Immobilien in Königs Wusterhausen
: Haus-Traum geplatzt? Familie streitet mit Baufirma

Eine junge Familie wollte ein Haus bei Königs Wusterhausen bauen. Nun steht das Paar vor dem Scherbenhaufen ihres Traums, weil die Baufirma offenbar insolvent ist. Gibt es ein Happy End?
Von
Maria Häußler
Heidesee
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Familie

In der Nähe von Königs Wusterhausen will eine junge Familie ihr Haus bauen. Doch es gab Probleme mit dem Bauunternehmen. Inzwischen hat Bauherr Seidel eine andere Firma gefunden, die das Dach abdeckt.

Maria Häußler
  • Familie wollte in Heidesee ein Haus bauen – Baufirma ist offenbar insolvent, Bau steht still.
  • Vertrag sah Fertigstellung bis Dezember 2024 vor – seit November 2024 keine Baufortschritte.
  • Schäden laut Gutachten: 6.000 Euro für Mängel, 178.000 Euro für nicht erbrachte Leistungen.
  • Familie kämpft mit Rechtsstreit, hohen Kosten und ungewissem Ausgang – Traum bleibt bestehen.
  • Experte rät: Verträge prüfen, Zahlungen absichern, Bauingenieure für Abnahmen beauftragen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Steven Seidel sitzt auf Brettern, die einmal Baumaterial für sein frei stehendes Einfamilienhaus in Heidesee sein sollten. In diesem kleinen Dorf in der Nähe von Königs Wusterhausen im Landkreis Dahme-Spreewald wollte der 38-Jährige sich mit seiner jungen Familie einen Traum verwirklichen: große Küche, zwei Kinderzimmer, ein Hauswirtschaftsraum, Büro, zwei Bäder. Doch seit November 2024 herrscht mehr oder weniger Stillstand auf der Baustelle. Seidel und seine Partnerin Sarah Hauffe machen dafür das Bauunternehmen verantwortlich.

Der Familienvater deutet bei einem ersten Treffen im Juli 2025 auf den Bauzaun am Grundstückseingang und dann bis vor seine Füße. Hier sollte einmal ein gepflasterter Weg entlangführen, „zu einer Garage, oder vielleicht einem Carport“, sagt Seidel. Doch dafür sei kein Geld mehr da. „Unser Fehler war der Vertrauensvorschuss“, sagt Hauffe bei einem weiteren Treffen im September 2025.

Die Nachbarschaft ist eine richtige Familienidylle: Schmetterlinge flattern hier im Sommer in den riesigen Gärten mit gepflegtem Rasen und gestutzten Büschen umher. Dazwischen erhebt sich der Rohbau von Seidel hinter aufgehäuften Erdhügeln, wild wuchernden Pflanzen und großen Maschinen. Im Erdgeschoss liegen Pflanzenteile, die Decke wird mit Baustützen gehalten. Der Innenausbau fehlt, bis auf die Fenster, die bereits von einer anderen Firma eingebaut wurden.

Hausbau in Heidesee: Wie hoch ist der Schaden?

Beauftragt hatte Seidel mit dem Haus-Projekt ein Bauunternehmen aus Brandenburg. Der Putz, die Fassade, der Trockenbau, eine Abwassersammelgrube sowie die Dachdeckung wäre noch deren  Aufgabe gewesen, erklärt Seidel. Positiv ließe sich festhalten, dass zumindest die Qualität der bisherigen Arbeiten laut Gutachter in Ordnung seien. Die Mängel beschränkten sich laut einem Schreiben von Mai 2025 auf rund 6000 Euro – der weit höhere Betrag von über 178.000 Euro bezieht sich laut Gutachten auf die fehlenden Leistungen.

Seidel und Hauffe sind eigentlich aus Berlin. Um den Bau ihres Hauses in Heidesee besser begleiten zu können, sind sie für den Übergang in eine Wohnung nach Bestensee gezogen, das rund 20 Kilometer entfernt liegt. Ihr zweijähriger Sohn geht bereits zur Kita in Heidesee, da sie damit rechneten, im vergangenen Jahr einziehen zu können. Daraus wurde nichts.

Haus

Seidel zählt in seinem Rohbau in Heidesee bei Königs Wusterhausen auf, was beim Hausbau schief lief.

Maria Häußler

Den Bauvertrag haben Seidel und seine Partnerin Hauffe im Februar 2024 mit dem Bauunternehmen abgeschlossen. Er liegt der Redaktion vor. Darin ist festgehalten, dass der Neubau des Einfamilienhauses bis Dezember 2024 fertiggestellt sein sollte. Der Rohbau sollte demnach bis Juni 2024 stehen. Auch eine Aufstellung zum Bautenstand des Bauleiters von Oktober 2024 liegt der Redaktion vor. Laut dieser Berechnungen hatte das Paar zu diesem Zeitpunkt rund 65.000 Euro überzahlt. Im November wurde das Dach gedämmt, Seidel hat es auf eigene Kosten notabdecken lassen. Hinzu kommen die Kosten für die Miete, die nach der Fertigstellung nicht mehr angefallen wäre.

Hausbau abgebrochen: Das sagt der Bauunternehmer

Der Geschäftsführer der Baufirma begründet den Abbruch der Bauarbeiten in Heidesee auf Nachfrage damit, dass es zu „wiederholten und massiven Störungen im Bauablauf“ durch Änderungswünsche, verspätete Entscheidungen und Kommunikationsprobleme mit dem Bauherrn gekommen sei. „Hinzu kamen Zahlungsausfälle auf anderen Baustellen, die zu Liquiditätsengpässen führten“, teilt der Bauunternehmer auf Anfrage mit. Seine Firma sei inzwischen insolvent, sagt er. Seidel und der Bauunternehmer befinden sich in einem Rechtsstreit.

