Von Ingvil Schirling

Wenn am Samstag ab 10 Uhr in Dürrenhofe einmal mehr das Hoffest steigt, Teil der Brandenburger Landpartie, dann werden erneut 4000 bis 5000 Gäste erwartet. Kaltblutkremser, Stallbesichtigung, Technik – neu und historisch –, Bullenschätzen und Musik locken sie an. Was sie erfahren können, aber vielleicht (noch) nicht direkt sehen, sind die aktuellen Fragen, mit denen sich die Agrargenossenschaft Unterspreewald beschäftigt. Die Dürre ließ sie vieles auf den Prüfstand stellen – aber nicht nur die.

Qualität, Vertrauen, Vermarktung

Beantwortet sein dürfte schon seit vergangenem Jahr die erste von drei Fragen. Denn die Direktvermarktung, das ist klar, sagt Uwe Schieban als einer von zwei Geschäftsführern, „ist schwer im Kommen. Die Leute vertrauen uns.“ Der Hofladen verzeichnete 2018 ihm zufolge zehn bis 15 Prozent mehr Umsatz, das hauseigene Mittagessen wird um 15 bis 20 Prozent mehr nachgefragt. Die Umsätze im Hofladenbereich hätten sich vergangenes Jahr um etwa 100 000 Euro auf rund 700 000 Euro erhöht.

Von selbst kam das nicht. Wer regelmäßig dort Besorgungen macht, stellte fest: Es gibt seit einiger Zeit einen eigenen Blumenladen. Der Spargelstand ist integriert und verfügt über eine eigene Schälmaschine. Vergangenes Jahr begannen die Dürrenhofer mit dem Erdbeeranbau, zunächst auf fünf Hektar. „Am Wochenende sind die Erdbeeren oft gegen neun Uhr schon weg – und das, obwohl sie einen Tick teurer sind.“ Und nicht lange liegen sollten: die Sorte sei süß, aber nicht übermäßig haltbar, sagt Uwe Schieban. Er begründet den Erfolg der Direktvermarktung mit der konsequenten Entscheidung für Qualität.

An manchen Samstagen habe der Hofladen – spargel- und erdbeerbedingt – Umsätze wie zum Hoffest, sagt der Geschäftsführer. Unterm Strich ist für ihn klar: „Wir sind absolut auf dem Trip, die Direktvermarktung weiter auszubauen.“

Sind Roboter die besseren Melker?

Die Antwort auf eine zweite Frage ist weniger eindeutig. Sollen die Dürrenhofer Landwirte auf das vollautomatische Melken per Roboter und passender Anlage umstellen? Uwe Schieban hielt dies bisher für den besseren Weg, getrieben von der Suche nach Fachkräften. Die sind mittlerweile so schwer zu finden, dass die Automatisierung fast alternativlos erscheint. Doch eine Fortbildung, organisiert von der Tierarztpraxis, ließ ihn nachdenklich werden. Denn Professor Volker Krömker, Spezialist auf dem Gebiet der Euterhygiene und -entzündungen, hält Schieban zufolge den Menschen immer noch für den besseren Melker. Vor allem, weil der tägliche Kuhkontakt Krankheiten früher erkennen lasse. Schieban treibt aber auch um, ob die Technik den harten Bedingungen im Kuhstall lange standhalten kann. Wie diese Entscheidung ausfällt, muss die Zeit zeigen. Die Dürrenhofer jedenfalls sind aktuell dabei, sich verschiedene Möglichkeiten anzuschauen.

Kein Raps, keine Stärkekartoffeln

Die dritte Frage hat Uwe Schieban im Frühjahr schon das Fernsehen gestellt. Wie wird’s Wetter?, hieß sie. Schieban tippte auf ein Ende der Trockenheit, hat deshalb im April Getreide silieren und Mais einsäen lassen. Doch die Dürre des vergangenen Jahres ließ auch in Dürrenhofe Köpfe rauchen. Zwei Millionen Euro weniger Umsatz machte die Agrargenossenschaft aufgrund der Trockenheit. Normalerweise sind es etwa 17 Millionen Euro im Jahr.

Die Agrargenossenschaft Unterspreewald ist groß und vielfältig: Sie bewirtschaftet gut 5000 Hektar werden, beschäftigt 100 Menschen, 55 Saisonarbeitskräfte. Zur Gruppe gehören der Hofladen, die Landtechnik mit Service und Verkauf, die Metallbauwerkstatt. Ein Zweig kann den anderen stützen, besonders in Dürrejahren. Und doch trennte sich der Betrieb in dem teils unangenehmen Prüfprozess vom Rapsanbau und den Stärkekartoffeln.

In den vielfältigen Zweigen findet aber jede Arbeitskraft einen Job, den sie gerne macht, ist Schieban überzeugt. Selbst flexible Arbeitszeiten lassen sich mehr als früher einrichten. Auch davon können sich die Gäste am Samstag überzeugen.