Von Birgit Keilbach

Klezmer ist Musik voller Lebensfreude, die auch nachdenklich, sentimental sein kann. Das erlebten die rund 100 Zuhörer am Freitagabend in der Luckauer Kulturkirche. Fünf exzellente Musiker spielten die instrumentale Volksmusik der osteuropäischen Juden nicht einfach, sie lebten sie.

Das übertrug sich schon nach den ersten Stücken auf das Publikum. Wippende Füße in allen Stuhlreihen. Klarinettist Leo Ellenzweig spielte nicht nur virtuos, ihm gelang es auch wiederholt, einige Zuhörerinnen zum Tanzen zu bewegen. So wie es zu einem Fest gehört, bei dem die Klezmorim, die fahrenden jüdischen Musikanten, ab dem 15. Jahrhundert aufspielten. Neben seinem langjährigen Musikerfreund Leo Ellenzweig hatte Boris Rosenthal in seiner Gruppe mit Max Doehlemann am Klavier, Dirk Strakhof am Kontrabass und Martin Fonfara am Schlagzeug ebenso virtuose wie leidenschaftliche Musiker nach Luckau mitgebracht. Jeder auch solistisch ein Könner seines Fachs, was die Zuhörer mit entsprechendem Beifall honorierten.

Das Publikum nimmt die Stimmung der Musiker auf, lässt sich von ihr tragen, und singt sogar mit. „Dona, Dona“ – ein erhabener Chor ertönt im Klostersaal. Dann bringt die Klarinette wieder einen starken Rhythmus, Daseinsfreude bahnt sich ihren Weg. Angeregt entlässt Boris Rosenthal das Publikum in die Pause und verspricht: „Der zweite Teil wird gewaltig.“ Er hat nicht zu viel versprochen. Mitreißender Auftakt ist das Lied des jüdischen Milchmannes Tewje in „Anatewka“ von Jerry Bock „Ach wenn ich nur reich wär, dideldum“. Und alle klatschen mit im Takt. Dann legen sie noch eins drauf, mit einem Medley mit swingenden Elementen, Brechts „Mackie Messer“ taucht auf und die Musicalmelodie „Hello Dolly“.

Dann erzählt Boris Rosenthal aus seiner Kindheit im ukrainischen Lwiw, früher Lemberg. Ein Kinderlied habe ihm die Mutter immer vorgesungen, aber nicht erklärt, dass es ein jiddisches ist. „Weil die Eltern uns von der Religion fernhalten wollten, es wäre damals zu gefährlich gewesen“, erläutert der Musiker. Erst mit etwa 30 Jahren habe er dieses Lied wieder gehört und seinen Ursprung erfahren. Seitdem begleite es ihn auf allen Bühnen der Welt. Leise, besinnlich erklingt Ojfn Pripichek, markiert einen Ruhepunkt im Konzertabend. Dann geht es weiter mit fröhlichen, beschwingten Klängen, Klassik und Klezmer, auch das passt. Schließlich singen alle beschwingt „Tum Balalaika“, wiegen sich im Walzertakt und der Chor erfüllt ein weiteres Mal den Konzertsaal. Der Applaus brandet auf, die Konzertgäste stehen und fordern sich mit energischem Klatschen noch zwei Zugaben ein.

Jutta und Hans-Jörg Müller waren schon zum zweiten Mal beim Klezmer-Konzert in der Kulturkirche und sind wieder begeistert. „Sie haben richtig Stimmung gemacht, das Publikum mitgerissen mit dieser Mischung aus jüdischer Folklore und populärer Musik“, sagt die Egsdorferin Jutta Müller. Gisela Horn ist erst im vergangenen Jahr aus Berlin nach Langengrassau gezogen und erschließt sich gerade die kulturellen Angebote der Region. Klezmer kenne sie schon aus Berlin. „Ich wusste, was mich erwartet. Die Qualität ist gut, es macht Spaß und hat Niveau“, resümiert sie.

Vom Konzertangebot in Luckau ist Inge Barth begeistert. „Die Musik heute war wunderbar und sie hatten so einen Schalk in der Interpretation“, beschreibt die Luckauerin ihr Erleben. Die Musik sei unglaublich rhythmisch, mitreißend. „Trotzdem hat sie etwas Ruhiges“, ergänzt die Musikfreundin. Bärbel Jahn gefiel es, wie die Musiker mit dem Publikum gespielt haben. „Und der Humor spiegelt die Lebensfreude wider.“ Boris Rosenthal gibt den Zuhörern noch ein Dankeschön mit auf den Nachhauseweg, „dafür, dass sie zu uns gekommen sind, um unsere Musik zu hören.“