ILA Berlin 2026
: Eurofighter am Flughafen BER weit über Lärm-Limit

Vor allem die Kampfjets sorgen bei der ILA für Krach im Umland. Schon vor dem Start der Messe hat ein Eurofighter die festgelegte Lärmgrenze weit übertroffen.
Von
Till Eichenauer
Schönefeld
Rundgang vor der ILA: 09.06.2026, Brandenburg, Schönefeld: Ein Eurofighter Typhoon fliegt am Tag vor Beginn der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung auf dem Berlin-ExpoCenter-Airport-Areal. Die ILA beginnt am 10. Juni und dauert bis zum 14. Juni. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Eurofighter Typhoon der spanischen Luftstreitkräfte über dem Flughafen BER. Bereits einen Tag vor dem Beginn der ILA 2026 flogen die Jets am Messegelände.

Sebastian Christoph Gollnow/dpa
  • Eurofighter übertrafen vor ILA 2026 am BER die Lärmgrenzen deutlich – teils mit Nachbrenner.
  • An Messstation Groß Kienitz wurden 119,2 dB um 14.36 Uhr gemessen, später 118,6 dB.
  • Der Schwellenwert von 94 dB war einmal 16 Sekunden überschritten, mehrfach am selben Tag.
  • Genehmigt sind max. 111 dB(A) in besiedelten Gebieten; Groß Kienitz ist davon ausgenommen.
  • Veranstalter sieht sich innerhalb der Limits, Militärflüge prägen dennoch das Messeerlebnis.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Rund 100.000 Menschen werden am Wochenende auf dem Messegelände am Flughafen BER erwartet. Sie möchten sich die neueste Technik aus der Luft- und Raumfahrt bei der ILA 2026 anschauen. Flugzeuge, Helikopter und Drohnen werden am Boden und auch in der Luft präsentiert.

Während der Messe erleben aber auch zehntausende Menschen, die rund um den Flughafen leben, die Flugschau. Ob sie wollen oder nicht. Auch wenn man als Anwohner am BER schon einiges gewohnt ist – die Kampfjets und Hubschrauber sorgen während der ILA-Tage für jede Menge zusätzlichen Lärm.

Und das nicht nur während der offiziellen Messetage: Schon am Dienstagnachmittag, 9. Juni – einen Tag vor der offiziellen Eröffnung – waren Kampfjets vom Typ Eurofighter Typhoon in der Luft. Viele der Schaulustigen, die die Landung des A380 am Flughafen BER beobachten wollten, bekamen die überraschende Flugshow zu sehen.

Eurofighter mit 150.000 PS am Flughafen BER unterwegs

Die Eurofighter unternahmen offenbar Übungsflüge für ihre anstehenden acht Flugshows bei der ILA 2026. Dabei machten sie waghalsig anmutende Manöver über dem Flughafengelände. Mehrmals kamen sie tief über dem Rollfeld entlang, zogen dann steil hoch und zündeten sichtbar den Nachbrenner. Dabei wird zusätzlicher Treibstoff in die Turbine gespritzt, um den Schub zu erhöhen. Ein Eurofighter Typhoon entwickelt mit zugeschaltetem Nachbrenner eine Gesamtleistung von rund 150.000 Pferdestärken. Und die konnte man am Boden auch hunderte Meter entfernt noch körperlich spüren.

Der Geräuschpegel war extrem hoch. Das zeigt auch die Fluglärmüberwachung rund um den Flughafen BER: An einer temporären Messstation in Groß Kienitz, einem Ortsteil der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow südwestlich der Landebahn, zeichneten die Mikrofone am 9. Juni 2026 um 14.36 Uhr während des Fluges eines Eurofighters einen Dezibel-Wert von 119,2 auf. Das geht aus der Dokumentation der Fluglärmüberwachung hervor, die der Betreiber des Flughafens Berlin-Brandenburg während der ILA 2026 immer am Folgetag veröffentlicht.

Fluglärmüberwachung ILA 2026

Fluglärmüberwachung der ILA 2026. Wird der Lärmpegel an den orangefarbenen Messtationen mehrmals übetroffen kann die Flugschau untersagt werden. Die Messtationen 1 in Groß Kienitz und 15 Kienitzberg sind von dieser Regel aber ausgenommen.

Till Eichenauer (Screenshot von: www.corporate.berlin-airport.de "Fluglärmüberwachung ILA 2026")

Und der Lärm war nicht schnell vorbei: Ganze 16 Sekunden lang lag bei diesem Vorfall der Geräuschpegel über dem Schwellenwert von 94 Dezibel. Gut zwei Stunden später kam es erneut zu einem vergleichbar lauten Vorfall, wieder mit einem Eurofighter: An der gleichen Stelle werden um 17.39 Uhr 118,6 Dezibel gemessen.

