Diese Nachricht dürfte für Unruhe sorgen: „Ein Erwerb durch den Landkreis ist derzeit nicht beabsichtigt.“ So lautet die offizielle Antwort der Kreisverwaltung auf eine entsprechende Anfrage der Lausitzer Rundschau, das Schloss Lieberose betreffend. Aktuell ist es noch in Obhut der Brandenburgischen Schlösser gGmbH, doch die wird gerade aufgelöst. Daher stehen mehrere Schlösser, auch in Südbrandenburg, zum Verkauf.

Schloss Lieberose steht zum Verkauf

Für Lieberose gab es die Idee, der Landkreis möge das historische Gebäude für den symbolischen Euro kaufen. Das Dach ist dicht, die Regenentwässerung funktioniert, der Keller ist trockengelegt - die Außenhaut des mehrteiligen Hauses ist gesichert, urteilt der Förderverein Lieberose, der regelmäßig Schlossführungen anbietet, seit geraumer Zeit. Nur: Im Inneren herrscht der morbide Charme des Verfalls.
Für die Zukunft der Internationalen Naturausstellung, die gerade vorbereitet wird, sollte ein kleiner Teil als Besucherzentrum genutzt werden und somit eine zentrale Rolle für das Großprojekt in der Lieberoser Heide mit ihrer faszinierenden Natur und Militärhistorie spielen.

Potsdam/Bonn

Wunsch: Schloss Lieberose bleibt offen

Daher der große Wunsch, das Schloss möge auch bei Verkauf öffentlich zugänglich bleiben. Würde es die öffentliche Hand nehmen - in Form des Landkreises - wäre die Wahrscheinlichkeit dafür theoretisch besonders hoch. Doch dem erteilt die Verwaltung aktuell eine klare Absage.
Ans Licht gekommen war dieser aktuelle Stand durch einen Dringlichkeitsantrag der Grünen im Kreistag Dahme-Spreewalds vor dessen Sommerpause. Fraktionschef Lothar Treder-Schmidt war durch einen anonymen Hinweis auf der Spur, dass der Landkreis das Schloss doch nicht kaufen wolle. Per Dringlichkeit versuchte er zu erwirken, dass der Kreistag dem einen Riegel vorschiebt.
Doch das wurde ziemlich deutlich abgelehnt. Nur zwölf von 46 anwesenden Kreistagsmitgliedern stimmten dafür, genauer: die Abgeordneten der UBL und der Grünen. Die Mehrheit war dagegen.

Dahme-Spreewald will das Schloss Lieberose nicht kaufen

Die RUNDSCHAU hakte daraufhin bei der Kreisverwaltung nach: „Der Landkreis Dahme-Spreewald hat bisher keine verbindliche Aussage getroffen, das Schloss Lieberose kaufen zu wollen“, heißt es aus der Verwaltung. Ein Erwerb sei derzeit nicht beabsichtigt.
Doch: „Der Landkreis Dahme-Spreewald würde es sehr begrüßen, wenn sich für das Schloss Lieberose und den Schlosspark dauerhaft sowohl eine öffentliche als auch eine wirtschaftliche Nutzung eröffnen würde. Der Landkreis steht Kaufinteressenten/Investoren jederzeit gerne beratend und unterstützend zur Verfügung“, heißt es abschließend.

Für INA werden jetzt Alternativen gesucht

Damit fällt das Schloss als wichtiger Ankerpunkt für die INA vorerst weg. „Darüber haben wir aber nicht lange Krokodilstränen vergossen“, kommentiert Lieberose/Oberspreewalds Amtsdirektor Bernd Boschan, der auch einer der „Väter“ des Großprojekts ist.
Dessen Ziel soll es sein, die vielfältigen Aspekte der Landschaft rund um Lieberose erlebbar zu machen - von der Militärgeschichte der Lieberoser Heide über ihren einzigartigen Naturraum mit einer der größten Binnenwüsten Europas bis hin zu Möglichkeiten nachhaltiger Energieerzeugung. Die Planung ist weit fortgeschritten und bewegt sich auf die Eröffnung zu.

INA wird überarbeitet

Daher werden mit Hochdruck Alternativen geprüft. „Das Ausstellungskonzept der INA wird dahingehend überarbeitet, dass wir über eine dezentrale Ausstellungslandschaft in den Partnerkommunen reden“, so Bernd Boschan zum aktuellen Stand.
Mitte August müsste dieser Ansatz dann von der Gesellschafterversammlung beschlossen werden. Im Abschlussjahr der INA-Präsentation, die länger laufen soll als ursprünglich geplant, sollen die einzelnen Themen zu einer gemeinsamen Ausstellung zusammengeführt werden. „Wir sind dabei, als zentralen Besucheranlaufpunkt zwei Alternativen zu untersuchen.“

Bei Verkauf droht dem Schloss die Schließung

Was das Schloss Lieberose betrifft, spricht sich auch Boschan eindringlich dafür aus, dass es zugänglich bleibt. „Wenn der Landkreis es nicht kaufen will, ist auf anderem Weg die öffentliche Offenhaltung zu gewährleisten. Es gibt einen sehr engagierten Förderverein, es gibt Rohkunstbau - dass derartige Angebote in Privatbesitz gegebenenfalls nicht mehr so stattfinden, wissen wir alle.“
Rundschau-Informationen zufolge sah der Landkreis von der anfänglichen Idee, das Schloss für den symbolischen Euro zu erwerben und schrittweise auszubauen, aus zwei Gründen ab: Erstens füllt das geplante INA-Besucherzentrum nur einen kleinen Teil des Hauses. Wie der Rest genutzt werden soll, ist völlig offen.

Umbau des Schlosses Lieberose risikoreich

Zweitens kommen zu dieser Ungewissheit ziemliche Unwägbarkeiten beim Innenausbau. Auch wenn die Außenhaut des machtvollen Baus nach aktueller Kenntnis dicht ist, kann niemand sagen, was den Käufer beim Innenausbau beziehungsweise Umbau möglicherweise an kostspieligen Überraschungen erwartet.
Der veränderten Haltung in der Kreisverwaltung wollten Lothar Treder-Schmidt und Frank Selbitz als Fraktionschef der UBL, die sich dem Dringlichkeitsantrag der Grünen anschloss, zuvorkommen. Dass der Vorstoß abgelehnt wurde, sehen beide kritisch.
Selbitz verspricht sich vom Schloss große Bedeutung als Dreh- und Angelpunkt zwischen Spreewald, Schwielochsee und INA und auch als Ort des Strukturwandels. Auch Treder-Schmidt sieht es als „intelligentes Projekt für Braunkohlegelder“. Doch das scheint - zumindest derzeit - vom Tisch.