Heinrich Theodor Fontane hätte im vergangenen Jahr seinen 200. Geburtstag gefeiert. Dem deutschen Schriftsteller, Kritiker und Journalisten war aus diesem Anlass ein Themenjahr im Land Brandenburg gewidmet worden. Ihm zu Ehren gab es auch in Lübben zahlreiche Veranstaltungen während der vergangenen  Monate. „Wir haben einen bunten Strauß an Veranstaltungen gebunden“, sagt Peggy Nitsche von der Tourismus, Kultur und Stadtmarketing (TKS) GmbH. Den Schlusspunkt setzte die literarisch-musikalische Geburtstagsfeier am 30. Dezember des vergangenen Jahres im Lübbener Wappensaal. Genau an jenem Tag, an dem der Schriftsteller vor 200 Jahren in Neuruppin geboren wurde.

Fontane lockt offenbar

Doch reicht das, um den Wappensaal zu füllen, noch dazu an einem Montagnachmittag, und dann noch zwischen Weihnachten und Silvester platziert? „Sicher waren wir uns nicht“, sagt Peggy Nitsche, „auch wenn wir ordentlich geworben haben.“ Es hat sich gelohnt. Fontane lockt offenbar. Nicht alle, doch sehr viele Sitzplätze waren besetzt in Lübbens guter Stube. Klar, war doch Theodor Fontane angekündigt. Nicht persönlich, na klar, doch als historische Figur.

Frank Selbitz schlüpfte in die Rolle des Geburtstagskinds. Der ehrenamtliche Nachtwächter, der seit Jahren nachts durch die Straßen und Gassen der Kreisstadt zieht, brachte den Besuchern Fontane näher. Mit dessen unerschöpflichen Lebensweisheiten und mit Lieblingsstellen aus den zahlreichen Werken des Schriftstellers. Dass dieser auch im Spreewald war, das ist bekannt. Frank Selbitz nahm die Zuhörer mit in die damalige Zeit, ließ sie teilhaben an Fontanes Reisen und Begegnungen in der Lagunenlandschaft. Einer seiner Ausflüge, so erzählt er, führte ihn nach Lubolz – damals noch nach Groß und Klein Lubolz.

Frank Selbitz taucht ein in die Geschichte der damaligen Zeit, nennt Personen der Zeitgeschichte. Einige der Nachfolger saßen am Montagabend mit auf der Bühne im Wappensaal. Quasi der Brückenschlag von der Zeit Fontanes in die Gegenwart. Und wie wohl damals wurde auch diesmal am Kaffeetisch munter geplaudert. An diesem saßen am Montag die Ortsvorsteherin Marita Kabitschke sowie die Ortsbeiratsmitglieder Simone Kuhne und Paul Bruse – allesamt aus Lubolz. Fontane wusste wohl schon damals: „Im Spreewald weiß man zu feiern.“

Literarischer und musikalischer Hörgenuss

Im Lübbener Wappensaal hieß es: „Prost auf den 200. Geburtstag des Schriftstellers!“ Lehrkräfte und Studenten der Musikschule Miertsch aus dem Süden des Landkreises Dahme-Spreewald stießen musikalisch an. Die drei Bläserinnen präsentierten romantische und klassische Musik sowie Volkslieder zu Ehren Theodor Fontanes. Geburtstagsständchen quasi.

Der berühmte Schriftsteller hätte seine Freude daran gehabt. Das Publikum applaudierte stellvertretend. Die drei jungen Musikerinnen ergänzten sich hervorragend mit Frank Selbitz. Der wiederum nahm die Zuhörer mit Worten gedanklich mit in Fontanes Zeit. Zu dessen Kahnfahrt mit Lübbens früherem Bürgermeister Neumann, vorbei an markanten Punkten der Stadt Lübben bis nach Steinkirchen. Und immer wieder gab es Querverweise zu lebenden Persönlichkeiten.

Ein literarischer und musikalischer Hörgenuss war das, was den Besuchern im Wappensaal geboten wurde. Ohne Zugabe wollten sie nicht nach Hause. Frank Selbitz „servierte“ ihnen zum Abschluss „Herr von Ribbeck auf Riebeck im Havelland“-ein weltbekanntes Gedicht natürlich auch von Theodor Fontane.