Ursprünglich waren 35 Tage vorgesehen, um die neue Abwasserhauptdruckleitung unter dem Roten Nil zu verlegen. Nun hat sich die Bauzeit verdreifacht. Außerdem wird für die Querung des Nordumfluters ein anderes Vortriebsverfahren nötig, erläutert Werkleiter Bert Dörre jüngst im Ausschuss.
Die Gründe nennt Daniel Hupfer vom Dresdner Planungsbüro, mit dem die Stadtentwässerung Lübben (SEL) bei diesem Projekt zusammenarbeitet. Es gab Schwierigkeiten, das Wasser aus den Baugruben heraus zu halten. Später verklemmten sich 20 Zentimeter große Steine in der Schnecke der Tunnelbohr-Maschine, die dadurch zerstört wurde. Zur Bergung der Technik mussten zwei große Gruben ausgehoben werden. „Die Schwierigkeiten sind beseitigt, die Arbeiten laufen im gewohnten Rhythmus und in zwei bis drei Wochen soll die Querung des Roten Nils abgeschlossen sein“, so Hupfer.

Mikrotunnelbau mit Spülförderung ist favorisierte Variante

Parallel hat die mit den unterirdischen Rohrverlegearbeiten beauftragte BGC Brunnenbau aus Calau am Nordumfluter mit den vorbereitenden Arbeiten für die Untertunnelung des Gewässers begonnen. Beispielsweise sind die Schächte eingebaut, zwischen denen insgesamt 60 Meter Hauptdruckleitung neu entsteht. Nach den Erfahrungen am Roten Nil haben SEL, Planer und Bohrfirma den Untergrund genauer betrachtet. Dabei kam man zu dem Schluss, dass Grundwasser und Steine erneut zu Problemen führen können. Aber die offene Bauweise oder Rettungsgrabungen scheiden als Varianten aus. Die Baufirma schlägt deshalb ein anderes Verfahren für die Unterquerung des Gewässers vor. Die Mehrkosten würden sich auf rund 70 000 Euro belaufen. Da jedoch weiterhin die Gefahr eines Wassereinbruchs besteht und Steine nur bis zu einer Größe von zehn Zentimetern gefahrlos gefördert werden können, favorisiert die SEL den Mikrotunnelbau mit Spülförderung, die rund 185 000 Euro mehr kosten werde, so Hupfer.
Aktuell werden ein entsprechender Kostenvoranschlag und ein neuer Zeitplan erarbeitet, so Werkleiter Bert Dörre. Bis zur kommenden Woche sollen die Unterlagen abgestimmt und vom Werkausschuss bestätigt werden. Denn die Abwasserhauptdruckleitung muss bis in die Gubener Straße verlegt sein, bevor der Landesbetrieb im Oktober mit dem Brückenbau beginnt.