gäste mit tanzbarer Musik.

Zauberer, Musik und Akrobatik bei der 59. Kahnnacht

Gesang, Tanz und in diesem Jahr auch ganz viel Zauberei erwartet die kahnfahrenden Zuschauer. Zum zweiten Mal nach 2019 hat Wolfgang Korr als künstlerischer Leiter unter dem Motto „Zauberwald“ eine bunte Mischung lokaler und überregional bekannter Künstlern verpflichtet.
Zwar hätten sich mit den Verschiebungen auch immer wieder ein paar Acts geändert, aber so habe er die Chance für Verbesserungen gehabt, so Korr. Ganz zum Schluss gab es sogar noch einen krankheitsbedingten Ausfall zu kompensieren.
Letztlich können aber alle neun Spielorte rund um die Schlossinsel besetzt werden. Da sind beispielsweise der Zauberer und Comedian Marco Brüser und der Vorhersage-Zauberer Lucas Aey. Comedy-Magier Volker Putt zeigt eine klassische Zaubernummer: Seine Assistentin steigt in eine Kiste, die anschließend mit Schwertern durchbohrt wird, um ohne einen Kratzer wieder herauszukommen. Den verwirrten Zauberer, dem jeder Trick zu misslingen scheint, mimt der Schauspieler Ben Koppatz. „Und zum Schluss erwächst daraus große Magie“, schwärmt Korr.

Nachtwächter und Türmerin in neuen Rollen bei der Kahnnacht

Zwischendurch gibt es Gesang und Tanz vom Brasilianer Mario Mariano und Dudelsack-Rock von Wim Dobbrisch, Gründungsmitglied der Mittelalterband Corvus Corax. Als Wasserhexe tanzt Namjira As-Sefid mit einem sechs Meter langen Papierdrachen an der Spreelagune. Nicht unerwähnt sollen die beiden Lokalmatadore bleiben, die eigentlich in jedem Jahr bei der Kahnnacht in unterschiedlichen Rollen dabei sind.
Lübbens Nachtwächter Frank Selbitz wird sich als Druide Miraculix im Zaubertrankbrauen probieren. Türmerin Vera Städter schlüpft in die Rolle der verrückten Wahrsagerin Gwendoline und verabschiedet die Kahnfahrenden.
Während die Zuschauer auf dem Wasser entlang gleiten und entspannt bei einem kühlen Getränk den Abend genießen, sei die Kahnnacht für die Künstler eine Herausforderung. Jeweils vier bis fünf Minuten dauert ihr Auftritt vor drei Kähnen, die im Tross unterwegs sind. Nach einer kurzen Pause von wenigen Minuten starten sie bei der nächsten Kahngruppe wieder von vorn. Etwa 15- bis 18-mal wiederholt sich dieser Ablauf am Samstagabend.

Erfahrener Showplaner plante zum zweiten Mal die Kahnnacht

„Für die Künstler ist es eine echte Herausforderung. Für Sänger ist es grenzwertig und für Artisten nicht zu machen“, sagt Wolfram Korr. Er spricht aus Erfahrung. Von 2002 bis 2008 war er erster Geiger am Staatstheater Cottbus. Danach organisierte Korr zwölf Jahre lang für eine Kreuzfahrtgesellschaft die Showprogramme und wechselte vor zwei Jahren in die Geschäftsführung der Brandenburger Sommerkonzerte.
In Lübben hat er 2019 zum ersten Mal die künstlerische Leitung der Kahnnacht übernommen. Jahrelang hatte zuvor Noris Schenk als Veranstaltungsleiterin bei der TKS das Programm inklusive Künstlerbuchung organisiert.
In die Nummern der Künstler greift Wolfgang Korr nicht mehr ein. Einzig bei der letzten Station habe er gemeinsam mit Vera Städter und ihren Ideen den Auftritt erarbeitet. In anderen Fällen kenne er die Nummern der Künstler und habe sie genau deshalb ausgewählt. Und bei Lokalmatador Selbitz ist er sicher, dass er als Druide ein zum Zauberwald passendes Stück präsentiert.

25 Jahre Kahnnächte in Lübben

Seit 1997 gibt es die Lübbener Kahnnacht. Die Idee stammt vom ersten Geschäftsführer der TKS: Roland Treiber. Seitdem gibt es dieses einmalige Veranstaltungsformat, bei dem die Gäste im Kahn von Bühne zu Bühne durch den abendlichen Spreewald gefahren werden.
Über die Jahre haben sich Programm, Dekoration und vor allem die Lichtillumination immer weiter verbessert. Reduziert hat sich die Zahl der Kahnnächte auf eine pro Jahr. Anfangs gab es zwei oder drei Kahnnächte mit unterschiedlichen Programmen, so TKS-Sprecherin Caroline Galkow.
Dank der regelmäßigen Besucherbefragung konnte das Programm immer wieder angepasst werden. So sei die Fahrzeit von anfangs über zwei Stunden auf 90 Minuten reduziert worden, so Korr. Um die Wartezeiten bei der Abfahrt zu reduzieren, starten die Kähne seit knapp sechs Jahren im halbstündigen Takt, so Galkow.
Die Nachfrage für die Lübbener Kahnnacht ist seit Jahren ungebrochen. Wer im kommenden Jahr die 60. Kahnnacht miterleben möchte, sollte sich Samstag, 15. Juli, im Kalender anstreichen.