Die Lage zum Coronavirus ist noch unübersichtlich und sorgt für Verunsicherung, auch in Lübben und im Landkreis Dahme-Spreewald. Ab Mittwoch wird der Unterricht an Schulen eingestellt, Kitas arbeiten mit einer Notbetreuung. Die Stadtverwaltung Lübben schließt das Rathaus. Anliegen werden mittels Sprechanlage weitergegeben, informiert die Verwaltung, oder besser telefonisch geklärt. Ziel ist es insgesamt, soziale Kontakte einzuschränken, um Ansteckungen zu vermeiden.

Menschen mit hohen Risiken, beispielsweise aufgrund von Vorerkrankungen, überlegen es sich derzeit oft zweimal, ob sie das Haus verlassen – aus guten Gründen –, um beispielsweise einkaufen zu gehen. Die Lübbenerin Sandra Pengel macht gemeinsam mit Anne Kienappel vom sich gerade gründenden Ernährungsrat Spreewald ein Angebot: Sie würden auf Bestellung für andere das Notwendige besorgen – in realistischen Umfängen natürlich.

Einkaufshilfe für Menschen mit hohem Gesundheitsrisiko

„Personen, die die Einkaufshilfe in Anspruch nehmen möchten, können sich per Mail oder telefonisch vorab melden oder direkt eine Bestellung abgeben“, erklärt sie die Vorgehensweise. Der Versuch ist ganz neu und am Montag dieser Woche gestartet. Die Idee von Nachbarschafts- oder Einkaufshilfen entsteht europaweit derzeit verbreitet unter den Corona-Einschränkungen und nimmt verschiedene Formen an: Vom einfachen Zettel im Hausflur bis zu Netzwerken über soziale Medien oder per Email. Die beiden Lübbenerinnen haben sich für die letztere Variante entschieden. Wer Hilfe braucht, kann sich bis Donnerstag 14 Uhr telefonisch unter 03546 2353043 (Anne Kienappel) oder 0151 27500100 (Sandra Pengel) oder per Email an die beiden wenden: spreewald@ernaehrungsrat-brandenburg.de. Bezahlt wird bei Übergabe. Die Auslieferung erfolgt am Freitagnachmittag/-abend innerhalb von Lübben und deren Eingemeindungen. „Ebenfalls können sich engagierte Bürger bei uns melden, wenn sie als ehrenamtliche Helfer zum Austeilen von Lebensmitteln zur Verfügung stehen möchten“, sagen die beiden. Denn so wichtig soziales Abstandhalten derzeit ist, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen: soziale Kälte soll daraus nicht werden.

Cottbus

Krisenstäbe arbeiten an Notbetreuung für Kinder

Unterdessen arbeiten die Krisenstäbe im Landkreis und in den Verwaltungen der Region intensiv daran, die Notbetreuung für die Kita-Kinder ab Mittwoch zu organisieren. Aktuell wird erfasst, wer den Bedarf hat. Eltern und Alleinerziehende, die an ihrem Arbeitsplatz derzeit dringend gebraucht werden, weil sie Ärzte, Ärztinnen, Pfleger oder Krankenschwestern sind, in der Polizei, bei der Justiz oder bei der Feuerwehr arbeiten, gehören beispielsweise dazu. Das wird aber jeweils gesondert geprüft, und daher wurden nun die Verwaltungsakte für die nächsten Schritte vorbereitet. Das bedeutet konkret: ein neues Formular steht zwischen den Eltern und der Notbetreuung.

Formular zur Bedarfsbestätigung für Eltern ab Dienstag

Die zugehörige Verfügung des Landkreises stand für Montagabend auf dem Abarbeitungsplan. Spätestens am Dienstag soll das notwendige Formular verfügbar sein. In Lübben wird es in den Einrichtungen ausgegeben oder ist auf der Homepage abrufbar, so die Verwaltung. Die Eltern müssen sich vom Arbeitgeber und vom Betreuungsträger den Bedarf bestätigen lassen, damit ihr Kind ab Mittwoch in die Notbetreuung gehen kann. Vorgehalten wird diese Landkreis-Informationen zufolge bis einschließlich zwölf Jahre.

Der Landkreis zielt – entsprechend der Strategie des Landes Brandenburg – darauf ab, möglichst alle Kitas offen zu halten und lieber die dortigen Gruppen zu verkleinern als die Kinder, deren Eltern arbeiten müssen und sie nicht Zuhause lassen können, in einzelnen Kitas zusammenzuziehen. Denn dadurch würden, so die Begründung, neue Gruppen und somit aus virologischer Sicht neue Infektionsketten entstehen. Aus pädagogischer Sicht wiederum sind neue Zusammensetzungen für viele Kinder schwierig.

Die ganz konkrete Umsetzung ist noch nicht vollständig organisiert. In der Gemeinde Märkische Heide stellte Bürgermeisterin Annett Lehmann erleichtert fest: „Am Montag gab es viele verständnisvolle Eltern, die ihre Kinder nicht in die Kitas gebracht haben.“ Neben dem Gesundheitswesen und der Polizei nennt sie auch die Landwirtschaft als einen „systemrelevanten Bereich“. Lehmann: „Kühe im Stall müssen auch weiterhin gefüttert werden.“ Sie vermutet, dass erst am Mittwoch wirklich Klarheit herrschen werde, wie es bei der Kinderbetreuung in Märkische Heide weitergeht.

Wie viele Kinder in Kitas und Horten des Amtes Lieberose/Oberspreewald ab Mittwoch betreut werden müssen, soll im Lauf des Dienstags feststehen. Wie Amtsdirektor Bernd Boschan mitteilt, wurden am Montag die Bedarfsmeldungen an die Eltern ausgegeben. Hinsichtlich der Grundschüler sei klar, dass die Horte in Straupitz und Lieberose geöffnet bleiben werden. Entsprechend den Bedarfsmeldungen werde entschieden, wie viele Erzieher nötig sein werden. Betrachtet würden dabei auch die familiären Bedingungen der Erzieher und die Tätigkeit des Partners.

Die aktuelle Zahl der Infizierten liegt im Landkreis Dahme-Spreewald zwar derzeit im einstelligen Bereich. Doch das Virus breitet sich exponentiell aus und kann schwere infektiöse Lungenentzündungen auslösen. Mit den Schulschließungen ab Mittwoch und der Notbetreuung an Kitas soll die Ausbreitung möglichst eingedämmt werden.

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