Rechtsanwalt Thomas Gasch, Experte für Immobilien-, Grundstücks- und Wohneigentumsrecht erklärt, welche Rechte Bauherren in einem solchen Fall haben. Er ist stellvertretender Landesvorsitzender von Haus & Grund Brandenburg, einem Verband mit Sitz in Potsdam, der seine Mitglieder zu Immobilienbesitz berät und ihre Interessen vertritt.

Baut der Unternehmer nicht weiter, sollte der Bauherr ihn auffordern, die Leistungen in einer angemessenen Zeit zu erbringen, was auch Seidel getan hat: „Wenn in dem Vertrag keine Zeiten genannt sind, wann welche Leistung zu erbringen ist, müssen Sie den Unternehmer in Verzug setzen“, erklärt Experte Gasch. Wichtig seien auch die Konsequenzen zu benennen, also Schadensersatz.

Haus bei KW: Was geschieht bei einer Insolvenz?

Im Falle einer Insolvenz blieben die Bauherren auf dem Schaden sitzen. Der Rechtsanwalt rät, vor einer Klage zu klären, wie die Unternehmenslage ist. Bei einer Insolvenzverschleppung sei es möglich, die Geschäftsführer persönlich haftbar zu machen. Es lohne sich zudem im Vorfeld über eine Baurechtsschutzversicherung nachzudenken.

Für das von Seidel beauftragte Bauunternehmen waren im November 2025 im Register für Insolvenzbekanntmachungen noch keine Eintragungen für eine Insolvenz vorhanden. Der Bauunternehmer sagt, er habe inzwischen alles Nötige in die Wege geleitet. Das zuständige Amtsgericht Potsdam bestätigt, dass eine etwaige Eröffnung eines Insolvenzverfahrens derzeit geprüft werde.

Seidel ist nicht der Einzige, der Streit mit dem Bauunternehmer aus Brandenburg hat. Für Ärger sorgte auch der Bau eines Bootshauses für den Ruderverein Zernsdorf. Der Vorsitzende Frank Liebenthal hielt, wie er auf Nachfrage bestätigt, fünf Prozent Sicherheitseinbehalt einer Rechnung zurück und hat die letzte Rechnung nicht bezahlt.

2022 sollte ein Bootshaus gebaut werden, aktuell befindet sich der Verein deshalb immer noch im Rechtsstreit. Liebenthal bemängelt die Qualität. Das Bootshaus steht, doch Boote könne man darin nicht lagern. Der Bauunternehmer widerspricht, das Bootshaus sei fertiggestellt und nutzbar.

Hausbau bei Königs Wusterhausen: Vom Traum zur Belastung

Seidel erzählt ruhig und sachlich von dem Hausbau in Heidesee. Seine Stimmlage ändert sich nicht, wenn er von seiner Hilflosigkeit, Wut und Enttäuschung spricht. Seidel sagt, er habe das Geld schon längst abgeschrieben.

Ihm sei bewusst, dass beim Bau immer alles etwas länger dauert. Doch nachdem die Kontaktversuche im Sommer 2024 immer öfter ins Leere gelaufen waren, sei das Haus für ihn und seine Partnerin zur Belastung geworden. Schließlich sei das Gerüst im August 2024 ohne Ankündigung abgebaut worden.

Der Bauunternehmer hatte in der Zwischenzeit eine neue Firma gegründet. Im November 2024 leistete Seidel eine weitere Zahlung, ein Teil des Geldes ging an die neue Firma. Das sei ihm zwar komisch vorgekommen, sagt er heute. Er hoffte aber, dass das Projekt so zu einem Abschluss käme. Dazu sagt der Bauunternehmer, dass die Leistung für diese Zahlung erbracht worden sei.

Hausbau in Heidesee: Es bleibt ein „Scherbenhaufen“

Wie Seidel und Hauffe in Vorleistung zu gehen, sei nicht die Regel, sagt Rechtsanwalt Gasch. Üblich seien Abschlagszahlungen nach einem Baufortschritt. Geld für Materialien vorzuschießen, käme zwar vor, aber deute auf eine dünne Finanzdecke des Unternehmens hin, so Gasch. Falls Bauherren etwas für Materialkosten vorstrecken, sollte das Material auf deren Rechnung gekauft werden oder sofort in deren Besitz übergehen. „Es ist wichtig, nicht zu viel vorauszuzahlen“, sagt Gasch. „Vor Gericht zu gewinnen und das Geld zurückzuerhalten, sind zwei unterschiedliche Dinge.“

Gasch empfiehlt, die rechtssicheren und kostenfreien Bauverträge auf der Website von Haus & Grund zu verwenden und einen Bauingenieur zu beauftragen, der die einzelnen Bauabschnitte abnimmt. Bei der Handelskammer gibt es eine Liste von Ingenieuren.

Seidel und Hauffe halten an ihrem Traum fest, für den sie schon seit sechs Jahren sparen. Das Dach wurde inzwischen von einer anderen Firma gedeckt und ein Bodenbelag verlegt. Das Paar muss weiterhin Miete bezahlen für die Wohnung im nahe gelegenen Bestensee und die Kosten für den Anwalt. Noch ist nicht klar, ob die Baufirma insolvent ist. Ob das Paar Recht, geschweige denn Geld zurückbekommt, ist ungewiss und könnte womöglich viele Monate oder auch ein paar Jahre dauern. Aufgeben wollen sie aber nicht.