Eichenprozessionsspinner im Spreewald: Land sperrt fast die Hälfte der schiffbaren Flächen im Unterspreewald

Zu den zahlreichen Gewässern, die ab sofort im Unterspreewald gesperrt sind, gehören auch Abschnitte des Puhlstroms bei Schlepzig. Grund ist der massive Befall durch den Eichenprozessionsspinner.
Stefan Staindl- Land sperrt im Unterspreewald zahlreiche Gewässer – etwa die Hälfte ist betroffen.
- Grund ist massiver Befall mit Eichenprozessionsspinnern und umsturzgefährdete Bäume.
- Maßnahmen zur Verkehrssicherung ruhen, da Beschäftigte wegen Befalls nicht arbeiten können.
- Crumbach und Mittelstädt besuchen am Montag, 13. Juli, den Unterspreewald zur Lageberatung.
- Touristen sollen Sperrungen beachten, Alternativrouten nutzen und Nester nicht berühren.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Aufgrund des massiven Befalls mit Eichenprozessionsspinnern müssen einzelne Gewässer im Unterspreewald vorübergehend für den Schiffsverkehr gesperrt werden. Das hat das Landesamt für Bauen und Verkehr angeordnet, wie es nach eigenen Angaben mitteilt.
So sollen Besucher sowohl vor Gesundheitsgefahren durch Eichenprozessionsspinner als auch vor Gefahren durch derzeit nicht beseitigte, umsturzgefährdete Bäume und Äste geschützt werden. Grundlage für die Anordnung sei ein Antrag des Landesamtes für Umwelt. Zum Schutz der Beschäftigten könnten derzeit Maßnahmen der Verkehrssicherung an gewässerbegleitenden Gehölzen nicht durchgeführt werden. Der Eichenprozessionsspinner (EPS) habe sich in diesem Jahr besonders stark verbreitet.
„Unsere Botschaft ist klar: Die Sicherheit der Besucher und der Menschen vor Ort hat Vorrang. Bevor jemand verletzt wird, nehmen wir einzelne Strecken im Unterspreewald aus dem Verkehr – und öffnen sie erst wieder, wenn die Gefahren gebannt sind“, informiert Infrastrukturminister Robert Crumbach.
Wegen Befall können Sicherungsarbeiten nicht erfolgen
Der Eichenprozessionsspinner sei kein harmloser Schmetterling, sondern eine echte Gefahr. „Seine Brennhaare können schwere Haut- und Atemwegsprobleme auslösen, und befallene Bäume drohen mit Ästen direkt in die Gewässer zu stürzen. Hinzu kommt, dass wegen des Befalls wichtige Verkehrssicherungsarbeiten entlang der Gewässer derzeit nicht durchgeführt werden können – dadurch drohen auch Gefahren durch Äste und umsturzgefährdete Bäume“, betont Crumbach.
Infrastrukturminister Robert Crumbach und Umweltministerin Hanka Mittelstädt werden am Montag, 13. Juli, den Unterspreewald besuchen, um sich persönlich ein Bild von der Lage zu machen. Gemeinsam mit den zuständigen Behörden werden sie die Situation vor Ort beraten und das weitere Vorgehen abstimmen, heißt es.
Diese Gewässer sind ab sofort für den Schiffsverkehr gesperrt
Auf Antrag des Landesamtes für Umwelt sperrt das Land Brandenburg folgende schiffbare Landesgewässer im Unterspreewald bis auf Widerruf für den Schiffsverkehr:
• Dresslerstrom
• Krausnicker Strom (Abschnitt Puhlstrom – Krausnicker Wehr)
• Krügerstrom
• Pfahlspree
• Puhlstrom (Spree – Abzweig Krausnicker Strom)
• Puhlstrom (ab Quasspree bis Unteres Puhlstromwehr)
• Schiwanstrom
• „Schnelle Katrin“ (Zernias – Schiwanstrom)
• Schulzkastrom (Spree – Krausnicker Strom)
• Wasserburger Spree (Laubengang bis wawi‑Anlage Groß Wasserburg)
• Wasserburger Spree (Hauptspree – Kopelna / Schulzkastrom
Nach Rücksprache mit dem LBV sei damit etwa die Hälfte der schiffbaren Flächen im Unterspreewald von den Sperrungen betroffen. Auf den übrigen Gewässern könnten Kanurundfahrten weiterhin stattfinden.
