Demo in Lübben
: „Wir reden Klartext“ – Bauern und Unternehmer machen sich Luft

Hunderte Menschen sind einem Aufruf der Bürgerinitiative „Unser Lübben“ gefolgt und zur Demo auf dem Marktplatz gekommen. Die Stimmung: aufgeheizt.
Von
Andreas Staindl
Lübben
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Zahlreiche Traktoren, viele mit Botschaften auf Schildern, haben sich an der Ausfahrt nach der Kundgebung in Lübben beteiligt.

Andreas Staindl

Lübbens Marktplatz am Montagabend (29. Januar): Geschätzt tausend Menschen sind am Tag, nachdem das Bündnis „Buntes Lübben“ zur Kundgebung gegen rechts aufgerufen hatte, zum Protest der Bürgerinitiative „Unser Lübben“ gekommen. Es sind deutlich mehr.

Das Ziel der Initiative: Neuausrichtung der Politik und gelebte Demokratie. Kein Alleingang. Bauern, Handwerker, Gewerbetreibende Hand in Hand mit Bürgern – das ist die Situation im Januar 2024 in Lübben. Viele Teilnehmer äußern lautstark, was sie umtreibt, dass sie „die Schnauze voll haben“. Warum und wieso, das wurde sehr deutlich. „Wir reden Klartext“ war ohnehin das Motto.

Zahlreiche Redner schilderten ihre persönliche Situation, ihre Unzufriedenheit mit der Ampelregierung, machten ihrem Ärger über Diffamierung und eine – aus ihrer Sicht – inflationär benutzte Nazi-Keule Luft. Und sie sorgen sich um die Zukunft; wie etwa Florian Dinse. „Ich trage Verantwortung für zahlreiche Mitarbeiter“, sagt der Geschäftsführer der SpreeWa Bauelemente GmbH in Duben, einem Ortsteil von Luckau.

„Die Politik macht es uns jedoch immer schwerer, wirtschaftlich zu arbeiten. Die stark gestiegenen Energiekosten haben etwa das Material unserer Zulieferer erheblich verteuert. Jede Firma muss die Preise erhöhen, nur um rentabel zu sein.“ Der Unternehmer geht mit der Bundesregierung hart ins Gericht, sagt: „Wir zahlen viele Steuern und machen das auch gerne. Doch statt in Infrastruktur, in Bildung und andere Bereiche in Deutschland zu investieren, verteilt die Ampelregierung unser Geld in der ganzen Welt.“ Florian Dinse fordert „kluge Köpfe in der Politik“, die er und auch die anderen Redner am Montagabend in der aktuellen Bundespolitik nicht sehen.

Der Marktplatz in Lübben war am Montagabend voller Menschen. Geschätzt tausend Bürger sind zur Kundgebung der Bürgerinitiative „Unser Lübben“ gekommen.

Andreas Staindl

Unternehmer beklagt hohe Steuerlast für Familien

Sebastian Ternick führt einen Forstbetrieb. Er beklagt eine „hohe Steuerlast, die Familien in Deutschland tragen“ müssten. „Meine Mutter hat ihr ganzes Arbeitsleben lang gearbeitet und bekommt jetzt noch nicht einmal die Durchschnittsrente.“

Auch Stephan Schötz macht seinem Ärger Luft. Der Straußenzüchter aus der Mitte des Landkreises Dahme-Spreewald fühlt sich von Medien und Ampel-Politikern diffamiert und in die rechte Ecke gestellt. Er verwehrt sich dagegen.

Stephan Schötz war einer der Redner. Der Straußenzüchter geht hart mit der Bundesregierung ins Gericht.

Andreas Staindl

Gegen die „Idiotie und Ideologie“ der Bundesregierung

Thomas Knott von der Mittelstandsinitiative Brandenburg spricht sich klar gegen „die Idiotie und Ideologie“ der Bundesregierung aus. Es braucht seiner Ansicht nach Menschen in Verantwortung, „die Politik fürs Volk machen und nicht nur in Talkshows sitzen“. Er fordert: „Die Ampel muss zurücktreten.“

Ronny Lehmann, Landwirt, Jäger, Vater und in der Agrargenossenschaft Dürrenhofe (Märkische Heide) tätig, kritisiert die Finanzpolitik der Bundesregierung: „Die finanzielle Unterstützung von militärischen Konflikten wie etwa in der Ukraine und Israel muss aufhören. Das kostet uns alles nur viel Geld, das für Bürger in Deutschland nicht mehr da ist. Unsere Steuern dürfen nicht länger für Kriegsführungen in der ganzen Welt verschwendet werden, sondern müssen endlich wieder unseren Bürgern zugutekommen.“ Ronny Lehmann warnt vor einer weiteren Spaltung der Gesellschaft, „die schon mit Corona begonnen hatte“.

Rainer Gosdschan von der Freizeit Oase in Lübben sorgt sich um die Zukunft des Familienunternehmens, sagt: „Es sieht schlecht aus für uns. Die Politik nimmt uns unsere Perspektive. Das hatte schon mit Corona begonnen. Während große Handelsketten durchgehend geöffnet hatten, mussten wir schließen. Die finanziellen Verluste bedrohen unsere Existenz. Und die Belastungen etwa durch steigende Energiepreise werden immer mehr.“

So wie er und die anderen Redner machte auch Ron Wegner deutlich, „weder rechts noch links“ zu sein. „Ich bin einfach ganz normal.“ Der Musiker, der als Lindenberg-Double unterwegs ist, schilderte seine ganz persönlichen Erfahrungen mit Entscheidungen der Regierungspolitik: „Während der Corona-Zeit durfte ich in Deutschland nicht mehr auftreten und bin, um zu überleben, ins Ausland gegangen. Und jetzt spüre ich, dass die Leute sich immer weniger Kultur und Unterhaltung leisten wollen oder können.“

Er sei aus finanziellen Gründen inzwischen von Berlin nach Lübben gezogen. Dort präsentierte er sich am Montagabend mit dem Lied „Wozu sind Kriege da?“ von Udo Lindenberg den Teilnehmern der Kundgebung. Viele stimmten mit ein, sangen leise oder lauter mit.

Nancy Schendlinger (2.v.l.) von der Bürgerinitiative „Unser Lübben“ stimmte mit anderen Sängern ein Lied zum Ende der Kundgebung am Montag in Lübben an.

Andreas Staindl

Zum Abschluss wird noch mal gesungen

Gesungen wurde auch zum Abschluss – angeführt von einem Quintett um Nancy Schendlinger von der Bürgerinitiative „Unser Lübben“. Die Lübbenerin meint: „Dass Politiker, Medien und andere Akteure jetzt gemeinsam bundesweit mobil machen mit Demos gegen rechts – das ist für mich Hass und Hetze und spaltet unsere Gesellschaft.“

„Wir müssen weiter friedlich demonstrieren und mutig unsere Meinung äußern“, sagt Ronny Lehmann. Und Sebastian Ternick fordert: „Herr Bundeskanzler, stellen Sie die Vertrauensfrage.“

Mit einer Ausfahrt durch Lübben mit vielleicht hundert und mehr Traktoren, landwirtschaftlichen Fahrzeugen, Handwerkerautos und anderen Fahrzeugen zeigten die Demonstranten am Montagabend dann auch abseits des Marktplatzes lautstark ihren Frust.