Geräuschpegel dieser Größenordnung sind enorm laut. Zum Vergleich: Im Fluglärmbericht des BER von 2024 ist als lautestes Flugzeug des Jahres ebenfalls ein Eurofighter aufgeführt, der damals den italienischen Präsidenten begleitete. In Bohnsdorf wurde dieser mit 104 Dezibel gemessen. Weil aber bereits wenige Dezibel einen großen Unterschied beim Lärm machen, war der Flieger vom Dienstag vor der ILA mit 119 Dezibel ungefähr dreimal so laut, für das menschliche Ohr.

So funktioniert die Dezibel-Skala

Die Dezibel-Skala misst Schallpegel nicht linear, sondern logarithmisch: Ein Anstieg um 10 Dezibel bedeutet, dass die Schallintensität physikalisch auf das Zehnfache steigt.

Für das menschliche Gehör wird ein Ton mit 10 dB mehr meist etwa doppelt so laut wahrgenommen.

Deshalb können schon scheinbar kleine dB-Unterschiede große Auswirkungen auf Lautstärke und Belastung haben.

Auf Nachfrage, ob in der Vergangenheit ähnliche hohe Lärmwerte am BER gemessen wurden, antwortete ein Sprecher des Flughafens: „Im regulären Flugbetrieb nicht, jedoch im Rahmen der letzten ILA.“ Die konkreten Messwerte der vergangenen Messe sind online nicht mehr einsehbar. Laut Flughafen sei die Flugshow in diesem Jahr der letzten ILA sehr ähnlich. Jedoch hingen die gemessenen Lautstärken stark von den einzelnen Piloten und auch vom Wetter ab.

Normalerweise bekäme der Veranstalter für einen gemessenen Wert von 119 Dezibel eine Verwarnung der Oberen Luftfahrtbehörde. In der Genehmigung für die ILA ist nämlich festgehalten: „Der Maximalpegel eines einzigen Überflugereignisses darf den Wert von 111 dB(A) nicht übersteigen.“ Bei einer mehrmaligen Überschreitung des Schwellenwertes, wie es am 9. Juni der Fall war, behält sich die Luftfahrbehörde vor, „die Flugvorführungen mit dem entsprechenden Luftfahrzeugmuster vollumfänglich zu untersagen.“

Rekordmesswerte der ILA 2026 von Genehmigung ausgenommen

Die mobile Messstation am Rande von Groß Kienitz steht etwa zwei Kilometer südlich vom westlichen Ende der Südbahn des BER. Der Ortsteil der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow hat etwa 350 Einwohner.

Jedoch bezieht sich der Wert von maximal 111 Dezibel in der Genehmigung nur auf die elf Messanlagen in „besiedelten Gebieten“ rund um den Flughafen. Die Messpunkte am „MP15 Kienitzberg“ und den vorübergehenden Standort „MP01 Groß Kienitz (mobil)“, an dem die Lärmspitze gemessen wurde, sind von der Regel ausgenommen. Tatsächlich war ein Wert von 110,5 Dezibel in Rotberg am Mittwoch gegen 18.07 Uhr die höchste Messung bislang im sanktionierten Gebiet. (Stand: 12. Juni 2026) Nur ein halbes Dezibel unter dem Maximalpegel.

Der Veranstalter der ILA, die Messe Berlin, erklärte auf Nachfrage: „Wir sind innerhalb der durch die Obere Luftfahrtbehörde genehmigten Limits.“ Ihnen sei jedoch bewusst, dass insbesondere Vorführungen einzelner militärischer Flugzeuge über die allgemeine Geräuschkulisse am Flughafen BER hinausgingen. „Gleichzeitig ist das Flugprogramm ein zentraler Bestandteil der ILA und gehört für viele Besucherinnen und Besucher zum Messeerlebnis dazu“, so eine Sprecherin. Das Luftfahrtamt der Bundeswehr ließ eine Anfrage zu den Flügen der Eurofighter bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.

Die Kampfjets waren in den vergangenen Tagen auch weit über die unmittelbare Nähe des Flughafens in Schönefeld zu hören. Am Mittwoch etwa kreisten zwei Eurofighter über eine halbe Stunde südlich des BER, gut sichtbar und hörbar etwa über Königs Wusterhausen, Wildau und Zeuthen. Die genauen Flugrouten lassen sich im Nachhinein nicht nachvollziehen, weil die Positions-Transponder der Militärmaschinen nicht eingeschaltet sind und sie so nicht auf den Flight-Tracking-Seiten auftauchen.