Das sind die Gründe für die Sperrung der Gewässer
Der Eichenprozessionsspinner (EPS) habe sich in diesem Jahr besonders stark verbreitet und werde auch in Brandenburg landesweit zum Gesundheitsproblem. Der Grund: das Insekt profitiere vom Klimawandel. Überdurchschnittlich trockene und warme Frühjahre sowie Spätsommer seien für den Eichenprozessionsspinner optimal. Die Folge sei eine schwer kontrollierbare Vermehrung der Schädlinge.
Problematisch an den Raupen seien ihre mikroskopisch kleinen Brennhaare. Sie enthielten ein Nesselgift und könnten bei Kontakt Hautreizungen mit starkem Juckreiz und Quaddeln auslösen. Auch Augenreizungen, Husten oder asthmaartige Beschwerden seien möglich, wenn Menschen oder Tiere mit den Brennhaaren in Berührung kommen.
Mit der Verpuppung im Juli beruhige sich die Gefahr durch die giftigen Brennhaare der Raupen vorerst nur wenig. Die Gifthaare verblieben an den alten Raupenhäuten in den verlassenen Gespinstnestern und könnten durch den Wind verteilt werden. Zudem würden sie lange in der Umgebung erhalten bleiben und könnten so noch über mehrere Jahre hinweg allergische Reaktionen auslösen.

Raupen des Eichenprozessionsspinners sind auf einem Ast zu sehen. Die Haare der Raupen können allergische Reaktionen auslösen.
Philipp Schulze/dpaMitarbeiter des zuständigen Wasser- und Bodenverbandes mussten laut dem Landesamt die Gewässerunterhaltung sowie Verkehrssicherungsmaßnahmen in den betroffenen Bereichen zum Schutz ihrer eigenen Gesundheit einstellen. Zur Gewässerunterhaltung gehörten auch die Freihaltung des Lichtraums über dem Gewässer sowie die Beseitigung umsturzgefährdeter Bäume.
Auch Forstwirte und Jäger könnten die landeseigenen Waldflächen entlang der Gewässer derzeit nicht betreten. Der Forstbetrieb Lübben könne seine Eigentümerpflichten zur Verkehrssicherung entlang der schiffbaren Gewässer momentan nicht wahrnehmen.
Forstwirte und Jäger können ihre Arbeiten nicht ausführen
Zur Abwehr möglicher Gefahren – etwa durch umstürzende Bäume und direkte Kontakte mit den Raupen – sei die Sperrung der genannten Gewässerabschnitte bis zur Wiederherstellung der Verkehrssicherheit beantragt worden. Wie lange die Einschränkungen dauerten, hänge von der weiteren Entwicklung des Befalls ab und werde situativ beurteilt.
Hinweise für Touristen und Einheimische
Die gesperrten Gewässerabschnitte werden durch Schifffahrtszeichen und Hinweisbeschilderungen vor Ort klar kenntlich gemacht. Touristen werden gebeten, die Sperrungen strikt zu beachten, alternative Routen zu nutzen und Hinweise der örtlichen Anbieter, der Biosphärenreservatsverwaltung sowie der Landkreise zu beachten.
Auf den nicht betroffenen Gewässern bleibt der Bootsverkehr – insbesondere Kanutouren – weiterhin möglich; dennoch gilt dort erhöhte Vorsicht, da einzelne Bäume außerhalb der Unterhaltungsbereiche ebenfalls befallen sein können.
Wer Nester oder Raupen des Eichenprozessionsspinners entdeckt, sollte diese nicht berühren, den Bereich meiden und die Funde der zuständigen Forst- oder Kommunalbehörde melden; das Umweltministerium stellt hierzu landesweit Informationsmaterial und Kontaktadressen bereit.
Wenn man Raupen oder Gespinste entdeckt, sollte man Folgendes beachten:
Möglichst viel Abstand halten und weder Raupen noch Nester berühren. Das gilt auch für alte Gespinste. Nester keinesfalls selbst entfernen! Zuständig sind Fachfirmen oder die jeweiligen Kommunen.
Befallene Bereiche möglichst meiden, Kinder und Hunde fernhalten, gerade für Hunde können die alten, auf den Boden gefallenen Nester gefährlich sein.
Lässt sich ein Aufenthalt in der Nähe befallener Bäume nicht vermeiden, können lange Kleidung und Kopfbedeckung helfen, Hautkontakt zu reduzieren.
Nach möglichem Kontakt: duschen, Haare waschen und getragene Kleidung reinigen. Wer schwere oder anhaltende Reaktionssymptome hat, sollte einen Arzt aufsuchen. Auf Hinweisschilder achten.
(Quelle: Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg)

