Von Kathleen Weser

Die Grundstücke im Norden des Dahme-Spreewald-Kreises werden knapper. Denn Familien aus Berlin und der Landeshauptstadt Potsdam drängen nach wie vor in den Speckgürtel. Während die Preise für Baugrundstücke und Häuser hier weiter steigen, bleibt der Süden – ausgenommen nur Lübben im Spreewald – bei Bauwiligen ein Ladenhüter. Das weist der aktuelle Grundstücksmarktbericht des Landkreises aus.

Mit 775 Millionen Euro Geldumsatz ist auf dem heimischen Immobilienmarkt im vergangenen Jahr der bisher höchste Wert seit 1990 erzielt worden (plus 19 Prozent, das sind 122 Millionen Euro mehr) – mit insgesamt weniger Käufen als im  Vorjahr. Mehr als 80 Prozent der getätigten Käufe betreffen das Berliner Umland.

Allein 41 Prozent (318 Millionen Euro) haben Grundstücks- und Immobilienverkäufer in der Gemeinde Schönefeld vereinnahmt. Königs Wusterhausen (131 Millionen Euro), Zeuthen (45) und Wildau (44) folgen auf der Hitliste. Die geringsten Umsätze sind in Luckau (acht Millionen Euro) und in der Gemeinde Heideblick (drei Millionen Euro) dokumentiert.

Seit nunmehr sechs Jahren sind enorme Preissteigerungen für Wohnbauland im Berliner Umland zu verzeichnen. Im Raum Bestensee und Heidesee sowie im Schenkenländchen um plus 80 Prozent, in den weniger begehrten Wohnlagen Lübben und Luckau noch um 30 Prozent. Unverändert niedrige Bauzinsen haben die Nachfrage nach Baugrundstücken weiter angeheizt: Baugebiete, die mehrere Jahre auf wenig Interesse gestoßen sind, füllen sich oder werden für Bauträger interessant.

Baureife Wohnbauflächen und bebaute Grundstücke für den individuellen Wohnbedarf sind extrem nachgefragt. Das Preisniveau der Ein- und Zweifamilienhaus-Grundstücke weist eine deutliche Steigerung von sieben Prozent auf. Der durchschnittliche Kaufpreis für ein freistehendes Einfamilienhaus liegt aktuell bei 262 000 Euro.

Innerhalb des Dahme-Spreewald-Kreises besteht weiterhin ein drastisches Preisgefälle (siehe Grafik). Je weiter vom Speckgürtel entfernt, umso geringer werden die Verkaufserlöse für die Häuser. Die Werte auf Standorten im „weiteren Metropolraum“, also im Südkreis, sinken dabei auf Preise auf dem Niveau von weniger als einem Drittel der veräußerten Häuser im Norden.

Die Kreisentwicklung ist ein schwieriger Spagat: Im Berliner Umland und an den großen Verkehrsachsen wächst der Ansiedlungsreiz den Kommunen über die Köpfe. Der Zuzug in die Randgebiete um Berlin gleicht die Bevölkerungsverluste in den strukturschwachen Süd-Gebieten von  Dahme-Spreewald rein rechnerisch zwar aktuell mehr als aus. Aber die Überalterung und auch der Wegzug hängen die Teilregionen südlich des Schenkenländchens weiter ab. Der Negativtrend setzt sich teilweise, zum Beispiel im Raum Lübben, jedoch inzwischen gegenüber den Prognosen deutlich verzögert fort.

Die Wirtschaft brummt im Regionalen Wachstumskern Schönefelder Kreuz. Vor allem im Branchenkompetenzfeld der Luftfahrttechnik rund um den Flughafen und um Lübben mit der Ernährungswirtschaft. Mehr als 15 000 Menschen pendeln derzeit berufsbedingt aus Berlin zu Arbeitsorten hierher ein. Das ist die höchste Anzahl an Auspendlern aller an Berlin grenzenden Landkreise. Menschen, die Familien gründen wollen, suchen zunehmend auch Baugrundstücke oder attraktive Wohnungen.

Neue Häuser im Wert von 424 Millionen Euro sind in Dahme-Spreewald im Jahr 2018 genehmigt worden, 588 betreffen Eigenheime – also Einfamilien-, Zweifamilien- und Reihenhäuser sowie Doppelhaushälften (2017: 599).

Brandenburgweit sind in Dahme-Spreewald im vergangenen Jahr auch die meisten Wohnungsneubauten genehmigt worden (40 Mehrfamilienhäuser ab drei Wohneinheiten). Das Mietniveau ist im Berliner Umland und in Lübben am höchsten. Das wird von den Experten, die den Grundstücksmarktbericht regelmäßig erstellen, mit dem knappen Angebot an Wohnungen mit gutem Standard begründet.

Die Zwangsversteigerungen von Immobilien, die die Amtsgerichte Lübben und Königs Wusterhausen im vergangenen Jahr angeordnet haben, sind um zwölf Prozent angestiegen. Der erlöste Betrag ist indes um mehr als die Hälfte zurückgegangen (von 7,6 Millionen Euro im Jahr 2017 auf 3,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr).

Land- und forstwirtschaftliche Flächen werden auch in Dahme-Spreewald stärker nachgefragt. Vor allem von Investoren in alternative Energieanlagen – um Problemen mit  Abstandsflächen zu Wohnhäusern aus dem Weg zu gehen. Den Verkäufern werden teilweise zusätzlich zum Kaufpreis Sondervergütungen gezahlt, Pachtverträge mit Landwirten werden übernommen. Das wirkt insgesamt preistreibend. Die Kaufsummen, die über den Tisch gehen, liegen durchschnittlich ein Mehrfaches über den aktuellen Bodenrichtwerten. Aber: Die Eigentümer halten Acker und Wald wieder stärker fest. Insgesamt werden in Dahme-Spreewald aktuell deutlich weniger Land- und Forstflächen veräußert (2018: 390 Kauffälle weniger/minus 19 Prozent).