Museumsleiterin Corinna Junker hat es bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Lübben 1989“ gespürt: „Es gibt noch immer viel Redebedarf.“ Die brandenburgische Frauenwoche, die immer Anfang März rund um den Frauentag stattfindet, nimmt sie deshalb zum Anlass für einen weiteren „Runden Tisch“.

Im Mittelpunkt der Gesprächsrunde soll diesmal die Entwicklung der Gleichstellung zwischen 1989 und 2019 stehen. Junker betont, dass an dieser offenen Gesprächsrunde durchaus auch Männer teilnehmen können. Denn beim Thema Gleichberechtigung seien nicht nur Frauen gefordert. Rollenbilder sind in der männerdominierten Welt immer noch fest in den Köpfen verankert. Junker erinnert sich das Speeddating zur Frauenwoche im vergangenen Jahr. Eine der anwesenden Frauen berichtete, dass ihr Mann, der zur Betreuung des gemeinsamen Kindes zu Hause blieb, von seinem Chef keine Unterstützung für die weitere Karriere erhielt.

Um wiederum mit persönlichen Erfahrungen die Diskussion zu bereichern, hat die Museumsleiterin bereits einige interessante Frauen angesprochen. Grundsätzlich erhofft sie sich – wie schon aus der Diskussion zur Eröffnung der Ausstellung – weitere Einblicke in die Zeitgeschichte Lübbens. Zur Einstimmung ins Thema will Corinna Junker deshalb Ergebnisse aus den Umfragen in der Sonderausstellung vorstellen. Wer selbst noch Teil der Statistik werden will, hat nur noch bis zum Sonntag, 8. März, Zeit dafür. An diesem Tag ist die Sonderausstellung zum letzten Mal im Museum Schloss Lübben zu sehen.

Die Frauenwoche geht am 11. und 12. März in Lübben mit einer Schreibwerkstatt und einem Cartoon-Workshop weiter. „Nachdem der Comic-Workshop bei den Schülern im vergangenen Jahr so gut angekommen ist, wollen wir dieses Projekt auch für Frauen öffnen“, erklärt Corinna Junker. Denn es habe einige gegeben, die gern mitgemacht hätten. Mit Meinhard Bärmich konnte Junker einen Cottbuser Künstler gewinnen, der noch dazu eine zum Thema Lübben 1989 passenden Aspekt in seinem Leben hat. Bärmich verließ nämlich 1989 illegal die DDR, um 1990 – nach der Wende – wieder zurückzukommen.

Wie bei der Gesprächsrunde geht es auch beim Zeichnen um das Thema „1989 bis 2019 – Gleichstellung zwischen Vorstellung und Realität“. Für Frauen, die wohler fühlen, Gedanken als Buchstaben und Worte aufs Papier zu bringen, sind in der Schreibwerkstatt von Peter Dumat richtig. Er hat einen ähnlichen Workshop im vergangenen Jahr zum Trachtenfest durchgeführt und die Teilnehmer auf interessante Wege geführt.

Ein echtes Experiment werde die offene Lesebühne zum Abschluss der Frauenwoche am 20. März, so Corinna Junker. Aber sie hofft auf die gute Erfahrung der Museumsnacht. Damals hatte sich eine Person getraut, ihre Gedanken vorzulesen. Vielleicht findet sich diesem wieder jemand, der mutig genug ist. Ansonsten wird das Museumsteam eine druckfrische Broschüre vorstellen. In dieser werden die Umfragen der Sonderausstellung dargestellt und die Ergebnisse der Gesprächsrunde sowie der Workshops zusammengefasst. Das Thema Gleichstellung hat so die Chance, nach der Frauenwoche weiter in der Lübbener Gesellschaft zu wirken.

Lübbener Termine zur brandenburgischen Frauenwoche


Am Donnerstag, 5. März gibt es eine offene Gesprächsrunde über die Gleichstellung 1989 und 2019 für alle. Beginn ist 17 Uhr im Wappensaal.

Eine szenisch-musikalische Lesung folgt am Samstag, 7. März, im Wappensaal. Bastienne Voss und Reiner Heise lesen ab 18 Uhr unter der Überschrift „Frau Wirtin hatte einen Knecht – die Unzucht unserer Großeltern“.

Anmelden müssen sich Interessentinnen für die beiden Workshops unter Telefon 03546 187478. Am Mittwoch, 11. März, lädt Peter Dumat ab 16 Uhr zur Schreibwerkstatt ins Museum Schloss Lübben. Und am Donnerstag, 12. März, beginnt um 16 Uhr die Zeichenwerkstatt mit Meinhard Bärmich.

Den Abschluss der Frauenwoche bildet am Freitag, 20. März, die offene Lesebühne. Beginn ist 15 Uhr. Dort werden auch die Ergebnisse der Workshops präsentiert.

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Die Kosten tragen das brandenburgische Sozialministerium, die Gleichstellungsbeauftragten des Landes und des Landkreises sowie die Stadt Lübben.